Plattenkritik

Arktika - Symmetry

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Release Date: 02.08.2012
Datum Review: 03.08.2012

Arktika - Symmetry

 

Liebe deine Stadt. So proklamieren es die Banner in Köln. Immer wieder. Liebe deine Stadt. Leicht fällt das nicht immer. Zerstörung der eigenen Kultur. Politische Entfremdung von der Jugend. Eindampfung ganzer Viertel. Klüngel und Vermüllung. Wie soll man da seine Stadt lieben? Es ist nicht immer einfach. Hier ein Lichtblick, da ein gutes Gefühl. Das war's dann aber auch schon. ARKTIKA sind ein solcher Lichtblick. Ein Lichtblick für die Stadt und einer für die Szene. Frischer Wind. Der kritische Blick. Auf alles, was das Leben so hergibt. „Symmetry“ macht da keine Ausnahme. Und so ist es auch nicht schwer zu begreifen, dass die gespielte Musik nicht unbedingt eine Fröhliche ist. Der Hoffnungsschimmer weit entfernt, Tristesse im Vordergrund. Warum auch nicht. Es ist eben einfach nicht alles schön. Dann kann es ja wenigstens die Musik sein, die aus dem Herzen kommt und einen Hauch von Melancholie versprüht. Der rettende Anker im Sturm.

Ein solcher Sturm ist „A Praise For Ghosts“. Ungewohnt wirsch und vertrackt zeigt sich die Band währen ihres Openers. Mach's gut Postrock. Hallo Screamo. Extraklasse. Um diesen Charakter zu erreichen, trägt natürlich Marcs verzweifelte Stimme einen hohen Anteil der Schuld. Dennoch lassen sich die Postrock Elemente klarerweise auch hier nicht von der Hand weisen. Verträumte Melodien, in die Länge gezogen. Das repetierende Moment. Klagend und niederschmetternd. Mit Blitz, Donner und Wucht. Sehr schöner Einstieg. „Broken Flowers“ schlägt in eine völlig andere Richtung. Schleppend langsam, ausufernd leise. Bedrückender waren ARKTIKA nie. Sollen es im Verlauf des Albums aber noch werden. Sie haben ein Händchen für Themen, die berühren. Melodiebögen und Songstrukturen, die es schaffen, die Körperhaare zum ewigen Stehen zu verdammen. Bis es zum musikalischen Ausbruch kommt und die Stimme sich quälend verzerrt. „I ran away from a city that died“ - liebe deine Stadt.

„The Living Receiver“ verschafft eine Pause. Eine Pause von all dem Schmerz. Der Hoffnungsschimmer. Das Licht am Ende eines langen Tunnels, den es zu durchlaufen lohnt. So scheint es. „I am happy is something I haven't said in a while. Everything I lost, I found it in you“. Damit ist alles gesagt. Und ist die Hoffnung in diesem Stück noch so groß, ARKTIKA setzen an und zerlegen sie in ihre Einzelteile. Denn ab sofort geht die Stimmung bergab. Es wird gewütet, es wird aufgestampft und zugeschlagen. Aber nicht mit dem Vorschlaghammer. Den brauchen ARKTIKA nicht. Sie haben „Sermon“, das sicher mitreißendste Stück der Bandgeschichte. Da kann „A Fire To Everything“ vom Vorgänger einpacken. Was nicht negativ gemeint ist. Großartiges Stück. Nur das hier ist um Welten besser. Die Herren haben sich weiterentwickelt. Einen Quantensprung gewagt. Ohne dabei abzustürzen. Alle Traurigkeit muss irgendwann ihr Ende finden, aber nicht bevor mit „Bridgeburner“ noch einer oben drauf gesetzt wurde. War „Sermon“ absolut mitreißend, ist das hier zum Abschluss noch einmal mehr als niederschmetternd. Hier werden noch einmal alle Register gezogen, die die Band in petto hat. Von laut bis leise. Vom flüsternden Sprechen, bis leidendem Schreien. Der Text erzwingt das. Die Musik untermalt ihn perfekt. Hier stimmt alles.

Mit „Symmetry“ steigern sich ARKTIKA ein weiteres Mal. Es scheint ein stetiger Prozess zu sein, der unaufhaltsam immer weiter stattfindet. Hier sind Musiker am Werk, die wissen, was sie machen und vor allem was sie wollen bzw. definitiv nicht wollen. ARKTIKA sind der Grund, seine Stadt zu lieben. Für einen kurzen Moment des Lichts, wenn es auch angesichts der verbreiteten Stimmung ein sehr trübes ist. Es passt einfach. Zu der Stadt. Zum Leben. Ein Soundtrack des persönlichen Untergangs, dem vielleicht irgendwann wieder ein Aufstehen folgt. Ein Aufstehen, nur um wieder abzustürzen. Der Lauf der Dinge.

