Plattenkritik

Captain We´re Sinking - The Future Is Cancelled

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Release Date: 14.05.2013
Datum Review: 28.05.2013

Captain We´re Sinking - The Future Is Cancelled

 

CAPTAIN WE`RE SINKING teilen sich nicht bloß den Bäcker, einen Teil des Familienstammbaums und die Postleitzahl mit ihren Nachbarn – den MENZINGERS. „The Future Is Cancelled“ nimmt einen dicken, roten Permanentmarker in die zitternde Hand - um gemeinsame Lieblingsbands und eben oben genannte Fakten zu unterstreichen.

„The Future Is Cancelled“ ist das zweite Album der Band aus Scranton, circa zwei Autostunden von New York entfernt. Die 80.000-Seelen-Kommune, die neben den MENZINGERS auch MOTIONLESS IN WHITE mit ihrem Kajalcore in die Welt entsandte, formte aus Bob, Zack, Bill und Leo über die Jahre einen kantigeren Punkrockklumpen, als es die versoffenen Pithymnen noch etwa zu „It´s A Trap!“ vermuten ließen. So ist bereits mit „Adultery“ ein klarer Fingerzeig in Richtung NIRVANA unabdingbar - von Dreck über Chaos bis zu den disharmonischen Gitarren brennt sich der Opener tief in Grunge und Blutgrätschenrock.
Auch die fortschreitenden Minuten von „The Future Is Cancelled“ leben mal schüchtern, mal stark extrovertiert zwischen Punk, Emo und Seattle – den Einfluss der Tour- und Nachbarschaftspartner zu leugnen, macht bei „Annina, We Will Miss You“ oder (schlimmer noch) „Montreal“ gar keinen Sinn. Leider schaffen es CAPTAIN WE`RE SINKING seltener, dass Dramatreppchen so weit hinaufzuklettern wie Greg Barnett (seines Zeichens Bruder von CAPTAIN WE`RE SINKING-Frontmann Bob) und seine Jungs. „Brother“ ist trotzdem lebendig und dynamisch kratzend, „The Future Is Cancelled Pt.1“ hingegen keift und poltert, als gäbe es keinen Weg aus Scranton hinaus in die Welt. Glücklicherweise beweist der Tourplan der MENZINGERS aktuell anderes – und nimmt die Band passend ins Vorprogramm mit auf die Straße. Live und unter frischem Schweiße dürften „Beer Can“ oder das in Stimmungen ertrinkende „Lake“ durchaus noch angenehmer zu verdauen sein, als es „The Future Is Cancelled“ stellenweise zu dürftig zulässt.

CAPTAIN WE`RE SINKING allerdings trumpfen auch in den ruhigen Momenten, in denen sie ihren Songs das Rückgrat für den Kampf von Angesicht zu Angesicht antrainieren. „A Bitter Divorce“ fällt daher nicht aus dem Rahmen der Platte, sondern überdenkt wie auch „More Tequila, Less Joe“ mögliche (Aus-)Wege, bevor der üble Alltag mit seinen Wahrheiten und Tatsachen wieder aufholt. Und das – so erfahren nicht bloß in Scranton, Pennsylvania – tut er eh stets viel zu schnell.


Trackliste:

01. Adultery
02. Brother
03. Annina, We Will Miss You
04. The Future Is Cancelled Pt. 1
05. Montreal
06. More Tequila, Less Joe
07. Beer Can
08. You Have Flaws
09. Lake
10. Here's To Forever
11. A Bitter Divorce
12. Shoddy Workmanship

Alte Kommentare

von Daharka 29.05.2013 08:31

Hammer Platte und Adultery einer der besten Opener der letzten Zeit. 8-9/10 !

von Fabian 30.05.2013 23:53

Stimme ich zu! Adultery ist einfach ein riesen Hit. Allein diese "Tonight I am leaving" Stelle. Hach. RFC macht auch dieses Jahr nichts falsch.

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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