Plattenkritik

Artificial Brothers - Make Our Hearts Sway

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Release Date: 21.09.2012
Datum Review: 17.09.2012

Artificial Brothers - Make Our Hearts Sway

 

Anders Brogaard und sein Entwicklerstab aus Anders Hvass, Mathias Bertelsen, Stig Sylvest und Lars Hvelplund sind die stolzen Erfinder der Tontaschenlampe. Das besondere an der Tontaschenlampe, die vom Debütalbum der Dänen direkt in eine lange Testphase eingepflegt wurde, ist nicht etwa ein handelsüblicher Lichtkegel, sondern die Funktion, Musik durch Dunkelheit und Schatten zu präsentieren. Wie zur Hölle das funktionieren soll erklärt „Make Our Hearts Sway“ in zehn Akten.

So viele Songs wie Finger braucht es, meint Brogaard. Denn diese Anzahl ist überschaubar und kann sich auch von Nicht-Profi-Konsumenten düster-melancholischer Independentmusik gemerkt werden. Darauf sind die ARTIFICIAL BROTHERS nicht angewiesen, schließlich haben sie ja noch ihre Audio-Funzel, die „Spiders“ in mechanischer Atmosphäre flackernd zurechtrückt. Dazu gibt es verhallte Gesänge, die auch vor psychedelischen Anflügen nicht zurückschrecken.

„Redemption“ stapft so selbstbewusst und doch schnurstracks während „The Children“ zunächst zögert und von ganz unten, vom kältesten Punkt ausgehend langsam auftaut: Erst diese einsame Rassel, dann schüchtern sirrende Keyboards und angestrengte Rufe in die Nacht. Was die Band aus Thisted sich da antrainiert hat, gibt sie pausenlos zum Besten: Theatralisch bis nüchtern wandeln ein seltenes Aufblitzen von „Last Goodbye“ bis „Parades´ End“ und wischt noch immer etwas graue Farbe oder heiße Asche zwischen Piano, waberndes Schlagzeug und geheimnisvolle Rockmusik-Kinderstube. „Rockmusik“ deutlich zu benennen ist bei den ARTIFICIAL BROTHERS nicht leicht: Zu melancholisch, trist und stoisch ergeht es den Songs auf „Make Our Hearts Sway“ oft - sogar so oft, dass das Quintett aus dem Norden sich schnell verschlucken und erdrücken würde, wenn nicht „Psychedelic Friend“ oder „Oh My God“ etwas Zeit an der Oberfläche einräumten.

Stimmung und Emotionen sind treue und dicke Freunde von Sänger Mathias Bertelsen, der mit COLDPLAY-Moment und GET WELL SOON-Parallele die nachdenkliche dreiviertel Stunde verschleiert. „Make Our Hearts Sway“ ist innerhalb eines halben Jahres auf einem gottverlassenen Bauernhof entstanden – und das hört man. Gut für die ARTIFICIAL BROTHERS, dass immerhin auf ihr Patent Verlass ist. Bald wird die Tontaschenlampe hoffentlich auch in Portland oder London erhältlich sein.
Bewährt hat sie sich im Praxistest ja bereits.

Trackliste:
01. Redemption
02. Spiders
03. The Children
04. Psychedelic Friend
05. Reign Over Me
06. Oh My God
07. Parades´ End
08. After The Ball Is Over
09. Last Goodbye
10. Blindfold The Sun

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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