Plattenkritik

CROSSFAITH - Xeno

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Info

Release Date: 18.09.2015
Datum Review: 29.09.2015
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

01. Intro
02. Xeno
03. Raise Your Voice
04. Devil's Party
05. Ghost In The Mirror - Crossfaith / Shomo, Caleb
06. Dystopia
07. Wildfire - Crossfaith / Webbe , Benji
08. Tears Fall
09. Paint It Black
10. Vanguard
11. Calm The Storm
12. Astral Heaven
13. Madness
14. Dance With The Enemy
15. S.O.S

Band Mitglieder

 

Koie Kenta – lead vocals
Takemura Kazuki – guitars
Amano Tatsuya – drums, percussion
Tamano Terufumi – keyboards, programming, backing vocals
Ikegawa Hiroki – bass guitar

CROSSFAITH - Xeno

 

Die Japaner von CROSSFAITH werden oft der etwas irreführenden Genrebezeichnung Trancecore zugeordnet, wobei darunter in der Regel Bands verstanden werden, die Metalcore und Hardcore mit elektronischen Versatzstücken vermischen. Jüngst ist mir dann noch die Bezeichnung Electronicore untergekommen und diese trifft dann auch schon eher den Nagel auf den Kopf, denn elektronische Musik ist ja nicht gleichbedeutend mit Tance und so können die Einflüsse durchaus variieren. Wer mit elektronischer Musik aber ohnehin nichts anfangen kann, der darf jetzt aufhören zu lesen.

Keine Frage, CROSSFAITH machen in erster Linie Partymusik, aber das ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes. Mit der "Zion"-EP und "Apocalyze" konnten mich die Herren aus Osaka seinerzeit jedenfalls ziemlich begeistern. Die energiegeladene Mischung aus brachialem Metalcore, Dubstep-, Trance- und Prodigy-Einflüssen ging gut ins Ohr, in den Nacken und ins Tanzbein und hob sich angenehm vom Großteil ähnlich gearteter Bands ab. Besonders positiv viel dabei auf, dass CROSSFAITH mit Tamano Terufumi einen sehr begabten Mann am Mischpult haben, weshalb sich elekronische Elemente und Metalcore immer ziemlich gleichberechtigt die Klinke in die Hand gaben. Bei vielen Genrevertretern wirken solche Klangmixturen ja gerne mal so, als hätte man haarsträubenden Kirmestechno lieblos über ein dumpf böllerndes Metalcoregerüst geklatscht.

Auf musikalischer Seite hat sich auch auf "Xeno" nicht besonders viel an der homogenen Vermischung beider Welten geändert, nach einem kurzen Intro gibt der Titeltrack direkt die Richtung vor: Fette Metalcoreriffs, brachiale Drums, breite elektronische Klangteppiche und extrem tanzbare Trancepassagen dominieren weiterhin den Sound der Japaner. Auffällig ist dabei von Anfang an, dass Frontmann Koie Kenta häufiger mit Cleangesang arbeitet, was ihm überraschend gut zu Gesicht steht. Doch keine Angst, auf genretypisches Autotune-Gequake verzichtet man hier zum Glück.

Doch obwohl musikalisch wie gesagt alles beim Alten ist und auch der vermehrte Cleangesang keineswegs stört, will "Xeno" nicht so recht zünden. Es mag daran liegen, dass sich viele Tracks vom Aufbau her nicht deutlich genug von einander unterscheiden und die quirligen Überraschungsmomente von "Apocalyze" weitestgehend ausbleiben, oder auch daran, dass man sich allgemein noch etwas massentauglicher gibt als zuvor. Versteht mich nicht falsch, Songs wie der bereits genannte Titeltrack, "Raise Your Voice", "Ghost In The Mirror" (bei dem man sich Caleb Shomo von BEARTOOTH ins Boot geholt hat) oder das anfangs leicht an RAMMSTEIN erinnernde "Paint It Black" sind allesamt gute Songs, aber das große Aha-Erlebnis bleibt irgendwie aus.

Mit der albernen Dancenummer "Wildfire", bei der sich Benji Webbe von SKINDRED die "Ehre" gibt und dem ziemlich schmalzigen Balladenversuch "Tears Fall" hat man eigentlich auch nur zwei Totalausfälle zu verzeichnen, aber ich kann mir nicht helfen, die Vorgängerwerke hatten irgendwie mehr zu bieten. Ein wenig mehr Experimentierfreude und Unberechenbarkeit, sowie 2-3 Tracks weniger würden den Japanern in Zukunft wieder deutlich besser zu Gesicht stehen.

 

Mit "Xeno" bleiben CROSSFAITH am Ende zwar immer noch besser als der Großteil der Genrekollegen, die irgendwo zwischen Justin-Bieber-Gesang, Autoscootersoundtrack und stumpfem Hüpfcore versuchen, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren; allgemein ist der neue Streich der Asiaten allerdings nur 'OK'.

 

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Hans

Autoren Bio

Meine großen Leidenschaften: Literatur und laute Musik. Plattenkritiken liegen nahe.

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