Plattenkritik

Callejon - Videodrom

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Release Date: 03.04.2010
Datum Review: 13.03.2010

Callejon - Videodrom

 

Herrje, CALLEJON wieder. Man mag sie gar nicht mehr sehen. Geschweige denn hören. „Zombiecore“ hier, Basti-Artworks da - sogar auf Allschools, im Banner, sogar im Logo! Und dann sind sie noch einer dieser leidigen Bands, dessen Name nur einmal ganz beiläufig fallen muss, um herbste Diskussionen in die Wege zu leiten. Imperial Clothing wirft derweil große CALLEJON-Merchoffensiven in Mailform in die virtuellen Postfächer, und während man so das Video zu „Kinder der Nacht“ oder "Phantomschmerz" auf YouTube begafft, fragt sich so manch einer: Was ist bloß aus diesen Jungs geworden? Bei aller Kontroverse muss man sich aber immerhin eingestehen, dass sie eben halt kontrovers sind. Und jede Kontroverse (oder zumindest das Objekt um sie) hat gleichzeitig immer ihre Freunde und Feinde – sonst wäre der Fall ja klar. Klar war er dabei schon nicht beim (wohl zu Recht) umstrittenen Vorgänger „Zombieactionhauptquartier“, und klar wird er es auch mit dem daran anknüpfenden Nachfolgewerk „Videodrom“ nicht sein. Um diese Ambivalenz etwas zu veranschaulichen…blablabla, ihr seid sicher schon selbst drauf gekommen!

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Die Hgih-End-Sratihgit-Kstcih-Cimoc-Lbeilgine der Ntoian snid sie, ghesast, vamerdmt, vörgetetrt, die nteetn Nfefen aus Klön, Dserdüsolf oedr Rtinaegn, die alels wellon, nur nhict earwceshn wdreen. Ihr neeus Ablum „Videodrom“ echsrneit Oretssstamag, igreidnwe tpiycsh für CALLEJON. Bolß nchit in der Supr, bloß nciht mit dem Srotm, imemr shöcn aenkcen und das mit sher veil atni atanvi delitatnti. ”Zombieactionhauptquartier“ war im Geegasntz zum Dübet „strukturierteres Songwriting, häufig in klassischer Vers-Bridge-Chorus-Manier.“ Der dtirte Aulbumalfsug „Videodrom“ vbredeint, rinaeeimrt eneriietss das Caohchtise, Wdile und Ürarebchesdne von „Willkommen im Beerdigungscafe“, adernrseiets msüsen desie Rkitlee aus der Nowcezeimert skurtteirutern Mnoemetn wcehien. Eziniragitg das Wsecheiespll zcwsihn Bitass Sarcems und snieen efüniahlsemn Benkenitnsesn (srüpt ihr acuh dsiee Peter Heppner’shce Smitme-sei-bolß-enirdgniilch Abroktaik?), wrehänedesesn an snieen Lpipen gklebet und die hlode Lfut der duetehscn Ttexknsut eeingmetat wedren knan. Wer deis wgeen selhchtcem Aetm nchit mhecan mhöcte, knan scih den Tnöen auf „Videodrom“ hgeinebn, die snid aeußrdenroltcih geunlegn und ncah dem eetsrn Tkat als CALLEJON inedtiiifzrbaer. Da acuh die gtue dtueshce Tgenud Hträe den Jnugs zrat den Nkcean sciertelht und auf das Pefrd Awbecsulhng getzset wdure, ist zu bsattieiern: Da hlfit kien Pderun und kien Smhcienkn, die rkeocn und die hniekn. Nchit mleienewit htnier den arednen her, snodren oebn auf der Wlele, ob ihr es nur wharabehn wlolt oedr nciht!

