Plattenkritik

Berni Mayer - Mandels Büro [Buch]

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Release Date: 09.01.2012
Datum Review: 01.01.2012

Berni Mayer - Mandels Büro [Buch]

 

Ach, das Leben eines Musikjournalisten ist schon hart. Man kennt das ja. Schlimm wird es, wenn man seinen Job los ist und dann auf einmal trotz eines imensen beruflichen Netzwerks dort keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt. Sigi Singer und Max Mandel -Namen wie aus dem Überraschungsei- suchen sich aufgrund oben genannter Situation also ein neues Betätigungsfeld und übernehmen die alte Detektei von Sigis Onkel. Der erste Fall entwickelt sich von der Überführung eines untreuen Ehemannes zum Mord an einem Bekannten Sänger einer noch bekannteren Band. "Der Sigi" und "der Mandel" können bei ihren Recherchen dann doch wieder auf ihre ehemaligen Netzwerke zurückgreifen, begrüßt man sich Backstage doch gerne per Handschlag und Koksline. Die geldgeile Musikindustrie, "Rechtsekzeme", gehörnte Ehefrauen und dergleichen mehr bringen das Karussel der jungen Detektei aber auch ordentlich zum rotieren. Wie die Zusammenhänge in der Szene nunmal so sind. Man kennt das ja. [Hust!]

BERNI MAYER dreht selbst in der Musikszene seine Kreise und weiß wohl wovon er spricht. Das wird bei Ausführungen über SLAYER und andere Hauptprotagonisten der derzeitigen Musikkultur deutlich. Kleine Bildungsabstecher in die verschiedenen Stile mit inbegriffen und auch kleine Künstler des aktuellen Zeitgeschehens, wie z.B. GISBERT ZU KNYPHAUSEN dürfen genannt werden. Dass aus einem Musikredakteur aber noch kein Verbalakrobat wird, stellt BERNI MAYER leider auch gut unter Beweis. Seine überschwängliche Vorliebe für Artikel vor den Namen der Protagonisten verbraucht nicht nur Papier, sondern den Leser zeitweise einiges an Nerven.

Freunde des Kriminalromans werden mit häufig viel zu überzogenen Geschehnissen verköstigt. Abgehackte Anwaltsköpfe, bauchschlitzende Neofaschisten auf Rügen. Das alles wirkt etwas zuviel des Guten. Für Freunde der Soapopera gibt es dann noch Kukuckskinder, jede Menge verworrene Liebesspielereien. Ein bisschen Roadstory hier, ein wenig Liebesspiel dort. Eigentlich ein Buch für jedermensch, doch somit wirkt der ganze Spaß auch ungefähr so überladen wie viele Bäuche nach dem alljährlichen Familienweihnachtsschmaus. Das Tempo der Story ist zwar beachtlich, doch mit vollem Bauch läuft man ungern Marathon. Aber irgendwas ist ja immer.

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Jule

Autoren Bio

wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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