Plattenkritik

Arliss Nancy - Wild American Runners

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Release Date: 04.10.2013
Datum Review: 13.10.2013

Arliss Nancy - Wild American Runners

 

Ein erfülltes Wochenende bedeutet für manchen Mitbürger vor allem ausschlafen, ein guter Song für Cory Call vor allem möglichst zahlreiche Oden an seine Religion, den Whiskey. Mit ARLISS NANCY könnte es somit kaum eine passendere Band für den bärtigen Frontmann aus Colorado geben. Um als "Wild American Runners" genügend Meilen zu sammeln, reicht ein Tresenabo unter hunderten allein jedoch nicht aus.

Mit der signifikanten Orgel und der geräderten Hauptstimme funktionierten ARLISS NANCY vor Kurzem erst als sägende "Simple Machines", jetzt schwört Call bereits im Opener "Benjamin": "It's just so damn hard to be everything, to everyone, all the time". Kein Grund zur Sorge, auch wenn das zweite Album der Shotglass-Punker nach allem anderen als nach goldenen Zeiten und Wohlstand riecht. "Nathaniel" zerrt sich durch Vergangenheit und das Dunkel, hier passen die Facetten von Klavier und Barroom-Americana, die ARLISS NANCY manchmal fast zu einfach klingen lassen, am besten. Oft sickern bluesige THE GASLIGHT ANTHEM und die weite, vertrocknete Einöde durch die Songs auf "Wild American Runners", "Nothing To Show" klimpert düster und mit Blick auf den Boden.
"I love the way the whiskey burns inside of me" - ein beinahe überflüssiges Geständnis, bevor "Both Got Old" sich der nächsten verzweifelten Nacht widmet. ARLISS NANCY gestatten ihrem Sound mehr Details aus LUCEROs Trickkiste - als bloß wild und unbeholfen im Songwriter-Nirvana umherzuwedeln. Darüber freuen sich besonders Gesang und Lyrics: "Hold It Together" oder "Coals" sind den klagenden Chören wie auf den Leib geschnitten, trotzdem drängt sich von den zwölf Songs keiner unangenehm in den Vordergrund. Zum Zeitpunkt des behutsam einsetzenden Country-Schlagzeugs bei "Vonnegut" ist das Schlimmste noch lange nicht vorüber. "This shit really happens for a reason". Dank ARLISS NANCY jedoch macht es nicht nur Sinn darüber zu sprechen, sondern vor allem, darüber zu singen.

Trackliste:

01. Benjamin
02. Troubadour
03. Nathaniel
04. Nothing To Show
05. Both Got Old
06. Hold It Together
07. Directions Never Hold
08. Coals
09. Bloodletter
10. Wild American Runners
11. The GB Shuffle
12. Vonnegut

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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