Plattenkritik

Creature With The Atom Brain - The Birds Fly Low

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Release Date: 07.12.2012
Datum Review: 11.12.2012

Creature With The Atom Brain - The Birds Fly Low

 

Größenwahn und Belgien – zwei seltene Kollegen auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch unter vier Augen. Gerne schon mal Kaffee und Gebäck bereitstellen, Roky Erickson auflegen und wenn´s klopft – einfach beide Augen fest zusammenkneifen und öffnen. Im schlimmsten Fall ist es bloß der Drogenkurier.

Ein kalifornisches Weltwunder und die verschwommenen Wahrheiten der internationalen Vampirhochburg ergaben zusammen ein gutes Stück Vorbereitung auf das, was das europäische Psychedelic-/Stoner-/Fuzzrockkollektiv mit „The Birds Fly Low“ aus dem untoten Wald entlässt: Hallende, wabernde und unverkrampfte Trips zwischen Wüstenlandschaft und Prog-Flashback, die sich passenderweise Titel wie „Wolf Eye“ oder „Southern Wind“ teilen. Dazu brüten schmale Gitarren über manipulierten Effekten – eingeengt und auf den Rücksitz gepfercht von der drögen, fast teilnahmslosen Stimme von Aldo Struyf, der sich nebenher dem Tastendrücken bei MILLIONAIRE widmet. CREATURE WITH THE ATOM BRAIN, so der Kosename seines Babys, schält sich dabei von manchem maroden Barhocker, um „The Beauty Of The Rain“ den nötigen Respekt zu zollen oder zusammen mit MARK LANEGAN den „Black Rider Run“ zum wahren Nuancenspektakel verkommen zu lassen.

„The Birds Fly Low“ zerrt kaum noch Spuren einer Soloausflucht (wie noch zu Gründungszeiten) hinter sich her – Songs wie „The Dust Of Time“ mit dominantem Bläsereinsatz oder das orientalisch durchflossene „Break Me Blue“ leben mit jedem Grat, der die Kreatur (oder besser ihre Erschaffer Michiel Van Cleuvenbergen an der Gitarre, Drummer Dave Schroyen sowie Basser Jan Wygers und Struyf himself an Keyboards, Stimme und Gitarre) in Melodiewelten, Staubzwinger oder inmitten der zurückgelehnten Dunkelheit treibt.

CREATURE WITH THE ATOM BRAIN spielen auch auf ihrem dritten Album Musik, die in der Nacht und im Nebel zu Hause ist - die wie „Nightlife“ unberührt lacht über Ängste, Zweifel und Gefahren. Gegen stetiges Unwohlsein oder die Angst vor dem Verhungern räumt die Band aus Antwerpen dem Hörer mit dem abschließenden Titeltrack eine Art „letzte Chance“ ein: dreieinhalb ausgewogene Minuten Zeit bleiben, um zu schlucken oder wegzulaufen.
Für eine der Varianten sollte man sich entscheiden, denn selten wurden Opfer in Zeitlupe so galant gefesselt wie auf „The Birds Fly Low“.

Trackliste:

01 – Hit The Sky
02 – Wolf Eye
03 – Southern Wind
04 – The Beauty Of The Rain
05 – Black Rider Run
06 – The Dust Of Time
07 – Sayonara
08 – Nightlife
09 – Break Me Blue
10 – Red River
11 – Slide
12 – R-Frequency
13 – The Birds Fly Low

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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