Plattenkritik

Brokof - Side By Side

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 12.10.2012
Datum Review: 10.10.2012

Brokof - Side By Side

 

Ein Sommertag in der Großstadt. Mitten im Park der sich bemüht als Oase zwischen Stressgefüge und unpersönlichem Gewusel herzuhalten fällt einem kleinen Mädchen die frisch erstandene Eiskugel zu Boden. Sie weint, schluchzt und kriegt sich kaum ein vor Trauer. Die herbeieilende Mutter gibt ihr Bestes – doch vergebens. Eine Situation, in der Fabian Brokof unverkrampft die Sonne zurück in den Lebensmoment holen könnte. Und sich im Anschluss womöglich noch eingehend entschuldigt. Für ein Szenario, an dem weder er noch seine Band in irgendeiner Art und Weise beteiligt gewesen sind.


Vielleicht wissen BROKOF einfach, was sich zusammen alles durchstehen lässt. Vielleicht haben sie genügend Erfahrung sammeln können über all die Jahre, die Rocco, Christian, Arne und Fabian zusammen musizieren. „Side By Side“ verpackt (bereits) Erlebtes bis (immer noch) Erschreckendes in Musik, die selbst so klingt, als würde sie pausenlos nach Entschuldigungen und Ausflüchten suchen, ohne die Hoffnung auf das Licht am Ende des Tunnels aufzugeben. „Two Steps Back“ und „Out Of Luck“ klingen klar und sind trotzdem melancholisch verhangen, BROKOF selbst singt und lebt die Songs wie ein geräderter JACK JOHNSON, der auf einer WEAKERTHANS-Platte den Gesangspart übernehmen darf.
Bei „Lost In The City“ verlassen sich die Berliner eher auf schwelgenden Pop als auf die fast schon therapeutische Wirkung, die „Man Without A Name“ unter der wärmenden Bettdecke hervorblinzeln lässt. Die vier Musiker mögen die Natur und die Wirklichkeit. Jeder Ton, jeder Takt auf „Side By Side“ ist klar nachvollziehbar und niemals überladen oder so verdrossen, als wären Zwänge und Pläne der eigentlichen Absicht von Folk und Songwritertum überlegen.
„The Walls Of Indifference“ oder die Single „Coorperate“ sind mit WILCO auf den Kopfhörern im Hier und Jetzt unterwegs, trauen sich zu tanzen und gleichzeitig herauszufinden, was Gefühle in einer Metropole oder ein normales Lächeln in der U-Bahn bewirken können.

Die Instrumente bleiben präsent aber meist unterschwellig, bei „This Life“ übernimmt die Gitarre die seltene Hauptrolle. Über seinen knapp einstündigen Aufenthalt genehmigt „Side By Side“ flockige Herzschläge bis loderne Indierockmomente und verweilt lebendig, obwohl zugleich so unschuldig wie ein rücksichtslos zugestickerter Mülleimer inmitten der Schönhauser Allee. Zusammen – da sind sich BROKOF sicher – lautet das Geheimnis. Nicht der Regen oder das „Die-Decke-über-den-Kopf-ziehen“. „Side-By-Side“ hilft gerne beim Ver-, Über- und Bestehen. Nur nachzufragen muss sich jeder selbst trauen.

Trackliste:

01. Out Of Luck
02. Lost In The City
03. The Walls Of Indifference
04. Two Steps Back
05. Until Now
06. A Man Without a Name
07. Luck Complete
08. Coorperate
09. The One
10. This Life
11. A Thousand Times
12. Oh Love
13. When All Was Gone

Autor

Bild Autor

Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

Suche

Social Media