Plattenkritik

Decapitated - Carnival Is Forever

Redaktions-Rating

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Release Date: 15.07.2011
Datum Review: 04.07.2011

Decapitated - Carnival Is Forever

 

Eigentlich ist die Rechnung doch völlig banal im Hause DECAPITATED: Sänger weg, Bassist weg, Drummer (und was für einer!) tot - was soll da noch kommen? Vor allem nach einem so monumentalen Album wie „Organic Hallucinosis“, von dessen Sorte man nur eines im Laufe seiner Karriere schreibt – wenn überhaupt?! Doch manchmal reicht es nicht, Eins plus Eins zusammen zu zählen. Denn: Was wäre, wenn man es doch irgendwie schaffen würde, einen so unersetzlichen Drummer wie Witold ‚Vitek‘ Kieltyka durch ein ebenwürdiges Pendant zu ersetzen? Was ist, wenn das auch mit dem Sänger und Bassisten gelingt? Und was ist, wenn man noch diesen völlig unterschätzten Waclaw ‚Vogg‘ Kieltyka bedenkt, der da im Hintergrund immer für großes sorgte? Dessen Stil zwar nicht sonderlich technisch ist, sich aber so anhört; dem es in erster Linie bei seinen Songs um Atmosphäre und Momente geht, die bei aller Brachialität tiefer gehen? Nein, so einfach ist die Rechnung nicht.

Legen wir die Karten doch einfach auf den Tisch: DECAPITATED haben ausgerechnet jetzt ihr bislang bestes Album abgeliefert – und das will nach dem nachhallenden letzten Album verdammt viel heißen! Und vielleicht sogar mehr als das, weit über den Radius ihres Banddaseins hinaus – vielleicht sogar viel mehr als das.

Das mag jetzt alles sehr subjektiv klingen, und mein Gott, dass ist es auch, wie soll es auch anders sein?! Doch was soll ich sagen: Auch Wochen nach dem ersten Hören bin ich immer noch fasziniert davon, was dieses Album mit mir macht. Lange ist es her dass mich ein Metal-Album auf eine derartige Weise gefesselt hat, und immer wieder schafft es dieses Album, mir aufs Neue diese Gänsehaut über meinen Körper zu zaubern.

Dabei wirkt doch alles zunächst so harmlos: „Gut“, dachte ich mir, „sie fackeln nicht lange, sie kommen direkt zur Sache – und wie!“. Das ist doch nach allem nicht das schlechteste. DECAPITATED, immer noch irgendwie vom Sound der letzten Platte geprägt, aber halt in erster Linie straight und brachial. Doch schon hier beeindruckt die Kälte des Sounds; ein Gefühl, wie es nur wenige Alben auf ihre unheimliche Art auslösen, beispielsweise die großartige „Solace“ von ION DISSONANCE. Und natürlich musste da nach und nach mehr kommen. Erstmal: sie hören nicht auf mit dieser kalten Aggressivität. Stur bolzen sich DECAPITATED weiter; mit Gitarrenriffs, die in ihrer erdrückenden Gleichmäßigkeit ähnlich wie MESHUGGAH zuletzt auf „Obzen“ eine fast schon klaustrophobische Stimmung schaffen. Dazu ein sich ähnlich verausgabender Sänger mit einer ähnlichen Kälte in der Stimme und einem Drumming, dass bei aller Technik in erster Linie die Stimmung des Songs unterstreicht und das Tempo anheizt.

Und zwischen diesem MESHUGGAH-esken Mix aus erschlagender Gewalt und erdrückender Monotonie (ohne sich aber dabei im Sound wirklich an MESHUGGAH anzunähern – auf „Carnival Is Forever“ gibt es natürlich wie gehabt weder Polyrhythmik noch 8-Saiter) kommt dann eben auch eine wirklich unter die Haut gehende Atmosphäre, die sich nicht nur durch ihre reine Aggressivität ergibt. Weit hallende Soli neben weiter galoppierenden instrumentalen Meisterleistungen, (halb-)akustische Zwischenspiele und Effekte wie im fast 9-minütigen Titeltrack, die schlichtweg unheimlich sind, ach und by the way: Wer wissen möchte, was so besonders an dieser Platte ist, soll eben diesen Titeltrack mal in voller Länge und mit voller Aufmerksamkeit hören. Nicht, dass in all diesen Minuten viel passieren würde (die entscheidenden Elemente sind in der Tat mit der Hand abzählbar). Doch ähnlich wie bei MESHUGGAH reichen hier schon wenige Akzente, um wirklich (wirklich!) unter die Haut zu gehen.

Ich gehe auf die Knie, verneige mich vor diesem Album und bedanke mich. Sollen die Leute anderer Meinung sein, sollen sie mich beschimpfen, aber für mich hat das Metal-Jahr 2011 mit „Carnival Is Forever“ ein Highlight vorgelegt, dass man eigentlich nicht mehr toppen kann. DECAPITATED – spätestens mit diesem Album die wohl unterschätzteste Death-Metal-Band der Welt, und ein schönes und ganz unkitschiges Beispiel dafür was im Leben noch so kommen kann, selbst wenn alles völlig aussichtslos erscheint.

