Plattenkritik

Dashboard Confessional - Alter The Ending

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 10.11.2009
Datum Review: 07.01.2010

Dashboard Confessional - Alter The Ending

 

Chris Carrabba ist wieder da. Der Former des Emostils schlechthin. Zumindest desjenigen, mit welchem zahlreiche der frühen Emoboys die Herzen der Mädels zu erobern versuchten. Ich rede hier von Chris Carrabba, denn den Rest von Dashboard Confessional kann man wohl nach wie vor als schmückendes Beiwerk betrachten. Also ich machs jetzt einfach mal. Auf welchem liebesschmalzigen Mixtape ist er nicht zu finden, welcher gitarrezupfende Kerl hat nicht mindestens einen Hit von ihm in Petto, um ihn in lauen Sommernächten im Park nach dem Grillen zum Besten zu geben. Schwiegermutters Liebling, der sich sicher super auch bei Bienenstich und nem guten Käffchen beim Familiensonntagskaffee einfinden könnte. Selbstredend im Karohemd und mit perfekt sitzender Frise. Und er rettet auch die Jungsherzen, wenns mit der Angebeteten nicht klappt. Denn das kann er auch gut. Die Weiber verachten, die ihn nicht beachten.

Er tut es abermals auf dieser Platte, mit Band natürlich. Der Kerl der unter dauerhafter Verlassensangst leidet. Schmalzt vor sich hin, trieft vor Liebe und allen den positiven und negativen Eigenschaften, welche diese so mit sich bringt. Herr Carrabba ist das Zentrum des Universums und jedes Mädel dreht sich um ihn. Aber lass ihn bloß nicht alleine, holde Maid, schallt es aus „Until Morning“ oder auch „Blame It On The Changes“ heraus und wenn du es doch tust, wird er heulend auf Knien hinter dir herrutschen und dich anwinseln, dass du doch bitte bleiben sollst. Er liebt sie abgöttisch, die Frauen,und doch kommt er nicht dran. Das ist der Lauf des Lebens und nur er wird von diesem Pech verfolgt. Absolute Selbstfixiertheit, devotes Niederknien vor der Ungerechtigkeit der Welt. Naja, zumindest in „Everybody Learns From Disaster“ bezieht er auch mal irgendwen undefiniertes anderes mit ein. Und auch Schwiegermutter bekommt ihren Chris ganz schmusig. Spätestens bei „Belle of the Boulevard“ kann man ihn sich ganz wunderbar bei Carmen Nebel vorstellen. Was macht der da?!?! Sich für Bienenstich und Käffchen bedanken, auch wenn die Tochter eher nicht so dolle war? Zur Hölle mit dem Volksmusikquatsch! Da hat er aber mal ziemlich ins Klo gegriffen. Das reißt dann auch das Tempo in „I Know About You“ nicht mehr raus, auch wenn er meint wieder irgendwen undefiniertes zu verstehen. Da kann ich mal kurz lachen. Für 3 Minuten und 7 Sekunden. Das Ganze kommt aber wider Erwarten nicht mehr ganz so stimmgewaltig rüber, wie die Anfängergeschichten in denen sich Chris´ Carrabbas Stimme noch regelmäßig überschlug. Mittlerweile wirkt er eher gelangweilt, so als ob er meinen würde, die notwendige Inbrunst mit der Wortwahl seiner Texte rüber zu bringen. Weit gefehlt. Zum Rest will ich mich jetzt mal gar nicht weiter ins Detail übergeben: Es geht eh genau so weiter.

Wer sich dann noch die Deluxe Edition des neuen Albums leistet, wird auch herb enttäuscht. Ja, akustik ist das wohl, mehr aber dann doch nicht. Die Band einfach gestrichen und durch hier und da ein wenig Pianogeklimper und Gestreichere ersetzt. Doch nicht ganz so einfach wie früher, also ganz am Anfang oder so um „The Places you Have Come To Fear The Most“. Als Dashboard Confessional noch emotional war. Ja, DAMALS! Doch jetzt? Zuzüglich dem Schellenkranz, der wirklich in KEINEM der Songs fehlen darf, wirkt dieser Versuch, das Album noch mal auf „früher“ zu trimmen ziemlich billig und auf Dauer eher nervenzehrend. Dashboard Confessional haben ihre besten Zeiten definitiv gesehen. Hegte mensch bisher noch die leise Hoffnung, dass sie sich nach Ausrutschern wie der Interpretation von „Stolen“ mit Eva von Juli berappeln würde, wird man mit diesem Album eines Besseren belehrt.

