Plattenkritik

Babylon Bombs  - Cracked Wide Open and Bruised

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Release Date: 01.01.1970

Babylon Bombs - Cracked Wide Open and Bruised

 

Hurra! Gebete an den Spandex-Gott sind nicht umsonst! Endlich werden Gitarrensoli mit einem nie unpassenden gekreischten "jeahea (ausrufezeichen)" eingeleitet und prompt in den Chorus integriert. Und jeder Song den es gibt sollte mit einem Klaviertasten-plingplingplingplingpling unterlegt sein, gegen Ende hin ist das nie verkehrt. Die babylonischen Bomben gibt es seit 2001 und man hat im höchst produktiven Stockholm eine Rock'n'Roll-getränkte Heimat. Der Tourbus bremst bestimmt auch für Menschen mit kurzen Haaren, aber auf den Konzerten herrscht Mattenpflicht.
"Lady Deny" oder "Delirious" wären Spitzen-Durchbruch-Singles, wie einfach alles mit der guten alten Cow Bell, doch leider sind den Babylon Bombs die Kollegen von Jet schon zuvorgekommen (die mit ihrem unrasierten Telefonier-Animier-Song vielleicht schon abgefrühstückt sind). Es stellt sich bei all dem Abfeiern der einen guten Seite der Siebziger allerdings die Frage, was den nun weit aufgesprungen und verletzt ist, so wie es der Titel andeutet. Die Kiste, die die Bomben hier zimmern, ist absolut luftdicht: Drinnen ist Rock-Geschichte und von aussen kommt nüscht rein. Die guten Momente erinnern an einen glitternden Bowie auf Plateau-Monstern, die schlechten an Van Halen ohne Alkohol. Quasi an alles, was "yeah" und ein Solo in hohen, hohen Tönen machen kann. Kein Folk-Rock, kein Metal, keine Experimente.
Hier wird ein Genre gefeiert, das wohl jeder aus der Vorschule kennt. Statt wie die seltsamen Backyard Babies und andere Pseudopsychos auf "Mutti erschrecken" zu setzen, kämmen sich die Bomben lieber den Blues vom Kopf und reichern ihre Theken-Tanz-Mischung mit Kreischern an, die natürlich nie albern klingen (jedenfalls nicht während des Konzerts). Mit den Babylon Bombs gelingt wird jede Party des Bikertreffs Ribbesbüttel zur Orgie. Sie reihen sich unauffällig zwischen Bon Jovi und die Scorpions ein. Weil wir alle die frühen Aerosmith schneller mögen und nur echt enge Hosen mit Schlag die Knaben von den Männern trennen: Sieben von Zehn Punkten. Yeah! Yeah?! Uh, yeah. Uh-huhuuuu, YEAH!

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Ben

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