Plattenkritik

Beatsteaks - Boombox

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 28.01.2011
Datum Review: 13.02.2011

Beatsteaks - Boombox

 

Im Vorlauf zur neuen BEATSTEAKS Platte sah man erstmal wie furchtbar das Medium „Musikpresse“ eine Band in die Tristesse treiben kann. Interviewmarathon für X Magazine und alles was dabei herauskommt ist, dass der Fan nun endlich weiß, dass die Berliner Lieblingsband kurz vor der Auflösung stand. Haben doch auch schon fast alle Bands mindestens einmal gesagt, oder? Und steht nicht jede Band ständig kurz vor der Auflösung? Ist ja auch egal – nach drei großen Stories über die „Boombox“ war ich irgendwann zu müde den Rest zu lesen – weil das einfach alles ziemlich uninteressant war. Dennoch wartete ganz Punkrock-Deutschland auf die neue BEATSTEAKS. Und auch hier setzte man alles daran, dass möglichst viele Menschen das „Comeback“ mitbekommen.

„Milk & Honey“, die erste (sehr mittelmäßige) Single von „Boombox“ gab es beispielsweise im Vorfeld nur als Notenblatt – da musste man selbst kreativ sein! Schon allein diese Aktion zeigte dann, dass die BEATSTEAKS sich Gedanken gemacht haben und soviel mehr drauf haben als die „Auflösen“-Nummer. Da blühte das Fanherz! Aber zum Album. „Fix It“ als Opener ruft dem Hörer gleich eines in den Kopf: „Das wird live super funktionieren“. Kaum auszumalen wie 10.000 Menschen den Refrain mitbrüllen und ihre Idole feiern. Dabei ist „Fix It“ vor allem aber eins: Ein unheimlich nerviger Song. Dieses verschwommene Bandsalat-Ding zu Beginn, danach der Quasi-Rap und die verzerrte Stimme von Arnim, ebenfalls die ständigen Tempi-Wechsel und die verschrobenen Keyboards im Hintergrund. Das kann schonmal auf’s Gemüt schlagen. Trotzdem - der Song hat was. Dass das erste Highlight dieser Platte aber ausgerechnet das Ska-Stück „Let’s See“ ist schon beachtlich. Dabei verknüpft man gekonnt den Ska-Gassenhauer „Me Against The World“ des Debüts mit dem Talent Hits von Heute zu schreiben und könnte hier den Sommerhit der Festivals geschaffen haben. Das stampfende „Bullets From Another Dimension“ startet vielversprechend, wird aber leider irgendwie durch den Refrain ein wenig ausgebremst und hinterlässt ebenfalls nur einen gewissen (guten) B-Seiten Standard. Diese Band konnte mal mehr. „Under A Clear Blue Sky“, „Access Adrenaline“ (ursprünglich angedacht für den Twilight Soundtrack) und „Behaviour“ hingegen zeigen jene Eigenschaften auf, warum die BEATSTEAKS trotzdem noch immer eine der besten deutschen Bands ist. Thomas singt den Mid-Tempo-Song, Arnim zaubert „Access Adrenaline“ zur Hymne der Platte und „Behaviour“ ist der wilde, obligatorische Punk-Song, der auf jeder BS-Platte zu finden ist. „Automatic“ ist mir dann irgendwie zu anbiedernd mit seinem catchy Refrain, ebenso wie „Alright“ zu verschroben, dennoch so schön sympathisch aufwartet.

Schwer zu sagen wie die neue BEATSTEAKS denn nun so geworden ist. Eigentlich haben sie nichts falsch gemacht – auch nichts anders – aber es klingt dennoch teilweise so gewöhnungsbedürftig – was ja keinesfalls negativ ist. Schön ist ja vor allem, dass im Vorfeld zur einseitigen Berichterstattung eine gar nicht so einseitige Platte kam. „Boombox“ ist nämlich nicht das, was man vielleicht vom Titel erwartet. Die Hits springen einen nicht an, sie sind auch nicht fett markiert durch einen glattgebügelten Refrain. Der Hörer wird hier erstaunlich viel gefordert und das ist eigentlich der größte Plus-Punkt an einer Platte wie dieser, die sicherlich mit Druck vorbelastet war und dennoch irgendwann genauso zündet wie eine „Limbo Messiah“ oder dem Hit-Feuerwerk „Smack Smash“. Denn wenn „Boombox“ eines ist, dann vor allem eine absolute Grower-Platte.

Tracklist:

1. Fix It
2. Milk & Honey
3. Cheap Comments
4. Let’s See
5. Bullets From Another Dimension
6. Under A Clear Blue Sky
7. Access Adrenaline
8. Behaviour
9. Automatic
10. Alright
11. House On Fire

Alte Kommentare

von awesom-o 13.02.2011 11:41

Ich mag Beatsteaks! Ich war auch schon auf einigen livegigs aber inzwischen sind die sooowas von überbewertet...schrecklich das macht sie unsympatisch

von man... 13.02.2011 13:00

...es gibt meiner Meinung nach kaum eine deutsche Band da draußen, welche es schafft, ein Nummer 1 Album zu schreiben, aber von der Präsenz und Ausstrahlung so Sympatisch zu sein, wie diese BEATSTEAKS. Ich kaufe ihnen ab, dass sie sich einen scheiss drum kümmern wie die Platte draußen ankommt, anders als bei diesen "Punkrockern" aus Osnabrück, dessen Name mir gerad nicht einfallen will! Gerad der Operner ist Bombe, allein wegen dem schon fast Patton-artigen Gesang. Die Platte vermittelt, was diese Band ausstrahlt: gute Laune! Und wenn ihr euch immer noch an dieser "Kommerzialisierung ?!" stört, wie ein Pauli-Fan, der nicht checkt, dass der Verein mittlerweile in der Bundesliga spielt, ist das euer Problem.

von Raphael 13.02.2011 13:09

davon sagte doch jetzt niemand was, oder? ich selbst hab die beatsteaks das erste mal im kölner palladium geschaut, also zu dem zeitpunkt, als sie schon zurecht total big waren! ich bin fan davon und unterstütze das total. ich werde halt mit der platte nur leider nicht warm, das ist alles. trotzdem ist sie richtig gut. wie geschrieben.

von rudi 13.02.2011 16:48

@man... biste der beste ;) <3

von alpha 13.05.2011 15:04

"under a clear blue sky" wird von peter nicht von thomas gesungen. seh das genauso wie man, die musik vermittelt einfach so viel energie und macht gute laune.

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Raphael

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