Tracklist:

01. The Knife
02. United
03. Carnival Is Forever
04. Homo Sum
05. 404
06. A View From A Hole
07. Pest
08. Silence

Alte Kommentare

von alter 04.07.2011 13:43

Das is kein review, das is ne lobeshymne einer persönlichen meinung schon aus prinzip geb ich dem scheiss deshalb nur 1 "skull" lern objektiv zu schreiben

von Clement 04.07.2011 13:47

"lobeshymne einer persönlichen meinung" eben ein review - und ein gutes, weil zutreffendes!!

von fail 04.07.2011 14:17

seit wann hat death metal gefühl? gegrunze? eher nicht. fazit: gääähn! (unfair so n gutes review abzuliefern und die leute erst glauben zu lassen es könnte gute musik sein. ein hohn!! :'D)

von Olivier H. 04.07.2011 16:12

@alter: normalerweise bin ich auch für eine möglichst objektive schreibweise (sofern die in einem zwangsläufig subjektiven review möglich ist), in diesem fall hatten allerdings meine emotionen vorrang. oder anders ausgedrückt: ich kann über dieses album nicht schreiben ohne ins schwärmen zu geraten! und da ich auf das album schon seit wenn ich mich recht entsinne ende mai zugriff habe kann ich zu dieser lobeshymne sogar mit einigermaßen distanz stehen!

von faaail 04.07.2011 16:31

schon wieder nich zugehört? death metal kann keine emotionen hervorrufen. monotonie? und dann die abschlacht-texte? das kann man doch nich ernst meinen... mal im ernst jetz....... oÔ

von Gefühle 04.07.2011 17:34

...kann JEDE Form von Musik hervorrufen. Decapitated ist nicht mein Ding, aber die Behauptung Musikstil a oder x könne keine Emotionen hervorrufen oder überbringen ist Quatsch. Das ist absolut abhängig von der Person und nicht auf irgendeine Form von Musik oder Gesangsstil festgelegt. Und Reviews sind IMMER subjektiv. Eine objektive Analyse der Musik wollt ihr doch nicht ernsthaft lesen? "Der erste Song hat in der Strophe ein Tempo von 156 bpm, die Snare wird af 2 und 4 gespielt, der Grundakkord ist ein A#...." Werdet erwachsen.

von stimmt... 04.07.2011 18:02

clement, was fällt dir ein hier ein review zu posten, dass deine meinung über eine platte widerspiegelt? bist du denn total verrückt geworden, nachher glaubt dir hier noch einer?! es war, ist und bleibt immer so, dass kaum beachtete bands wie morbid angel, vader, corpse & co dem hörer keinerlei gefühle mit ihrer musik vermitteln konnten, weswegen sie ungeachtet in der versenkung verweilen, bis sie anfangen "hardcore"-elemente in ihren sound einzubeziehen, um endlich die lang ersehnte beachtung zu finden. ich finde es eigentlich auch viel sinnvoller, wenn bands über vergangene beziehungen, christentum, selbstmitleid, straight edge, wasted sein & co abgrunzen als irgendwelche geschichtlichen schlachten, satanismus oder andersartige themen etc. das macht einfach mehr sinn als dieses deathmetal-geballer hier. also clement, pass bitte beim nächten mal mehr auf, ein subjektives review ist ein unding, das macht man nicht. füge doch bitte stattdessen beim nächsten mal einfach ein paar zeilen aus dem promoschreiben in deinen von dir erstellten nichts aussagenden text ein, ok? viel glück!

von DystopiA 04.07.2011 18:05

Wenn gleich die ersten paar Kommentare sinnfreies Getrolle sind, dann hat man alles richtig gemacht.

von Mastei 04.07.2011 19:07

@stimmt Das Review ist von Oli und nicht von Clement, sry!

von also 04.07.2011 19:29

wenn das sinnfreies Getrolle ist, dann will ich nicht dein sinnvolles lesen! @DystopiA (Member) wo haben sie dich ausgegraben!?

von hermnaia 05.07.2011 08:22

es ist immer wieder unglaublich erstaunlich wie dumm manche leser hier sind^^ also wirklich oli!du kannst doch nich einfach schreiben, was du von dem album hälst!;)

von Wozu lesen wir nochmal Reviews? 05.07.2011 23:30

Achso stimmt. Wir wollen die subjektive Meinung eines Einzelnen hören und keine Aneinanderreihung musiktheoretischer Fachbegriffe um das zu beschreiben, was die Musik darstellen könnte. Wir wollen Emotionen und Gefühl oder eben eine klare Gegenposition um damit unser eigenes Interesse wecken zu lassen und sich eigenständig mit der jeweiligen Band auseinander zu setzen.

von fail 05.07.2011 23:34

naja bei death metal is aber nix mit emotionen du emo. hört mir denn keiner zu? x'D

von hermnaia 06.07.2011 13:54

@fail: aber wenn sich der gute olivier beim hören der neuen scheibe freut, dann IST das emotion! du depp

von twin 08.07.2011 18:53

für mich ist the negation das beste.

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Olivier H.

Autoren Bio

"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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