Plattenkritik

31 Knots - Trump Harm

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Release Date: 06.05.2011
Datum Review: 19.05.2011

31 Knots - Trump Harm

 

Ein Mann von Unruhe gebeutelt scheint er zu sein. Voller Energie die aus ihm herausströmt. Überquellende Kreativität verteilt auf die verschiedensten Konstellationen. Im Frühjahr erst das formidable Debüt von Tu Fawning veröffentlicht, vor kurzem noch Tourbegleitung von Menomena und mittlerweile festes Mitglied nach dem Ausstieg von Brent Knopf.
Der Anker von für John Haeges umtriebige Fahrten durch seine Projekte ist und bleibt jedoch seine Band 31 Knots. Für jedes seiner Projekte wachsen somit zwei Arme aus seinem Kopf und ein Paar wäre sogar noch übrigen auf dem unsagbar hässlichem Cover von Trump Harm, welches auch vor blassen Männeroberkörpern nicht zurückschreckt.

Eine kreative Pause wollten, mussten, konnten sie einlegen nachdem vor drei Jahren veröffentlichtem Worried Well. Andere Bands nehmen das als Stichwort für durchaus mehrjähriges, bis in den tiefen Bereich der zweistelligen Zahlen reichendes, Faulenzen. Scheinbar ist aber nicht nur John Haege voll von unkanalisierter Energie sondern auch Jay Winebrenner und Jay Pellicci. So kommt es das 31 Knots wieder einen Reigen von schwer kategorisierbaren Songs, eine Art Bastard aus Mathrock und Indierock der Neunziger, in den Ring werfen.

Wo bei früheren Alben die Songs stellenweise noch durch Samplearbeit geprägt wurden, zeigen sich jetzt vielfältige Einflüsse. Die stellenweiße übersteuernder wütende Stimme von John Haege ist nahe an Isaac Brock (Modest Mouse), kann aber genauso feine Melodiebögen schwingen oder in hypnotischen Sprechgesang fallen. Gemeinsam ist jedoch immer das innere Chaos, die Instabilität welche bei jedem Song allein durch Stimme vermittelt wird.
Die Gitarrenarbeit tut hier ihr übriges. Hypnotische Riffs, ausgebuffte Frickeleien, unerwartete Ausbrüche und atonale zerfetzende Solos die jedes Lied an sich reisen können. Jay Winebrenner und Jay Pellicci könnten als Rhythmusgruppe für die ruhige Basis dieser ausufernden um die Ecke hüpfenden Songs dienen, aber auch die beiden wollen ihren Spass und sind bei weitem nicht immer zu halten. Jedoch alles zur passenden Zeit. Bei keinem Song auf Trump Harm wird kopflos dem blinden Aktionismus verfallen losgestürmt. Die Strukturen wirken nicht willkürlich sondern gut durchdacht und geplant ohne jedoch Platz zu vergessen für den ein oder anderen unerwarteten Einschub.

Mit ´Onanist’s Vacation´ (toller Titel) beginnt das Album fast schon sonnig, mit einer verhältnismäßig entspannt geschrammelten Gitarre. ´Egg On My Face´ besticht durch eine in den Vordergrund tretende Bassmelodie und in ´Love In The Mean Of Heat´ zeigen sich John Haeges Beziehungen zu Menomena. Hektisches Klavier in ´Dark Control´ und ein Bass der zunächst mehr an ein Saxophon erinnert – auch toll. Als Schlusspunkt noch der zumindest anfängliche Ruhepunkt ´One Tongue Room´ der letztendlich auch noch im Lärm versinkt. So, wie die hier aufgezählten Lieder, hat jeder Song seine Eigenständigkeit und dennoch erscheint Trump Harm wie aus einem Guss. Schade nur, dass sich ab der Hälfte leichte Abnutzungserscheinungen, bei den sich doch leicht wiederholenden Methoden, zeigen. Ein oder zwei zerfaserte Gitarrensoli weniger hätten auch nicht geschadet. Trotzdem ein mehr als empfehlenswertes Album.

7,5

Tracklist:

1. Onanist's Vacation
2. Candles on Open Water
3. Middle Ages
4. Egg On My Face
5. A Lot Can Tell
6. Love In The Mean Of Heat
7. Stand Up
8. Dark Control
9. Get Gone
10. One Tongue Room

Alte Kommentare

von DrFaust 19.05.2011 11:49

Definitiv der erste ernsthafte Kandidat für "Hässlichstes Cover 2011"!

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Kilian

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