Plattenkritik

Black Kites - Songs Written While Things Were Changing

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 06.08.2010
Datum Review: 16.01.2011

Black Kites - Songs Written While Things Were Changing

 

Geschlagene 16 Sekunden brauchen BLACK KITES, dann haben sie dich an der Gurgel. Und verbeißen sich darin wie ein tollwütiger Hund, der sein Opfer lieber noch hin und herschleift, statt ihm kurz und schmerzlos den Garaus zu machen. Und das obwohl „Songs Written While Things Were Changing“ an sich zumindest eine recht schnelle Angelegenheit ist. Nach knapp 17 Minuten nämlich ist das Inferno schon wieder vorbei. Doch diese knappe Viertelstunde gehört zum intensivsten, was im vergangen Jahr auf Vinyl gebannt wurde und macht die Platte damit zu der wohlmöglich am ungerechtfertigsten übersehenen Perle in 2010.

Rollentausch: um BLACK KITES zu verstehen muss man auch auf die andere Seite sehen. Sie sind sowohl der Jäger als auch seine Beute. Da ist eben nicht nur der wildgewordene Köter, sondern auch der hakenschlagende Hase, der vor ihm davon rennt. Wie dieser ändern auch die drei Musiker hektisch die Richtung, spielen mit der Geschwindigkeit so als würde es um ihr Leben gehen. Schon lange kein Album mehr gehört, das dermaßen manisch nach vorne schießt, ohne sich in wirren Strukturen zu verfangen oder aber auf der anderen Seite in belanglosem Gepolter zu enden.

BLACK KITES wissen, was ein Song braucht, um hängen zu bleiben. Dazu gehören vor allem gute Riffs und die Vermittlung einer gewissen Dringlichkeit. „Songs Written While Things Were Changing“ hat beides in genau dem richtig dosierten Maß. Weder muss man sich vor penetrantem Gegniedel fürchten noch generell vor zu Tode gerittenen Songlängen. Altes Hardcore-Gesetz: Wenn man in einer Minute alles sagen kann, sollte man das auch tun. Bloß nicht ermüden. Weder den Zuhörer, noch sich selbst. Stattdessen immer wieder auf ihn mit Gebrüll, dabei aber musikalisch so variabel wie möglich. Und irgendwie auch so antagonistisch es geht. Denn wenn BLACK KITES eines ganz sicher nicht sind, dann ist es trendy. Man könnte sagen: die Songs auf ihrer zweiten Platte sind so sehr "New School"im althergebrachten Sinne, dass sie schon wieder „Old School“ sind. Manisches Gekreische, leicht metallische Riffs, dabei aber stets auch in Richtung Screamo/Emocore schielend und statt „Smash Your Enemy“-Ultratiefton-Breakdowns noch solche, die den wahren Sinn des Wortes erfassen und eben all die aufgebaute Spannung in sich zusammenfallen lassen. Das atmet mehr Neunziger-Jahre-Spirit als alle Eurodance-Compilations zusammen und ist trotzdem nicht nur ein Abklatsch, sondern ein originäres Werk einer Band, die im letzten Jahr dank dieses Albums und einer Split mit SWALLOWED UP gleich zweimal beweisen konnte, dass mit ihnen zu rechnen ist. Bitte alsbald eine Europatour! Bis dahin bleibt der Gang zum Plattenteller. Wieder zurück auf Seite A. 17 Minuten vergehen wie im Flug. Egal ob als Jäger oder als Gejagter. Oder beides.

Tracklist:

1. „Masochist“
2. „Futures“
3. „8x10 Pollution“
4. „Doubt“
5. „Holly’s Song“
6. „And Like It“
7. „Miracles“
8. „Upsides“
9. „Transitional Phase“

Alte Kommentare

von iamian 16.01.2011 18:18

muss ich noch etwas öfter hören, genau wie die neue my america. seltsamerweise hören sich die bands für mich nämlich sehr ähnlich an. also die jeweiligen vorgänger sind absolut großartig, die black kites brauchte nur länger um zu zünden. aber ich bin mir sicher, das kommt noch.

von jsr 17.01.2011 01:36

Ich finds weit besser als das erste Album! Ansonsten Zustimmung in allen Punkten. Ich liebe die Platte! Und so wie es aussieht kommen sie im August hier auf Tour.

von finn 19.01.2011 17:31

hat ein bisschen gedauert, zündet dafür aber um so mehr... inzwischen auf dauerrotation. review trifft das ganze sehr gut!

von Wecki 06.06.2011 12:13

Wirklich gutes Album @iamian: Die neue von my america ist wirklich wirklich super! Dir sollten dann auch bestimmt Griever gefallen (neue Band mit Lewd acts leuten) Deren Album kommt wohl ende diesen Sommers bei Vitriol raus!

Autor

Bild Autor

Manuel F.

Autoren Bio

Eher so der Kumpeltyp.

Suche

Social Media