Selim Özdogan schrieb einmal in einem seiner Romane: „Das Leben ist nicht ungerecht, nur zu mir ist es scheiße.“ Das könnte Chris Carrabba wohl ohne Zweifel so unterschreiben. Und er tut es mit dieser Scheibe.

CD 1

1. Get Me Right
2. Until Morning
3. Everybody Learns from Disaster
4. Belle of the Boulevard
5. I Know About You
6. Alter the Ending
7. Blame It on the Changes
8. Even Now
9. Motions
10. No News Is Bad News
11. Water and Bridges
12. Hell on the Throat

CD 2

1. Get Me Right [Acoustic]
2. Until Morning [Acoustic]
3. Everybody Learns from Disaster [Acoustic]
4. Belle of the Boulevard [Acoustic]
5. I Know About You [Acoustic]
6. Alter the Ending [Acoustic]
7. Blame It on the Changes [Acoustic]
8. Even Now [Acoustic]
9. Motions [Acoustic]
10. Now News Is Bad News [Acoustic]
11. Water and Bridges [Acoustic]
12. Hell on the Throat [Acoustic]

Alte Kommentare

von Timo 08.01.2010 09:09

nette review und leider ziemlich wahr.

von Heinzelmann 08.01.2010 10:46

:D :D :D geiles review!! nur eins stimmt nicht: das leben ist nicht ungerecht zu chris carrabba, er bekommt nur zurück was er gesäht hat, was er ja so haben will! fand die band schon immer unnötig, konnte denen noch nie was abgewinnen

von Raphael 08.01.2010 10:48

Ach, das eine Lied zu dieser Teeniesendung war doch nett. Und auch sonst gab es ab und an nette Songs. Der Spiderman Soundtrack Song ist überragend, finde ich. Aber ein ganzes Album würde mich da auch nicht mehr reizen

von beex 08.01.2010 19:52

nettes review "She showed him times gone by, he showed her how to cry They both thought Chris Carrabba was the world's cutest guy" der chris... :D

von loki 09.01.2010 14:04

definitiv nicht der hit, aber die bewertung ist schon ein wenig zu hart.

von Jansch 11.01.2010 17:47

Sehr gutes Review! You kade my day! ;)

von Arndt 22.01.2010 22:54

tja, was waren das noch für zeiten so vor 6, 7 jahren...als dashboard gerade auch hier auf der seite als der inbegriff von "emo" aufgefasst wurden. was wurden da nicht alles für unglaubliche konzerte in köln und woanders gespielt. emo pärchen lagen sich in den armen... irgendwie kommt es mir so vör als wäre dashboard mitlerweile, wie sagt man in den usa, sehr ähm "dated". die mode emo kids sind ja auch schon lange wieder woanders und tragen jetzt ihre bunten klamotten, hören lieber metal und breakdowns anstatt zu sanft gezupfter musik zu schmachten. schon alles sehr lustig wenn man sich das mal so vor augen führt.

von Arndt 22.01.2010 23:00

so, review jetzt auch mal gelesen und ich muss sagen, du schreibst wirklich sehr ansprechend :-) Ich versteh nur die sehr harte Bewertung im Zusammenhang mit deinem Text nicht so ganz. Zudem hab ich irgendwie mal wieder Lust mir nach 7 Jahren mal wieder ein DC Album anzuhören, warum auch nicht. Das Konzept, jeden Song nochmal akkkustisch darzubieten, gefällt mir jedenfalls. werd auf jeden fall mal reinhören

Autor

Bild Autor

Jule

Autoren Bio

wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

Suche

Social Media