Plattenkritik

CAROUSEL KINGS - Charm City

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Info

Release Date: 10.02.2017
Datum Review: 24.12.2016
Format: CD

Tracklist

 

01. Grey Goose
02. Glory Daze
03. Here, Now, Forever
04. Bad Habit
05. Something Isn’t Right
06. Hate Me, Love Me
07. Charm City
08. Dynamite
09. Unconditionally
10. Fractals
11. Punch Drunk
12. Fool’s Gold
13. You Never Will

Band Mitglieder

 

David Alexander - Vocals
Cody Jay Williams - Bass
Will Barovick - Guitar
Danny Wilkins - Drums

CAROUSEL KINGS - Charm City

 

Karusselkönige. Die CAROUSEL KINGS aus Lancaster sind das neueste Signing von Victory Records. Bislang veröffentlichte die Band zwei Alben, mit "Charm City" haben sie ihr bislang ambitioniertestes  und facettenreichstes Werk aufgenommen.

Ambitioniert: Beginnen wir mit "Grey Goose", dem ersten Song. Metallischer Einschlag, Metalriffing, Mitgröhlrefrain, kurzer Breakdown, anschließendes Gitarrenensolo, Shouting am Schluss. "Grey Goose" beinhaltet alles, was ein topmoderner Rock/Metal-Song haben muss.

Facettenreich: Die Band wird oft dem Pop-Punk zugeordnet, was nach dem weiteren Hören der Songs nur bedingt stimmt. Es gibt punkige Elemente: der Gesang bürgt für den Popapeal, die Melodiearbeit fürs Easy-Listening und die Geschwindigkeit für die notwendige Attitüde, jedoch überwiegt ein modern, metallischer Sound.  Dazu zeigt sich die Band wahnsinnig variabel und vielseitig im Songwriting. Kurz vor aufkommender Langeweile gelingt es ihnen meist Spannung zu erzeugen und mit einem erneuten Break, einer Bridge oder einem abgewandelten Refrain zu punkten.

Generell die Band: Die Instrumentalfraktion leistet unheimlich gute Arbeit. Da ist das Drumming, welches vom Uptempo-Punk-Gekloppe auf Fill-durchsetzte Halftime-Beats wechselt, um im nächsten Moment technisch einwandfreie Doublebassfiguren und filigrane Hihat-Variationen zu spielen. Oder die Gitarre, die einerseits Trashriffs abfeuert, mit klassischen Heavy Metal-Soli garniert, andererseits mit einfachen Chords für tatsächliches (Pop)-Punk-Feeling sorgt und dann später die Melodieführung übernimmt und den Hörer verwirrt mit der Frage, ob der Sänger auf die Gitarre singt oder die Gitarre dem Gesang folgt.

Da wären wir beim Gesang: Dem großen Manko der Platte. Es ist nicht so, dass der Gesang schlecht wäre. Er ist schlichtweg langweilig. David Alexander traut sich zu wenig, was am überbordenden Einsatz des Hall-Effektes nachhaltig bewusst wird. Interessanterweise gefällt er mir bei Song 5, "Something Isn´t Right", am besten. Hier singt er leicht schief, trifft die Töne nur bedingt und wirkt zittrig, später entwickelt sich der Song zu einem guten Rocksong mit aggressivem Unterton. Dabei klingt er so authentisch und gefühlvoll, dass man ihm die einfach gehaltenen Texte sofort abnimmt. Mehr davon. Des Weiteren erinnert der Songeinstieg an BRAND NEW zu "Deja Ententu". Gesangliche Unterstützung erhalten die CAROUSEL KINGS hier übrigens von AUGUST BURNS REDs Dustin Davidson.

Referenzbands finden sich in vielerlei Hinsicht. Die eben erwähnten frühen BRAND NEW blitzten mehrmals durch. TAKING BACK SUNDAY, HAWTHORNE HEIGHTS, THE USED. Ab und an erinnern unendlich bearbeitete Screams und Shouts an Jareds 30 SEKUNDEN ZUM MARS. Dazu gibts den Metaleinschlag und eine Verneigung vor den ortsansässigen Genregrößen AUGUST BURNS RED und THIS OR THE APOCALYPSE.

"Charm City" ist wie ein Besuch auf dem Rummelplatz - macht kurzzeitig Spaß, wird irgendwann langweilig und letztendlich ermüdend. Nachdem man dann mit den besten Geschäften mehrmals gefahren ist, reicht´s wieder für ein Jahr. Der Band fehlt trotz ihrer technischen Fähigkeiten die Eigenständigkeit und die verpasste Chance (des Sängers), die Songs als solche wirken zu lassen. Der omnipräsente Gesang wirkt bisweilen überladen mit Lyrics, welche absolut keine poetischen Meisterleistungen sind und zu viele Genreklischees bedienen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Passenderweise singt David Alexander im Titelsong "Charm City" von "too many Voices". Ok. Nimm dir bitte ein Beispiel daran. Die meisten Songs wirken in ähnlicher Form schon einmal gehört, sowohl musikalisch als auch textlich.

Positiv anmerken muss man der Band, dass sie vor Energie strotzt und ihr die Spielfreude tatsächlich anhört, was sich wiederum positiv aufs Hörerlebnis schlägt und den Gesangskritikpunkt etwas schmälert. Dennoch gelingt es auch beim mehrmaligen Durchhören von "Charm City" nicht, der Band Individualität zu attestieren. Der Eingangs erwähnte Facettenreichtum wirkt im Laufe der Platte überladen, beim Song "Unconditionally" fehlt nur noch der passende RnB-Beat und der Band wäre Radioairplay garantiert. Auf Kiss FM.

 

Autor

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Sebastian

Autoren Bio

Basti // 28 // Berlin // Hiphop bis Blackmetal

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