Plattenkritik

ARCH ENEMY - Will To Power

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Info

Release Date: 08.09.2017
Datum Review: 02.09.2017
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

01. Set Flame To The Night (01:20)
02. The Race (03:15)
03. Blood In The Water (03:55)
04. The World Is Yours (04:53)
05. The Eagle Flies Alone (05:16)
06. Reason To Believe (04:48)
07. Murder Scene (03:50)
08. First Day In Hell (04:48)
09. Saturnine (01:09)
10. Dreams Of Retribution (06:40)
11. My Shadow And I (04:05)
12. A Fight I Must Win (06:35)

Band Mitglieder

 

Alissa White-Gluz - Vocals
Michael Amott - Guitars
Jeff Loomis - Guitars
Sharlee D’Angelo - Bass
Daniel Erlandsson – Drums

ARCH ENEMY - Will To Power

 

Im Hause ARCH ENEMY darf Jubiläum gefeiert werden, denn mit "Will To Power" bringt das Melo-Death-Flaggschiff dieser Tage sein inzwischen zehntes Studioalbum an den Start. Nach dem enormen Erfolg von "War Eternal" mussten sich Michael Amott und Konsorten natürlich ordentlich ins Zeug legen und soviel sei schon mal vorweggesagt, man kann mit "Will To Power" durchaus an die Qualität des Vorgängers anknüpfen.

 

Nach kurzem Intro gibt es zur Eröffnung mit dem passend betitelten "The Race" einen ziemlich flotten Thrasher um die Ohren gehauen; darauf folgt mit dem etwas unspektakulären "Blood In The Water" eine der schwächeren Nummern des Albums. Der Song hätte auch problemlos auf "War Eternal" gepasst, wäre aber auch hier nicht weiter aufgefallen. Danach reiht sich allerdings erst mal Hit an Hit. Sowohl die vorab veröffentlichte Single "The World Is Yours", eine typische ARCH-ENEMY-Granate zwischen Highspeedgeballer und eingängigen Melodien, als auch der eindringliche Stampfer "The Eagle Flies Alone" dürften auf den kommenden Touren einen festen Platz in der Setlist haben.

 

Besonders auffällig ist mal wieder die bereits auf "War Eternal" neu entflammte Spielfreude der Band, grade Herr Amott scheint merklich Bock zu haben und schüttelt geile Soli und großartige Melodielinien en masse aus dem Ärmel. Auch Alissa White-Gluz macht bei ihrer zweiten Runde mit ARCH ENEMY erneut eine gute Figur und empfiehlt sich im Vergleich mit ihrer Vorgängerin Angela Gossow klar als die flexiblere Vokalistin. Dies beweist sie besonders deutlich bei "Reason To Believe", einer für ARCH-ENEMY-Verhältnisse ungewöhnlichen Nummer. Michael Amott selbst merkte ja bereits an, dass man sich mit "Will To Power" noch mehr am klassischen Heavy Metal orientieren will und dazu gehört natürlich auch eine ordentliche Ballade. Eine Premiere also für ARCH ENEMY und gleichzeitig eine Möglichkeit für Alissa White-Gluz, mit ihrer fabelhaften Singstimme zu brillieren. "Reason To Believe" mag kein "Beyond The Realms Of Death" oder "Cemetary Gates" sein, ist aber erfreulich unkitschig geworden und präsentiert die Kanadierin in ihrer vollen Stimmgewalt zwischen gefühlvollem Gesang, Rockröhre und gutturalen Shouts. Schon vor dem Release von "War Eternal" gab es in Fankreisen hitzige Diskussionen, ob die neue Fronterin denn nun Klargesang bei ARCH ENEMY einschleppen würde und ob das denn funktionieren könne. Nach "Reason To Believe" kann man nur festhalten: funktioniert, bitte mehr davon.

 

Auch auf der zweiten Albumhälfte lassen sich ARCH ENEMY nicht lumpen. Hier fallen besonders der bedrohliche Midtempo-Stampfer "First Day In Hell", der von seiner Atmosphäre her etwas an "My Apocalypse" erinnert, und "Dreams Of Retribution" positiv auf. Letztere Nummer überrascht mit einer flotten Melodieführung, die an finnische Bands wie CHILDREN OF BODOM denken lässt. Mit "A Fight I Must Win" setzten ARCH ENEMY dann zum Abschluss noch mal auf Epik und dezente Theatralik, auch für Konzerte wahrscheinlich ein geeigneter Rausschmeißer.

 

Ganz ohne Kritik kommt man dann aber doch nicht zum Ziel, denn auch wenn "Will To Power" eine logische und insgesamt gelungene Fortsetzung von "War Eternal" darstellt, so sind ARCH ENEMY doch ein wenig zu sehr auf Nummer sicher gegangen. Ein paar mehr Experimente der Marke "Reason To Believe" oder "Dreams Of Retribution" hätten dem Album jedenfalls nicht geschadet. Außerdem ist es höchst verwunderlich, dass man sich einen begnadeten Gitarristen und Songwriter wie Jeff Loomis ins Boot holt, diesen dann aber kein Material beisteuern lässt. Klar, Michael Amott hat feste Vorstellungen wie die Band zu klingen hat, ARCH ENEMY ist ja schließlich sein Baby, aber ein wenig nach verschenktem Potenzial riecht es schon.

 

Aber sei's drum, Veränderungen waren bei ARCH ENEMY schon immer ein eher schleichender Prozess, dafür kann "Will To Power" erneut mit einer hohen Hitdichte punkten und dürfte besonders Fans von "War Eternal" nicht enttäuschen.

 

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Hans

Autoren Bio

Meine großen Leidenschaften: Literatur und laute Musik. Plattenkritiken liegen nahe.

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