Plattenkritik

Danbert Nobacon - The Library Book Of The World

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Release Date: 01.01.2007
Datum Review: 19.11.2007

Danbert Nobacon - The Library Book Of The World

 

So richtig ernst nehmen konnte, oder wollte man CHUMBAWAMBA irgendwie nie. Vielleicht war die Idee zu abgenutzt, soziale Missstände mit zuckersüßem Pop zu unterlegen, vielleicht liegt es auch an diesen Leuten die irre grinsend zu „Tubthumper“ abgehen, und dir dein Bier aus der Hand schlagen – und dann fehlt das Kleingeld für’s Taxi und man stolpert und wird nass.

Das Leben nach dem Über-Song eröffnet jedoch ungeahnte Möglichkeiten. So auch für Danbert Nobacon, Frontmann der selbsternannten Agit-Popper. „The Library Book Of The World“ ist das zweite Soloalbum – mit einem Abstand von etwa 20 Jahren. Das hat zumindest VASHTI BUNYAN Charakter, wüsste man nicht, dass Nobacon schon mit CHUMBAWAMBA alle Hände voll zu tun hat. Zeit für sich selbst nimmt sich Nobacon nicht, es darf wieder fröhlich politisiert und am System rumgemäkelt werden, nur eben nicht wie gewohnt im Rahmen bunten Dance-Pops, sondern mit der Folk-Keule. Funktioniert immer, ist authentisch und zeitlos und so, nur versagt Nobacon öfters am dafür so wichtigen Songwriting. Über Micheal Moorsche Allgemeinplätze zur Öl- und Waffenlobby kommt der alte Recke oft nicht hinaus.

Schöne Ausnahmen gibt es trotzdem, vor allem wenn die Songs wie eine merkwürdige Mischung aus nasalem ADAM GREEN Tenor und TOM WAITS Raucherlunge klingen, und eben beide Vorbilder dezent aufgreifen, sei es mit mal witzigem Material über everybodys darling: Klingeltonwerbung („There’s a non-stop music show, that never stops / but it stops every ten minutes or so, so they can let you know / about a new kind of ringtone“) oder mit einem einfachen „The whole world’s going down the pan“ im rauen „Three Barrels“. Dass Nobacon dabei nie seinen Humor verliert und sogar eine kleine 60’s STRAWBERRY ALARM CLOCK Hommage einstreut („Christopher Marlowe“), verwandelt „The Library Book Of The World“ zwar nicht in ein Meisterwerk, macht es aber zu einem feinen Album.

Insgesamt fehlt wohl der Biss und die Kraft des Moments, die eine gesellschaftliche Relevanz ausmachen würden, aber so richtig böse kann man Nobacon sowieso nicht sein, zu gut die Absichten der ständigen Pop-Opposition.

Tracks:

1. The Last Drop In The Glass
2. Straight Talk (Meet Frank)
3. Rock’n’Roll Holy Wars
4. What Was That?
5. Singe My Bad Head
6. Wasps In November
7. Red Mist
8. Nixon Is My Dentist
9. Tarin Kot
10. William Mulholland Meets Andrew Marshall
11. Christopher Marlowe
12. Three Barrels Full
13. Jamestown 2007
14. Fossil Cigarette Burns
15. Information Storm




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Dennis

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