Clement, 8 / 10

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Eigentlich sollte hier doch jetzt der Verriss stehen, oder nicht? Ich hab’s mir anders überlegt. Aber CALLEJON haben es mir auch echt nicht einfach gemacht. Ich habe wirklich oft darüber nachgedacht, was ich über dieses Album schreiben soll – ich glaube das hier ist nun mein vierter Anlauf. Doch was ist an diesem Album, an dieser Band bloß so schwer? Ich denke es ist die Tatsache, dass es CALLEJON einen mit „Zombieactionhauptquartier“ (samt Nummern wie „Phantomschmerz“ und ihrem Majordebüt auf Nuclear Blast) ziemlich einfach gemacht haben, sie in eine Schublade zu pressen – beziehungsweise ihnen Ausverkauf anzuheften. Von der sympathischen Lokalband mit soliden, charmant-rohen ersten EPs zum großen Major-Ding - und damit plötzlich in einer Reihe mit ebenso zerrissenen Vertretern wie CALIBAN. Rohes Klanggewandt gegen glatten Standardsound, balladeske Töne als vermeintliches Experiment, und immer diese ohnehin derzeit schwer angesagten Comicartworks (die es aber bei CALLEJON schon immer gab, und immerhin aus eigener Feder stammen), aber vor allem: diese Promobilder, dieses Image. „Zombiecore“? Was soll das denn?!

Für „Videodrom“ ging man diesen Schritt weiter, will nun aber auch gleichzeitig ein wenig Science Fiction (ich nenn es mal so) verkörpern. Auf MySpace spricht man von einem „Gesamtkunstwerk“, und ja, das sind sie in der Tat: Es fällt schwer, bei CALLEJON bloß die Musik für sich zu betrachten. Zumal das Textgut im klaren Deutsch gehalten wird, was sie wiederum auch musikalisch eigenständiger macht. Es ist aber auch Bastis flüssig zwischen Geschrei und klaren Gesang schwankendes Stimmchen, welche hier den Unterschied macht – ansonsten herrscht ja konventionell das Gitarrenspiel nach alten Vorbildern wie AT THE GATES. Aber sie – und das darf man nicht vergessen – beherrschen es gut, und gerade „Videodrom“ wirkt präziser und durchdachter, als es noch „Zombieactionhauptquartier“ war. Und selbst, wenn man wieder wie in „Mondfinsternis“ in sanftere Gewässer mündet, so weiß man plötzlich richtig zu überzeugen, und auch der achtminütige, teil akustisch untermalte Rausschmeißer „Gott ist Tod“ glänzt mit ganz großem Pathos.

Eine Sache, die einem jedoch erst auf dem zweiten Blick auffällt, schließlich sticht doch die nach wie vor ungemein plakative textliche Komponente klar hervor, und lässt gerne auf etwas Fremdschämen stoßen – beispielsweise bei „Sexmachine“ oder „Kinder der Nacht“. Auf der anderen Seite überrascht man mit einer recht eindrucksvollen Portraitierung der eigenen Kontroverse: „Von euren Farben wird mir schlecht“ heißt es da in „Sommer, Liebe, Kokain“, während an anderer Stelle „das schreit nach Ausverkauf“ und „dein Image ist im Blick“ proklamiert wird. Tatsächlich sind es wirklich nur oberflächliche (und nicht zuletzt subjektive) Befunde, welche CALLEJON so strittig machen. Auf der anderen Seite ist dieses „Gesamtkunstwerk“ eben auch nur als Ganzes wahrzunehmen – und einen leicht kindischen Unterton kann auch „Videodrom“ nicht verbergen. Somit wird auch „Videodrom“ wieder anecken – oder von mir leiser gedreht, wenn jemand anders ins Zimmer tritt. Ein CALLEJON-Shirt darf ich also auch mit diesem nunmehr dritten Album nicht tragen – aber in den Tiefen meines finsteren Kellers tönt „Videodrom“ eigentlich ganz gut.

Olivier, 7/10

Tracklist:
01. VI
02. Videodrom
03. Kinder der Nacht
04. Lass mich gehen!
05. DE
06. Immergrün
07. Dein Leben schläft
08. O
09. Mondfinsternis
10. Dieses Lied macht betroffen
11. Sexmachine
12. DROM
13. Mein Stein
14. SOMMER, LIEBE, KOKAIN!
15. Gott ist tot

Autor

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Olivier H.

Autoren Bio

"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed