Plattenkritik

Blink 182 - Neighborhoods

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 23.09.2011
Datum Review: 28.09.2011

Blink 182 - Neighborhoods

 

„Buy Some Candy And Cigarettes And We'll Get In My Car -
We'll Blast The Stereo And We'll Drive To Madagascar“
. Nachdem Pickel, Skateboards und langweilende Nachmittage im Schatten der Poway Highschool heute längst Geschichte sind überlassen reformierte Ex-Pipi-Kaka-Poeten der (Hörer-)Welt nun trockenere Lebenserkenntnisse: „Everyone Lies And Cheats Their Wants And Needs And Still Believes Their Heart“. Wer also nicht achtsam war, als beim letzten, selbstbetitelten Streich 2003 zu „Miss You“ wild geknutscht wurde, kann mitunter das Ergebnis der damaligen Releasenacht heute schon jenseits der Einschulung sehen. Acht Jahre Leben: Trennungen, Tragödien, Gerüchte, Projekte - Familie, Vernunft, Einsicht – Musik?. Am Ende sind es eben - Rockstardom hin oder her – auch nur die menschlichen Herren Barker, Hoppus und natürlich DeLonge.


Hat es niemand vermisst, das abstrakte, aber bestimmte Schlagzeugspiel des spindeldürren Ganzkörpertintenfasses? Die quäkende Stimme, die spätestens seit „Pathetic“ klar als eine unter tausenden erkannt wird – gepaart mit dem warmen, nachdenklicheren Organ, sympathisch geschwängert von Babygeschrei und Rotwein? Nix Vorwahlen, Goldkettchenrap oder Liebesfilme – heute heißt das wieder wie damals: BLINK 182. „Ghosts On The Dance Floor“ trägt dennoch die sphärisch progressive Stadionnote in sich, die spätestens mit Tom DeLonges ersten Zeilen wie die logische Weiterführung von ANGELS AND AIRWAVES klingt, wären da nicht die bekannten Melodieschemata sowie eben das benannte Schlagzeugspiel. Was sind schon acht Jahre?
„Natives“ mit schönem ACDC-like Gimmick im Auftakt brät dann wieder poppig und doch düster – und bei „Up All Night“ ist die Welt eh wieder in Ordnung: Brettgitarre und Hooklinegebet, das eingesessene Duett leitet durch die schlaflose Nacht. „Neighborhoods“ klingt bei Erstkonsum irgendwie logisch, irgendwie zu voraussehbar – aber irgendwie auch wie BLINK 182. „Heart´s All Gone“ erhält den Poppunkstempel und die Gier nach Travis´ lupenreinem Trommelhandwerk auf der Stirn derer, die den ausgestreckten Finger böse in Richtung Retorte strecken, „This Is Home“ hat sich hingegen scheinbar in der Studiotür geirrt und schmückt sich mit Bügelfalte statt Pfund und abartigen Handclaps statt California-Charakter.

Das Trio klotzt klar mit Produktion, kleckert jedoch mit Innovation und Aha-Momenten. So kommt „Wishing Well“ erst mit einem blauen Auge davon, stolpert und verstrickt sich dann in einem Netz aus Recycling und fehlendem Vitamingehalt. Melancholische Momente und verhangende Songstrukturen wie im großartigen „After Midnight“ haben BLINK 182ihre Fans schon mit „Down“ oder „Always“ gelehrt, die unverdrossene und stetig blühende Ader wie sie die „Rock Show“ oder „All The Small Things“ noch erwärmend pulsieren lies, sucht zurückhaltend ihres Gleichen. BLINK 182– das war vor einem guten Jahrzehnt die vorlaute „Mark, Tom & Travis Show“, wie aber findet sich die Band anno 2011 als funktionierende Einheit wieder? „Neighborhoods“ sind gerade in den USA häufig unberechenbar - oberflächlicher Glanz am Tage kann nachts schnell zu Unstimmigkeiten oder Gefahr mutieren. Was hier noch glimpflich ausgeht, kann an der nächsten Straßenecke bereits zu viel des Guten bedeuten.

Leider gibt es als Promotionsgeschmack nicht das Deluxepaket, somit lässt „Love Is Dangerous“ als einziger zweistelliger Track auf der CD-Playeranzeige einen Beigeschmack von Großbritanniens Indie-Schmieden und verflossenen Gedanken zurück, die von BLINK 182´s Schlüsselmerkmalen immer wieder angefixt doch schneller das Weite suchen, als sie es früher noch taten. Früher – das muss mindestens acht Jahre her sein.

Trackliste:

01. Ghost On The Dance Floor
02. Natives
03. Up All Night
04. After Midnight
05. Snake Charmer *
06. Heart's All Gone Interlude *
07. Heart's All Gone
08. Wishing Well
09. Kaleidoscope
10. This Is Home
11. MH 4.18.2011
12. Love Is Dangerous
13. Fighting The Gravity *
14. Even If She Falls *

* Deluxe-Edition only



Blink-182 - Up All Night from on Vimeo.

Alte Kommentare

von chris 28.09.2011 16:21

Mich hat das Album gerade wegen seiner Bodenständigkeit begeistert. Und dass sich Blink im Laufe der Jahre weiterentwickeln und ernster, wenn auch in den Aussagen der Texte etwas konservativer, werden, war ja wohl abzusehen und finde ich auch eine gute, weil glaubwürdige Entwicklung. Gerade "Wishing Well" und "Love is Dangerous" sind für mich tolle Hymnen. Würd der Scheibe 8 Punkte geben. Tolles Comeback!

von Bis auf.. 28.09.2011 17:52

Travis´ schlagzeug ist iwie nicht viel über gebliebenen von den einst brillanten blink 182.

von tropen-toni 29.09.2011 08:31

wenn ich mir erwachsene mucke reinziehen will, gibt's genug andere bands. ich hätte gerne wieder Blink 182 gehört. wo zum geier sind die zündenden melodien und vor allem vermisse ich die energie.

von niceguy 30.09.2011 17:20

muss tropentoni leider zustimmen... bis jetzt hauts mich nicht um. fehlt einfach der poppunk "druck" und die ultrageilen eingängigen melodien.

von EddY 12.10.2011 17:13

von mir 9 punkte. war als fanatiker sowas von froh und zugleich erleichtert über dieses comeback!!!

von schade... 12.10.2011 21:17

...dann schwenk ich halt auf die wonder years um.

von schade... 12.10.2011 21:19

...dann schwenk ich doch lieber zu den Wonder Years über.

Autor

Bild Autor

Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

Suche

Social Media