Plattenkritik

ACTS OF TRAGEDY - Left With Nothing

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Info

Release Date: 10.02.2017
Datum Review: 27.02.2017
Format: CD Digital

Tracklist

 

01. Under the Stone
02. Melting Wax
03. The Worst Has yet to Come
04. The Man of the Crowd, Pt. 1
05. Smoke Sculptures and Fog Canvas
06. The Man of the Crowd, Pt. 2
07. Incomplete
08. Nothing
09. Vice
10. Oaks

Band Mitglieder

 

Alessandro Castellano - Drums
Andrea Orrù - Vocals
Lorenzo Meli - Bass
Paolo Mulas - Guitar
Gabriele Murgia - Guitar & Backing Vocals

ACTS OF TRAGEDY - Left With Nothing

 

Unverhofft kommt oft, diese Redewendung kann man als Rezensent nicht häufig genug hören und doch sind wirkliche Überraschungen eher eine Seltenheit. Umso größer ist die Freude, wenn man dann doch mal komplett von einer Veröffentlichung überrumpelt wird. So geschehen bei "Left With Nothing", dem Debütalbum von ACTS OF TRAGEDY aus Cagilari, der Hauptstadt Sardiniens. Der italienische und mediterrane Raum ist im Metalkontext ja eigentlich eher für Klassiches, Symphonisches oder Düsteres bekannt; ACTS OF TRAGEDY könnten die Region aber nun auch in Sachen Metalcore und Modern Metal deutlich sichtbar auf die Karte setzen.

 

Was dem Freund moderner Metalklänge bereits in den ersten sieben Minuten um die Ohren geblasen wird, kann einem vor Verzückung ein schelmisches Grinsen ins Gesicht zaubern. Der Opener "Under The Stone" und das folgende "Melting Wax" tönen, als hätten sich THE DILLINGER ESCAPE PLAN, EVERY TIME I DIE und BURY TOMORROW zur gemeinsamen Jam-Session mit MIKE PATTON verabredet, Mitglieder von LAMB OF GOD schauen auch gelegentlich rein. Das klingt auf dem Papier vielleicht etwas chaotisch und wirkt auf Tonträger gebannt bisweilen wie ein halsbrecherischer Ritt über Stock und Stein, jedoch geben ACTS OF TRAGEDY nie die Zügel aus der Hand und behalten stets die Kontrolle. Galoppierender Thrash und Metalcore treffen auf flirrende Mathcore-Eruptionen, wütendes Gekeife trifft auf hymnische Refrains. Unterstützt von Gitarrist Gabriele Murgia macht Frontmann Andrea Orrù dabei sowohl in rauen als auch in klaren Tonlagen einen großartigen Job. Das rasante Tempo der jungen Truppe wird zur Auflockerung immer mal wieder etwas gezügelt, wie z.B. bei "The Worst Has Yet To Come", das zwischen der Relaxedness von FAITH NO MORE und brachialen Riff-Ausbrüchen pendelt. Zur Mitte des Albums macht der fast schon doomige Groover "Smoke Sculptures" seinem Namen alle Ehre und mit "Nothing" gibt es sogar eine reine Akustiknummer, bei der besonders Andrea Orrù mit leidenschaftlichem Gesang und ganz ohne jeden Kitsch für wohlige Gänsehaut sorgt. Dazwischen gibt es mehr vom explosiven Gebräu aus verschiedenen Core- und Metal-Spielarten; ständig passiert etwas und überall gibt es was zu entdecken, von Langeweile keine Spur.

 

Auf ihrem Full-Length-Debüt, dem bisher nur eine EP vorangegangen ist, glänzen ACTS OF TRAGEDY mit beeindruckender Professionalität, wahnsinnigem Selbstbewusstsein und einer Vielseitigkeit, von der sich andere junge Bands ruhig eine dicke Scheibe abschneiden dürfen. Auch wenn dem Album noch ein bis zwei zwingende Hits fehlen, mit der durchgängig hohen Qualität von "Left With Nothing" hat sich die Truppe Erfolg und Aufmerksamkeit redlich verdient.

 

 

 

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Hans

Autoren Bio

Meine großen Leidenschaften: Literatur und laute Musik. Plattenkritiken liegen nahe.

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