Plattenkritik

Aspiga - Every Last Piece

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Release Date: 20.11.2012
Datum Review: 16.11.2012

Aspiga - Every Last Piece

 

Wenn Kevin Day zu Hause einen Stuhl ans Fenster und sich selbst auf Zehenspitzen stellt und Glück mit dem Wetter hat - kann er sie vielleicht in der Ferne leuchten sehen: Die Lichter der Großstadt. Wenn er dann die Tür hinter sich zuzieht, um Zeit und Kreativität mit seinen Kollegen Ray und Alec durch den Tag zu boxen, greift er lieber auf den Charme seiner Heimat zurück. ASPIGA klingen – mit Verlaub und Respekt – einfach „so Jersey“ wie es das Gemüt nur aushält.

Als ob man die Shore vertonen und die alternative Retrospektive des Staates auf Klischees und Stammbäumen betten könnte, ist Day geprägt von Folk, Punk und puristischer Arbeiterklasse gleichermaßen. Das zumindest könnte man nach den ersten Minuten von „Every Last Piece“ vorschnell in den Rezensionstopf werfen. Vielleicht lauten die ersten Zeilen von „Save Your Spit“ nicht zufällig „And Don´t You Forget Where You Came From...“.
Vielleicht sind ASPIGA sich ihrem Erbe bewusst. Vielleicht ist der Faden, der zuvor JAWBREAKER, LAWRENCE ARMS oder DINOSAUR JR. umsponnen hat, jetzt für die Grundierung des Trios aus Collingswood verantwortlich. „Winter Cleaning“ spräche dafür. Der Bass röhrt dreckig, Day findet mit Stimme und Lyrics den Weg zurück in die späten 90er, in jene Kellerräume unter zischenden Stromleitungen. Zwischen Laura Jane Grace (eher noch zu „Tom Gabel“-Zeiten) und Chris McCaughan parken ebenso „Welcome To The Sympathy Party“ und das ungestüme „Users“ mit seiner anfänglich erzählerischen Aura. Zeitweise möchte man ASPIGA gar einen aufgeklärteren und reineren Sound einschenken, um den Melodie- und Stimmungsbögen auf „Every Last Piece“ etwas unter die Arme zu greifen.

Holt ein Song wie „Winter Cleaning“ dann jedoch mit seinen zweieinhalb dicht gestopften Minuten aus Krächzpunk und melancholisch aufgehaltener Hand aus, festigt sich das Abbild wieder: Das Meer, das Grün, die bunten Ballons. Wie schnell aus dem Nichts etwas Lebendiges wird, hat die bewegende Vergangenheit von Day und seinem „Projekt“ Band bereits aufzeigen können – dieses leider nur sieben Songs bestreitende Album weist da erhaben in die vertraute Ferne. „Wir sind drei Freunde, die Songs schreiben, welche Euch hoffentlich irgendetwas fühlen lassen“ sagt Kevin Day. Kein Grund zur Sorge: Soviel „Jersey“ reicht allein schon aus - für mehr als „irgendetwas“.

Trackliste:

1. Save Your Spit
2. Welcome To the Sympathy Party
3. Winter Cleaning
4. Users
5. Parade On Me
6. On the Defensive
7. The Excavation

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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