Plattenkritik

Alcoa - Bone & Marrow

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Release Date: 01.03.2013
Datum Review: 04.03.2013

Alcoa - Bone & Marrow

 

Das A-Team wäre nicht das A-Team, wenn eines seiner vier Mitglieder plötzlich ausscheiden oder ersetzt werden würde. Es wären vielleicht noch "die Typen aus dem A-Team" - später dann nur noch bekannte Gesichter mit vertrauter Vergangenheit. Derek Armchambault bestritt einen Teil seines Musikerdaseins schon mit schattigen Holzhütten-Balladen, bevor es seine Hauptband auf die Autobahnen und Clubbühnen der Welt sog. Trotzdem sticht das eigentlich schüchterne "Bone & Marrow" in stürmische Gewässer.

Denn wie es Hannibal und Co. nie gewagt hätten - tritt Armchambault aus dem Schatten DEFEATERs heraus und umsorgt seine Songs im Alleingang. Mit klappriger Stimme und Kerzenscheingitarre, stets nahe dem Blockhäuschen am See. "Keep Track/Lose Track" schwimmt sich durch Rauchschwaden den Weg an die Theke frei, wo jede noch so traurige Geschichte früher oder später auf ein offenes Ohr stößt.
Von emotional vertracktem Hardcore huscht bei ALCOA höchstens ein B-Seiten-Schatten aus Richtung "Sleepless Nights" durchs Bild - zuletzt hatte Armchambault hier bewiesen wie vielfältig der Songwriter aus New Hampshire seine Stimme einzusetzen weiß. Zwischen LUCERO und ROCKY VOTOLATO sucht "Cab Rides & Cigarettes" auf der Landstraße nach Erklärungen statt Kleingeld und "Drowned" seine Unschuld fernab von Stagedives und Crewshouts. „Bone & Marrow“ verneigt sich vor trockenem Country und erzähltem Folkrock – „Family Tree“ ist jedoch zu formschön, „I Don’t Feel Welcome Here Or Anywhere“ einfach zu feinfühlig, als dass das Album ohne klangliche Idylle einfach neben zu vielen anderen „Frontmann-Auskupplungen“ in der Versenkung verschwindet.

„Whiskey & Wine“ heißt ein Titel, „Lucky Me“ ein weiterer. Originalitätspreise abräumen will und werden ALCOA damit nicht. Statt zu gähnen, während Armchambault sich durch seine „eigene“ dreiviertel Stunde hangelt, singt und summt er allerdings so ehrlich, wie er auf Promofotos gucken kann. Lässt man ab von etwa „Empty Glass“ oder „The Bite And Sting“, bleibt der Eindruck vom versauerten Landjungen, der sein Schicksal in die Welt hinausträgt, statt sich die Seele aus dem Leib zu schreien.
Beinahe gespenstisch, wie nah „Bone & Marrow“ seinen Vorbildern dabei oftmals kommt und dadurch nur an Aufrichtigkeit gewinnt. Eine krude Orgel, Banjo und warme Pedal Steel-Sounds helfen großzügig genauso aus, wie es Langzeitkollege Jay Maas die Produktion betreffend tat. So ganz möchte Derek Armchambault eben nicht von seinem persönlichen A-Team absehen, auch wenn ALCOA keinesfalls auf weitere schützende Fäuste angewiesen ist.

Trackliste:

1) Keep Track/Lose Track
2) Drowned
3) I Don’t Feel Welcome Here Or Anywhere
4) Cab Rides & Cigarettes
5) Limbs
6) Second Untitled
7) Rilke
8) Lucky Me
9) Family Tree
10) Whiskey & Wine
11) Third Untitled

Alte Kommentare

von alex 05.03.2013 00:35

klasse album, kann man nix sagen.

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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