„We are tattered and torn and nothing will remain. We are broken and torn and everything stays the same.“

Tracklist:

01. A Praise For Ghosts
02.Broken Flowers
03. The Livng Reciever
04. Sermon
05. Bridgeburner

Alte Kommentare

von Alex G. 03.08.2012 11:00

Das Album ist übrigens auf dem Band Link komplett zum Stream freigegeben. Und wer sich von den deuen Songs live überzeugen möchte, kann dies gerne heute Abend im Aetherblissement auf der Release Show machen.

von Fabian 03.08.2012 11:51

Du musst wieder mehr schreiben Alex. Zeit hin oder her!

von spargeltroy 03.08.2012 12:05

jap, review macht lust auf mehr. bin zwar nicht auf dem aetherkonzert, weil zu elitäre pappnasen da, aber platte ist bestellt. werde mir die band in einer alternativen location sehr gerne wieder anschauen

von ha 03.08.2012 13:21

aufgrund des Sängers sind niemals mehr als 7 Punkte drin.

von Alex G. 03.08.2012 13:23

Ja, am Sänger scheiden sich die Geister und werden das wohl auch weiter tun. Das ist vollkommen klar. Ich finde, es passt einfach.

von Antelme 03.08.2012 13:25

Wie ich finde, wirklich sehr gut. Ohne jetzt Namedropping betreiben zu wollen, dennoch ein paar Referenzen die mir spontan in den Sinn gekommen sind: Yage, Yaphet Kotto, Envy, This Machine Kills, Kurhaus. Alles gute an die Band, wirklich, wirklich großartig!!!

von szyc 03.08.2012 14:26

Symmetry gefällt mir sehr. Den Sänger find ich im Grunde auch wirklich gut, aber er wird einfach an den unvorteilhaftesten Parts hervorgehoben, sodass der Rest ein wenig untergeht. (Oder zumindest hatte ich den bei den vorherigen Platten aufnahmetechnisch irgendwie anders in Erinnerung)

von lomi 03.08.2012 15:42

endlich mal wieder leute, die die alte screamo-schule bedienen... ...ich hoffe, die hörer setze nsich mit der historik auseinander, die diese bands geebnet haben. wäre zu schade, wenn diese art von musik in zukunft verschwindet...

von Tobe 03.08.2012 19:59

alex' reviews kommen zwar manchmal etwas geschwollen daher, sind aber immer noch unter den best-geschriebensten hier auf allschools. darfst gerne wieder mehr schreiben hier, tut der seite gut. und so nebenbei treffen deine rewiews bzw eigentlich die von dir reviewten bands relativ oft meinen geschmack, haha

von Blasta Tha Butcha! 04.08.2012 00:14

Ich will mehr über Shoegaze-Grindcore hier lesen, ihr Spastis.

von jensen 04.08.2012 09:53

Schöne Kritik. Tatsächlich etwas geschwollen, aber das gehört für mich mittlerweile fast schon zum Allschools-Stil dazu, hehe. Auch das Album finde ich richtig stark, LP ist bestellt. Wollte eh schon immer weiß-durchsichtigs Halb-und-Halb-Vinyl haben, da passte das Gesamtpaket hier einfach super.

von Knivefight 04.08.2012 13:51

Sehr gut geschriebenes Review! Die Platte ist aber auch super geworden. Das tolle bei Arktika sind gerade die Kanten wie zb der Gesang (der mir in Kombination mit den Texten sehr gefällt) und das Brechen mit Erwartungshaltungen. Genau das lässt die Band doch aus dem heutigen Post-Rock/Hardcore Einheitsbrei herausstechen. Bitte mehr davon!

von Alex G. 06.08.2012 17:48

Nach den genannten Referenzen wie Yage und Kurhaus und ähnliches, bin ich jetzt auch endlich auf die Band gekommen, die mir beim Hören die ganze im Kopf rumhüpfte. Engine Down, ich erkenne hier und da durchaus mächtige Parallelen, was mehr als gut ist.

von kakaiaiai 06.08.2012 20:44

definitiv eine band die ohne sänger um längen besser wäre…kann mir die flachen texte und das unpassende geschrei einfach nicht geben,

von Mulder 06.08.2012 21:12

@ Alex Aber Engine Down klangen doch nie so verzweifelt! Die deutschen Enfold würden mir da noch einfallen.

von Alex G. 07.08.2012 12:37

@ Mulder Das vielleicht nicht. Aber sie vertonten eine sehr ähnliche Melancholie, wie ich finde.

von janine 08.08.2012 11:49

gute rockmusik. mag schreihälse <3

von hatten 26.08.2012 21:14

die eigentlich mal früher nen anderen Sänger?

von Alex G. 28.08.2012 11:48

Nein.

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