Plattenkritik

Chris Wollard And The Ship Thieves - Dto.

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Release Date: 17.03.2009
Datum Review: 22.03.2009

Chris Wollard And The Ship Thieves - Dto.

 

„That’s what I like about it, it’s not so complicated“, sang Chris Wollard in dem Song 'New Eyes Open' von THE DRAFT, einem der ersten Emanzipationsversuche von seinem früheren Brötchengeber. Unkompliziert, bodenständig und über weite Strecken unbedingt großartig sind die Songs seiner ersten (beinahe) Soloplatte auch.

Er ist schon ein trinkfester Kauz dieser Chris Wollard – und ein äußerst vielseitiger Songwriter. Stand immer irgendwie im Schatten jenes noch derberen Reibeisens von Zimmermann, emanzipiert sich jedoch stetig. Überhaupt ließe sich der musikalische Background Wollards im Kontext dieser Veröffentlichung nicht ausblenden, selbst wenn man wollte. Mit den nach wie vor zeitlosen RUMBLESEAT überführte er gemeinsam mit Samantha Jones und Chuck Ragan die HOT WATER MUSIC’sche Whiskyseligkeit in einen akustischen Rahmen. Immer leicht neben der Harmoniespur, immer mehr als mitreißend. THE DRAFT waren dann die konsequente Weiterentwicklung von HWM nach "The New What Next", andere Projekte mal außen vor gelassen. Und in der iTunes Mediathek folgt auf sein aktuelles Album unmittelbar Kollege Ragan. Kein Entrinnen also aus dem weit Wurzeln schlagenden HWM-Kosmos. Oder doch?

Angesichts dieses Backkatalog-Oeuvres wird überrascht sein, wer die erste Solo-7" nicht kennt. Nichts (oder zumindest nicht viel) mit Folk oder Kumpelrock im Akustikmantel, keinesfalls dieselbe Traditionslinie, der Chuck Ragan auf seinen Solo-Veröffentlichungen gefolgt ist. Der Opener 'No Exception' oder 'All The Things You Know' erinnern in ihrer gedämpften rockigen Euphorie und Leichtfüßigkeit eher an die FOO FIGHTERS als an LEATHERFACE. Zudem klingt CHRIS WOLLARD oftmals doch irgendwie fremder, dunkler, unangestrengter allerdings keinesfalls schlechter als in seinen übrigen Bands. Vor allem im zurückhaltend-atmosphärischen 'Up To The Moon' (George Rebelo spielt hier Schlagzeug) oder im Refrain des semiakustischen immer wieder packend-aufbrechenden 'Reason In My Rhyme' kommt sein wohlig warmer Heldenbariton vollends zu Geltung. Zu den weiteren Highlights eines höchst abwechslungsreichen – wenn auch beim ersten Hören recht unspektakulär wirkenden – Albums zählen 'Same To You' mit der mitreißendsten Strophe des gesamten Albums sowie der vollakustische Rausschmeißer 'Hey B'. CHRIS WOLLARD musiziert überraschend abgehangen und erweitert im Verbund mit seinen SHIP THIEVES den reichhaltigen Gainesville-Hitfundus um einige potentielle Songs für die Ewigkeit. Es muss eben nicht immer kompliziert sein.

Tracklist:

01: No Exception
02: Reason In My Rhyme
03: Same To You
04: In The Middle Of The Sea
05: Up To The Moon
06: All The Things You Know
07: Oh Whatever
08: You Always Leave
09: The High Water
10: Hey B

Alte Kommentare

von Raphael 22.03.2009 20:14

Geiles Review. Ich muss gestehen die Platte noch gar nicht gehört zu haben, aber das wird schnellstmöglich nachgeholt

von Raphael 31.03.2009 22:59

so langsam mundet die Platte. Zwar nicht das, was man im ersten Moment von Chris Wollard erwartet hätte aber dennoch richtig fein.

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René

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