Plattenkritik

AJ Schnack - Kurt Cobain - About A Son (Film)

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Release Date: 29.09.2009
Datum Review: 06.12.2009

AJ Schnack - Kurt Cobain - About A Son (Film)

 

Wenn ein Mensch sich das Leben nimmt, interessiert das, bis auf die Angehörigen und engen Freunde, eigentlich niemanden eine lange Zeit. Die Dinge nehmen weiter ihren Lauf und das Leben schreitet voran, ab diesem Zeitpunkt leider nur ohne die jeweilige Person. Passiert das Ganze jedoch im Rahmen der schillernden Musikwelt, sieht die Geschichte schon ganz anders aus. Für viele Menschen ging am 5. April 1994 die Welt unter. An diesem Tag nahm sich Kurt Cobain, bis dahin Frontmann von NIRVANA, das Leben. Leute brachen in Tränen aus, sahen in ihrem Leben keinen Sinn mehr und genau hier stellt sich der Unterschied zwischen einem „normalen“ Menschen und einem Rockstar dar. Die Welle an theorien, Veröffentlichungen und Diskussionen brechen bis heute, fast 16 Jahre später, nicht ab. Überraschend kam das Ganze jedoch nicht wirklich, hat sich das tragische Ende doch schon lange vorher durch Cobains Lebensstil, seine psychischen Probleme und nicht zuletzt durch seine Drogensucht angekündigt.

Der Musikjournalist Michael Azerrad war einer der Menschen, die Kurt Cobain zu Lebzeiten eine lange Zeit interviewen durfte. Genauer begleitete er ihn zwischen den Jahren 1992 und 1993. Herausgekommen sind dabei 25 Stunden Material, aus denen die Biografie „Come As You Are: The Story Of Nirvana“ entstand. Eine Biografie, die sowohl das Leben Kurts als auch die restliche Bandmitglieder protraitierte. Auf der Basis diese Besuches entstand jetzt die Dokumentation „Kurt Cobain – About A Son“ von AJ Schnack. Das damals aufgenommene Material wurde hier auf knappe 94 Minuten gerafft und mit vielen Bildern von Aberdeen unterlegt. Es ist schon interessant zu erfahren, wie der Mann zu seinem Leben, seiner Familie und Freunden stand und im Besonderen wird hier die Beziehung zu seinem Vater portraitiert. Kurt spricht von Hass und Verachtung. Gefühle, die sich aber im Laufe der Jahre verflüchtigt haben. Er hasse seinen Vater nun nicht mehr, sagte er Anfang der 90er Jahre. Da wäre nichts mehr, weswegen er ihn hassen könnte. Und das solle sein Vater wissen.

Ähnlich eindrucksvoll und ergreifend erweisen sich auch die anderen Geschichten , wenngleich die Motivation des Zuschauers über manch lange Strecke auch auf die Geduldsprobe gestellt wird. So ist es ein wenig traurig, dass viele Passagen einfach nur mit Landschaftsaufnahmen oder der Umgebung, über die gerade geredet wird, wie zum Beispiel seiner Arbeitsstätte oder einfach nur Straßenzüge und Passanten unterlegt werden. Ein wenig mehr bewegtes Bild des jungen Mannes hätte dieser Dokumentation mit Sicherheit gut getan. Für solche Mankos entschädigt dann aber wieder der Soundtrack. Dieser kann nämlich mit solch unterschiedlichen Größen wie den BAD BRAINS, DAVID BOWIE, MELVINS, BUTTHOLE SURFERS, R.E.M oder auch IGGY POP aufwarten. Das sorgt für die nötige und stimmungsvolle Untermalung und in Verbindung mit Cobains gesprochenen Worten kann man hier eine Zeit lang in Nostalgie schwelgen und einfach nur zuhören.

Alles in allem liegt mit „Kurt Cobain – About A Son“ eine schöne Retrospektive auf das Leben des NIRVANA-Frontmanns vor, die es sich lohnt zumindest einmal anzuschauen. Man erhält einen Einblick in das, was den Mann, der schon sehr früh an Hyperaktivität litt und dadurch durchaus oft in Problemsituationen geriet, ausmachte. Das gestaltet sich an manchen Stellen sogar etwas lustig , ist aber über weite Teile einfach nur traurig und herunter ziehend. Es tun sich einfach menschliche Abgründe auf, wenn Cobain über seine Vergangenheit erzählt und wenn auch nur die Hälfte davon der Wahrheit entspricht, dann kann man sich über seine eigene wohl behütete Kindheit und das Ausbleiben eines „Rockstar-Daseins“ letzten Endes einfach nur freuen. Abschließen möchte ich ich diese Besprechung nun mit einem fragwürdigen und gleichzeitig mehr als erklärendem Zitat Cobains, welches gleich zum Anfang des Filmes auftaucht:

"Every night I used to talk to my real parents, to my real family in the skies. I knew that there were thousands of other alien babies dropped off and they're all over the place. That's just something I always liked to toy with in my mind and it was really fun to pretend that. There's so special reason for me to be here and I felt really homesick all the time. And one day we find out in our lives what we're supposed to do"

Länge: 94 Minuten
Format: 16:9
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprache: Englisch

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Alex G.

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