Plattenkritik

Declan De Barra - A Fire To Scare The Sun

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Release Date: 31.10.2008
Datum Review: 01.02.2009

Declan De Barra - A Fire To Scare The Sun

 

DECLAN DE BARRA - A Fire To Scare The SUn

Der Mann in der Natur, aus freien Stücken dezivilisiert. Er jagt und sammelt. Er trägt Lendenschurz, findet seltene Naturalien, versteckt diese in seinem Biwak und tauscht sie gelegentlich gegen praktische Gegenstände wie eine neue Speerspitze oder ein leichtes Leinenhemd. Ist er nicht grade damit beschäftigt, Wild zu zerlegen oder Feuer zu machen, greift er zur Laute. Mit zurückgeworfenen Kopf besingt er alles, was er auf dieser Welt bereits erlebt und gesehen hat.

In einer knappen halben Stunde DECLAN DE BARRA (Ex-Ex-Ire mit 22-jähriger Lebenserfahrung in Australien) empfielt es sich sehr, die Augen zu schließen. Auf diesem Weg stellen sich prachtvolle Bilder ein, die den bärtigen Ethno-Wuschelkopf in unterschiedlichster Tradition und an unterschiedlichsten Orten, doch stets mit der Gitarre auf dem Schoß zeigen. DE BARRA auf dem Amazonas auf einem Floß dahintreibend, DE BARRA auf einer stolzen Stute durch die Prärie trabend, DE BARRA auf einer riesengroßen grünen Wiese, mit gen Boden gerichteten Kopf auf der Suche nach dem einen vierblättrigen Kleeblatt. Oder er sitzt alleine auf einem schneebedeckten Berg. Wo einen die Natur hinführt...

Nicht umsonst klebt auf dem "eco friendly pvc bag", welches ein "ecologically produced ecopack" ummantelt eine Information, dass es sich hier wirklich um ein "ecologically made albumcover" handelt. Welches vor allem auch von dem Meister selbst entworfen wurde. Selbst ist der Mann. Und vor allem - das ist definitiv zu unterstreichen - dazu noch selbstlos! Weitere Untersuchungen am Ököschuber ergeben: Das Album, welches gerade in der Anlage läuft, befindet sich ein zweites Mal in der Papphülle. Quasi zum verschenken. Das ist wirklich mal freundlich!

Das Werk ist jedoch, entgegen aller Annahmen, die man formulieren könnte, kein reines Weltmusikalbum, welches einen ums Feuer tanzen lässt. In umgekehrter Richtung hat es auch nur eingeschränkt mit klassischem Rock, Pop, Folk oder Country zu tun. DECLAN DE BARRA bewegt sich auf der Schnittstelle zwischen wilder Vermengung unterschiedlichster Inspiration mit orchestralen Tendenzen und minimalistischer Singer/Songwriter-Intensität. Eine wirklich wunderschöne Stimme, die mal ein wenig zu überschwänglich, mal ein wenig zu rauchig wirkt, legt einen mysteriösen Schleier über die vertonte Umrundung der Erde.

Was jedoch dazu führt, dass der ganz große Emotionsausbruch beim Hörer nicht stattfindet, ist die eiskalte Distanz, die DE BARRA zum Weltgeschehen aufbaut. Und eine wärmende Nähe zu seinem Output gar nicht erst zulässt. Allein zeitlich gesehen, kann das gar nicht in vollem Umfang funktionieren: Knapp 25 MInuten mit Songs, die eben über die Zwei-MInuten-Marke gehen - Definitiv zu kurz. Da hilft es auch nicht, die zweite CD einzulegen und ein zweites Mal mit den selben Aborigines und Sioux zu tanzen.

Tracks:
1. Until The Morning Comes
2. Bightest Star
3. On And On
4. Diamonds
5. Johanna
6. Beautiful
7. Ghetto 101
8. 57 Years
9. Scraps To Feed Bones
10. Red Forests


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Ignaz

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