Plattenkritik

Deerhoof - Deerhoof Vs. Evil

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Release Date: 28.01.2011
Datum Review: 14.02.2011

Deerhoof - Deerhoof Vs. Evil

 

Es reicht nicht der Teufel oder einer seiner Schergen nein, Deerhoof begnügen sich nicht mit Handlanger. Für dieses Band, die zwischen Wohlklang und Wahnsinn oszilliert, muss es gleich das Böse mit all seinen Facetten sein. So klingt Deerhoof Vs. Evil auch streckenweise, wie die Glücksbärchis auf einem schlechten Trip.

Einfach war die Musik der Band noch nie. Kaputte Gitarren, die sich häufig mehr darum bemühen eben keinen harmonischen Ton von sich zu geben, kämpfen mit dem alles erschütterndem Nicht-Gesang von Satomi Matsuzaki, um die Aufmerksamkeit. Das erinnert im ersten, auf Katalanisch gesungenen, Song ´Qui Dorm, Només Somia´ zunächst an den abgedrehten Spass von Animal Collective, wobei diese eher von Deerhoof abgekupfert haben als andersherum. Nachfolgend wird aber direkt der Sonic Youthsche Noise angekratzt, während Satomi Matsuzaki zwischendurch naiv ´where’s this thing called love´ säuseln darf.

Nervenzerfetzende Störgeräusche werden mit rieselndem Puderzucker garniert und dann gibt es immer wieder einen kräftigen tritt mit einem stahlbekapptem Schuh gegen alles. Kein Ton ist sicher und muss ständig ambivalente Gefühle von Zuneigung und heiterer Zerstörungswut ertragen. Dass ´No One Asked To Dance´ dann fast schon eine sanfte südländische Ballade mit einer ratternden spanischen Gitarre ist, zeugt schon wieder von der konsequenten Inkonsequenz dieser Band. Auch ´Super Duper Rescue Heads! nimmt einen zunächst wohlwollend an die Hand, um dich zum Schluss dann doch hinterrücks niederzustechen. Ein erhöhter Puls begleitet den Hörer und lässt auch bei den wenigen scheinbar entspannteren Songs nicht nach. Die seltsam gar unheimliche Atmosphäre von ´Must Fight Current´ schafft es fast von körperlichem Unbehagen zu purem Fluchtreflex.

Dennoch sind da immer wieder dieses schönen autodidaktisch klingenden naiven Popmelodien, welche Deerhoof zwischen ihre avantgardistischen Anfälle streuen. Sei es bei dem Song ´Secret Mobilization´, der in einer anderen Dimension als Bluesrock durchgehen könnte, oder bei dem afrobeatigem ´Hey I Can´, irgendetwas bleibt immer angenehm in der Hörmuschel kleben. Zum Abschluss darf noch mit Synthieflächen an die Flaming Lips gedacht werden und man sitzt verwirrt, verstört vor seinen Boxen und weiß nicht mehr wo oben oder unten ist. Deerhoof Vs. Evil ist genau das was man von dieser Band erwarten durfte. Nicht zugänglicher, nicht komplexer als die Vorgänger, sondern wie üblich sich über Grenzen hinwegsetzende Musik, welche dem Hörer einiges abverlangt, aber ihn trotzdem immer wieder mit einer Möhre an der Angel ködert.

1. Qui Dorm, Només Somia
2. Behold A Marvel In The Darkness
3. The Merry Barracks
4. No One Asked To Dance
5. Let’s Dance The Jet
6. Super Duper Rescue Heads!
7. Must Fight Current
8. Secret Mobilization
9. Hey I Can
10. C’Moon
11. I Did Crimes For You
12. Almost Everyone, Almost Always

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Kilian

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