Plattenkritik

Aqualung - Memory Man

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Release Date: 24.08.2007
Datum Review: 24.09.2007

Aqualung - Memory Man

 

Popjournalismus heute, das ist Google galore. Da werden um die Wette Bandnamen in Suchmaschinen eingestanzt, das Youtube Archiv geplündert, Wiki- und Indiepedia bemüht und sich über gefälschte IP-Adressen in das hierzulande traurigerweise gesperrte Pandora eingeloggt. Und wenn dann nichts einfallen mag, zu AQUALUNG etwa, was nun nichts über die Qualität an sich aussagen sollte, dann wird zu den Meinungen der werten Kollegen gegriffen. Dumm nur, dass die den gleichen Gedanken haben. So wird aus „Black Hole“ einem ruhig treibenden 4/4 Rocker im modernen SNOW PATROL Gewand dann U2s „Beautiful Day“ und aus „Memory Man“ eine Bono-Hommage. Die Welt ist ein Dorf und „Stille Post“ ist nicht totzukriegen, „Black Hole“ wird fälschlicherweise mit „Garden Of Love“ ein Piano-Stück im weitesten Sinn ersetzt. U2 ick hör dir trapsen. Not! Zumindest kriegt man so Zeilen an einem grauen Tag runter, um dem Vorwurf aber zu entgehen hier die tatsächliche Rezension:

AQUALUNG das ist ein Tauchgerät, das sind Blechbläser, Gitarren, Synthie-Streicher, Soundwände und vor allem ist das Matt Hales, der seine Alben immer noch im Alleingang einspielt, dabei aber den Eindruck erweckt, er hätte mindestens zwei Symphonieorchester gekidnappt und jeden COLDPLAY Beteiligten vom Roadie zum Tonmann über Gwyneth Paltrow gleich mit. Zumindest diesmal, denn viel zu tun mit den oft minimalstischen Lehrstücken in melancholischem Pop der letzten beiden Alben des Briten hat das nicht. Dafür wird hier das große Leid in EDITORschem Maßstab mit einer Armee aus trauernden Gitarren in „Cinderella“ zelebriert, an diversen Soundreglern gedreht, bis es überall glitzert, blitzt und blinkt. Und ja, manchmal klingt das dann pompös und nach Bono im schlechtesten und RAY LAMONTAGNE im besten Fall. Da singt ein ausgeglichener Mensch, der dank Tochter neues Glück gefunden hat im Leben. Das kann man hören und gut finden, etwa das lächelnd marschierende „Rolls So Deep“ im upgedateten Americana-Gewand oder auch nicht, dann holt man eben wieder den Bono aus der Mottenkiste. „Memory Man“, das ist aber vor allem wieder pure Geschmackssache, denn so wirklich zwingend oder erdrückend schwermütig wollen die Songs nicht sein, an U2 aber wird man hier nun wirklich nicht erinnert, eher (und jetzt der bestialische Plan die „Stille Post“ weiter zu spinnen) schon an MY BLOODY VALENTINE im Mixer mit Win Butler auf einer Party, bei der Chris Martin auf dem Tisch wirbelt, während die EDITORS mit SNOW PATROL eine Konga Schlange machen

Tracklist:

1. Cinderella
2. Pressure Suit
3. Something To Believe In
4. Glimmer
5. Vapour Trail
6. Rolls So Deep
7. The Lake
8. Black Hole
9. Outside
10. Garden Of Love
11. Broken Bones

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Dennis

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