Plattenkritik

Des Ark - Don’t Rock The Boat, Sink The Fucker

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Release Date: 17.06.2011
Datum Review: 26.05.2011

Des Ark - Don’t Rock The Boat, Sink The Fucker

 

Das Titelmotto geht ja schon mal runter wie Öl. Entweder ganz oder gar nicht. Schön, dass Schimpfwortliebhaberin Aimée Argote und DES ARK sich dennoch an den schönsten, innerlich zerwühlten Weltverlorenheitsindie seit "Moon Pix" oder aber auch "You Are Free" anschmiegen – mit all seinen Brüchen, seiner Härte, seinen Abgründen, seinen Längen. Sehr konsequent auch, dass das Ganze in der Spielzeit einer durchschnittlichen Punk/Hardcore-Platte daher kommt.

Die Person, die da fein säuberlich zerstückelt und schmerbäuchig auf dem kalten Boden liegt, war im Leben (als Mann) ohnehin nichts wert gewesen. Aimée Argote zersägt ihre lyrischen Konstrukte gerne mal genüsslich und bleibt dennoch angreifbar und menschlich. Keine Indie-Amazone, nirgends. Vielleicht einfach nur ein paar schlechte Erfahrungen gemacht. Oder wie erklären sich Zeilen wie die folgende: „When I look at the body of a man what I see is a stockpiling of weaponry.” Solche Zeilen treffen garantiert immer den Richtigen. „I wanna die with a halo on my head for all my friends…“ Auf dass ein jeder dem Teufel ins Gesicht blickt/spuckt.

Seit Chan Marshall den Blues oder was auch immer für sich entdeckt hat, klafft da eine veritable Lücke im irgendwie weltentrückten, irgendwie ganz lebensnahen Indie-mit-Frauenstimme. DES ARK (also Aimée Argote) stemmen sich mit Verve dagegen und sind natürlich weitaus mehr als CAT POWER im partiellen Post-Rumpel-Hardcore-Gewand. Überhaupt kotzt Rasurverweigerin Argote ob der oben genannten Referenzen bestimmt im Dauerstrahl. What would the community think? DES ARK jedenfalls sind nicht auf ein einziges Genre abonniert. So steht lebensaffirmativer, erfahrungshungriger 90er-Jahre-Widerhakenindie mit großer Hook ('FTW Y'all!!!') neben weltvergessenen Tagebuchstücken wie 'Howard's Hour Of Shower'. So rückt Kurt Ballou in einem Song wie 'It's Only A Bargain If You Want It' die Drums in das rechte, saftige Licht und lässt Aimée Argote über ein (zumindest halbes) EXPLOSIONS IN THE SKY-Gerüst brillieren, während Jonathan Fuller den leisen Momenten mehr dunkle Strahlkraft verpasst. Die Sängerin klingt dabei immer so herrlich gelangweilt, so lasziv-unsexy und bedröhnt-unschuldig, dass hier erst gar nicht der Verdacht entsteht es irgendwem recht machen zu wollen.

Spannender jedoch sind die Granitabgründe, die DES ARK hier in gerade einmal etwas über dreißig Minuten ausleuchten. Hass, vordergründig Zuckersüßes, Kriegsvokabular, Todessaufen, Vögelgezwitscher, Nagellackentferner im durchschwitzten Tourvan. Alles muss mit, wenn man schon so fleißig und chronisch pleite über das Leben doziert. "Don’t Rock The Boat, Sink The Fucker" versammelt mindestens so viele (gleichgeschlechtliche) zerschossene Liebeslieder wie aufrichtige Hymnen auf den Hass. Klassisch-reduzierte folkige Songwriterkleinkunst (der Opemer) und Ausgreifendes. Das Schmutzige und das Heilige liegen hier sehr nah beieinander. Kaum verwunderlich also wie inflationär Aimée Argote Wörter wie „halo“ haucht und bestimmt genau das Gegenteil davon meint.

Tracklist:

01: My Saddle Is Waitin' (C'mon Jump On It)
02: Girls Get Ruff
03: Bonne Chance Asshole
04: Ashley's Song
05: FTW Y'all!!!
06: Howard's Hour Of Shower
07: It's Only A Bargain If You Want It
08: Two Hearts Are Better Than One

Autor

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René

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