Plattenkritik

Absynthe Minded - There Is Nothing

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Release Date: 11.05.2007
Datum Review: 23.05.2007

Absynthe Minded - There Is Nothing

 

Aus Belgien kommen ja so einige Köstlichkeiten, Delikatessen und nicht zu vergessen: das Marsupilami. Gott, wie ich hab das Ding gemocht, mit seinem etwas grenzdebilen Grinsen, wie es Kindern vermittelt hat, dass Ökö-Terrorismus auch Spaß machen darf.

ABSYNTHE MINDED haben nun weder viel mit umweltfreundlichem Guerilla Klassenkampf zu tun, noch mit dem Marsupilami, dürften aber in Belgien ebenso bekannt sein, wie das gelb-schwarz-gepunktete Vieh aus den Tiefen Südamerikas. „There Is Nothing“ ist schon das dritte Album in einer ungemein erfolgreichen Reihe. Das Debüt „Acquired Taste“ wurde zu einem der besten Alben 2004 in Belgien gewählt, Nachfolger „New Day“ etablierte den guten Ruf weiter, verschaffte goldene Schallplatten und so renommierte Fans wie dEUS Sänger Tom Barman. Kein Wunder, dass da Branchenriese Universal auf die Band aufmerksam wurde, die unabhängigen Belgier in den heimeligen Konzern eingegliedert und zwecks Fehlerminimierung in die legendären Abbey Road Studios geschickt hat. Das Ergebnis klingt wie zu erwarten: Glatt, sauber und auf den Punkt gebracht. Das soll jetzt nicht unbedingt schlecht gemeint sein, tatsächlich zeigt „There Is Nothing“ ABSYNTHE MINDED von ihrer besten Seite, und zwar als vielseitige Band, die geschickt Einflüsse aus Jazz, Funk und Rock/Pop miteinander verknüpft. Da liegt aber auch das grundsätzliche Problem des dritten Albums: es ist einfach zu viel. Zu viele Umschwünge von groovy cool hin zu melancholisch säuselig und lässt einen roten Faden, der durch die 52 Minuten trägt, vermissen. Eigentlich schade, gibt es doch auch unglaublich feine kleine Songs zu entdecken, etwa das funky „Ask Me Anything“, das stellenweise leicht an die frühen RED HOT CHILI PEPPERS erinnert, oder die JACK JOHNSON Sonnenschein Gitarre in „I Wanna Forget“. Selbst TOCOTRONIC scheint in den Anfangsriffs des Titeltracks durch. Man sieht schon, so richtig einigen auf „einen“ Sound konnte man sich nicht, und wenn dann noch auf „A Great Height“ im Ansatz der prohibitionsgetränkte Jazz der 30er Jahre mit Charleston und Stetson zitiert wird, scheint es doch zu wirr.

Eigentlich eine sehr feine Platte, die ABSYNTHE MINDED eingespielt haben, nur wird der Hörer bei der bunten Achterbahnfahrt durch die Popgeschichte etwas im Dunkeln gelassen. Vielleicht wird ja das vierte Album ein stimmiges Gesamtkonzept bieten und auch international zu goldenen Schallplatten verhelfen, am goldenen Thron des Marsupilamis kratzt „There Is Nothing“ aber nicht. Wenn man sich jedoch durch die verwirrende Struktur kämpft, können einige schöne Songs entdeckt werden



1. Plane Song
2. Ask Me Anything
3. I’ll Be Alright
4. I Wanna Forget
5. Stuck in Reverse
6. It's All Around You
7. Nowhere To Go
8. There Is Nothing
9. Let’s Be Radical
10. Your Backdoor
11. Attitude Gratitude

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Dennis

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