Plattenkritik

Attila - Guilty Pleasure

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Release Date: 28.11.2014
Datum Review: 28.12.2014

Attila - Guilty Pleasure

 

 

Man nehme den lyrischen Klamauk eines KID ROCK oder der BLOODHOUND GANG, kreuze diesen mit einer Prise AUSTRIAN DEATH MACHINE und mische noch eine ordentliche Portion Deathcore bei. Hie und da darf noch ein wenig Metal schimmern - und fertig ist der stark körperbehaarte und giftige Klischees spuckende Troll namens ATTILA.

Und der Kleine in seiner Spandexhose ist böse und völlig überdreht, aber auch total harmlos. Bellende Hunde beißen ja bekanntlich nicht (gleiches gilt natürlich auch für Trolle). Die Breaks sitzen, der Groove ist dank der für diese musikalische Realsatire notwendigen Produktion amtlich, und der Wortschatz bedient sich eines Intellekts, dass selbst der hartgesottenste Frauentausch-Liebhaber problemlos der horizontalen Nulllinie folgen kann. Das ist wichtig, denn sonst funktioniert das Konzept dahinter nicht. Oder besser gesagt die olle Oma Marketing.

Um es bei eventueller Nichtkenntnis oben genannter Mainstreamisten einmal besser zu versinnbildlichen: wir nehmen die hierzulande beliebten ESKIMO CALLBOY. Handwerklich gut gemachte Musik, weil auf altbekannte Zutaten zurückgegriffen und diese in der bewährten Dosis zusammen gerührt. Garniert wird die Mucke mit textlichem Schwachmatentum, dass es eigentlich weh tun müsste, aber weil es eben live so gut funktioniert und partytauglich zum Mitgröhlen auch weit über einem amtlich zulässigen Promillewert animiert, hat diese obskure Band wohl eine gewisse Daseinsberechtigung.

ATTILA sind im Vergleich dazu geradezu vielseitig, ja, weisen sogar ein viel breiteres Können in Songwriting und auch Instrumentenhandling auf. Okay, die Band gibt’s auch bereits seit 2005 und fünf Studioalben wurden schon unter der Flagge des US-Party-Mosh-Sounds (W-T-F ???) veröffentlicht, doch so merklich sind die fünf Jungs noch nicht über den großen Teich hinweg geschwappt.

Ob sich dies mit dem neuesten Output ändern wird, darf getrost bezweifelt werden. Musikalisch zwar durchaus ansprechend verpackt, weil in sich stimmig kopiert komponiert, erweist sich die Halbwertszeit der Songs bei intensiverer Verdauung leider nur auf Fast-Food-Niveau.
Zumal der keifende Sangestroll durch die Vehemenz seiner archaisch -martialisch eingefärbten Lyrik auch mehr die Wirkung einer Platzpatrone erzielt.

Und daran ändert auch die sympathische Selbstironie der Band nichts.


Tracklist:
1. Pizza, Sex and Trolls
2. Hate Me
3. Rebel
4. Guilty Pleasure
5. I've Got Your Back
6. Proving Grounds
7. I Am Satan
8. Break My Addiction
9. Horsepig
10. Dirty Dirty
11. Fake Friends
12. Don't Be Basic
13. The Cure

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Markus L.

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Wenn mich interessieren würde, was andere über mich denken, könnte man sicherlich mit mir über meine Einstellung und den ganzen Bla diskutieren. Tut es aber nicht, ergo kann man es sich auch ersparen. Beratungsresistent eben!