Plattenkritik

Bad Ideas - Compromise

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Release Date: 28.06.2013
Datum Review: 17.06.2013

Bad Ideas - Compromise

 

Wenn irgendjemand ein bewährtes Rezept gegen die Engen des Lebens, Liebeskummer oder komplizierte Freundschaften weiß, bitte jetzt vortreten. Nein, Alkohol und alleine zu Hause einschließen sind auf Dauer zu uneffektiv. Ja, bitte – der zierliche Herr mit Rauschebart, Piratennamen und dem britischen Akzent!


Rockmusik? Höchst originell. Aber in welcher Weise bewährt? Ehrlich? Direkt? Schön? Sam Cook verpackt seine vertonten Lebensentwürfe bereits seit drei Jahren als lodernden Indierock, der auf „Compromise“ Freundschaften erspielen und aufrecht halten kann. Mit den (vorrangig) einfachen Mitteln Schlagzeug, Bass, (Akustik-)Gitarre, Stimme schlängeln sich BAD IDEAS vorbei an grauen Alltagen, persönlichen Befangen und Spiegelbildern voller Fragezeichen. Das klingt nach Träumen und Zielen, nach folkigen DASHBOARD CONFESSIONAL oder einem schüchternem FRANK TURNER. „A Little Lost“ hat die plänkelnde Telecaster im Gepäck, „The Way Down“ bürgt BAYSIDE-Qualitäten in einer ländliche Hängematte. Dabei ist Cooks Stimme stets nah an der Gänsehautgrenze und er selbst der erste, der sich grinsend für den abendlichen Sonnenuntergang in Position bringt. BAD IDEAS wirken weder lächerlich, wenn „The Secret; I...“ sich langsam und kreisrund aus der Schale pellt, noch zu überzuckert oder säuselnd, wenn sich „Lincoln“ seinen Weg aus der Indiepop-/Country-/Songwriter-Wanne sucht.

Ein unscheinbares Banjo füllt „Compromise“ ebenso faltenlos wie die warmen Harmonien, die Cook zusammen mit Gitarrist Daniel Neale und Bassmann Chris Coleshaw aufs Podest hebt.
Die Band aus Leeds klingt auf ihrem zweiten Album wie ein vertontes, nimmersattes Puzzle aus Punkrockattitüde, Kerzenscheinrock und Popgespür – welches von Chris Carraba nach dem dritten Shot durch den Abend dirigiert wird. BAD IDEAS allerdings langweilen nicht mit kitschigem Liebegezischel oder tonnenschwerem Selbstgefallen.
Das gleitende „The Easy Life“ beschwingt und stachelt lieber: „Hey! Hell Only Knows / We Could Live Anywhere Like This / Borrow Your Home To The Things You Love / You Are The Bricks“. „Compromise“ implantiert seine Aufrichtigkeit nicht bloß bröckchenweise – die elf Songs bieten eine gute halbe Stunde die Chance, mit Durchatmen und Sammeln an eine Ziellinie zu gelangen, die keinesfalls durch das zunächst trockene Finale „Dirty Habits“ begrenzt ist. Wer bei BAD IDEAS nach einem Beweis verlangt nachdem ihr Mittelchen wirklich Früchte trägt – kann zum Glück jederzeit wieder zum Kopfhörer greifen.

Trackliste:

01. Compromise
02. A Little Lost
03. The Easy Life
04. Shells & Stones
05. The Way Down
06. The Secret; I...
07. Lincoln
08. Fake Teeth
09. Simple Connections
10. Little Things
11. Dirty Habits

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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