Plattenkritik

Discharge - War Is Hell / Disensitise (Reissues)

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 01.07.2011
Datum Review: 02.07.2011

Discharge - War Is Hell / Disensitise (Reissues)

 

Ist die Welt nicht ein böser, ungerechter Ort? Nicht nur angesichts der für sich sprechenden, plakativen Artworks von DISCHARGE ist diese Erkenntnis naheliegend, sondern auch dafür, wo diese Band heute steht. Oder wer hat schon mitbekommen, dass einer der einflussreichsten Hardcore-Punk-Bands überhaupt vor drei Jahren ein neues Album rausgebracht hat? Während Metal-Sternchen wie James Hetfield oder Max Cavalera, die ihren DISCHARGE-Einfluss unter anderem mit Coverversionen ihrer Stücke einräumten es sich in Nightlinern gut gehen lassen, sind DISCHARGE irgendwo im Underground liegen gelassen und vergessen worden. Dabei weiß man gar nicht wo man auf der Liste der Einflussbereiche anfangen soll. DISCHARGE sind Namensgeber und Erfinder des dröhnend nach vorne preschenden D-Beat (mit all seinem überverzerrten Gitarren), und haben so zwangsläufig all diese Bands mit dem schicken „Dis-„ vor dem Namen wie beispielsweise DISFEAR maßgeblich geprägt, aber natürlich auch heute so populäre Hardcore-Bands wie TRAP THEM. Sie haben als einer der ersten Bands Hardcore mit Metal verbunden (noch Dekaden bevor man überhaupt über den Begriff „Metalcore“ nachgedacht hat), sie haben überhaupt als einer der ersten Bands Punk so gespielt wie wir ihn heute so oder so ähnlich als Hardcore verstehen. Und dann so auf der Strecke geblieben – woran kann das liegen? Immerhin hat die Band es trotz des damals für viele viel zu verschreckend rohen Sounds geschafft Chartplatzierungen mitzunehmen.

Zumindest hat das renommierte Metal-Label Candlelight Records sie nicht vergessen. Mit dem Reissue des letzten, 2008 erschienen Studioalbums „Disensitise“ und der Complication „War Is Hell“ erwartet einen so kleinere Möglichkeiten, diese seit respektablen 34 (!) Jahren bestehenden Band noch mal kennenzulernen. Geboten werden dabei beide Werke mit einigen Bonustracks und im Falle von „War Is Hell“ sogar einer ganzen Hand voll Liveaufnahmen älterer Stücke. Nostalgisch ist das vor allem, wenn einige der Nummern von der guten alten „Hear Nothing, See Nothing, Say Nothing“ stammen – nur halt eingesungen vom dem Original leider doch recht stark hinterher hinkenden Anthony Honey. Und da packt man diesen Klassiker von 1982 natürlich noch mal aus, nachdem man diese beiden Reissues gehört hat, ist begeistert vom schon damals verdammt gelungenen Sound und der Zeitlosigkeit der eigentlich völlig simplen D-Beat-Songs. Und da stellen sich mir zumindest folgende Fragen: 1. Wie kann es sein, dass der Sound eines Albums aus dem Jahre 1982 derselben Band besser ist als der eines Albums aus dem Jahre 2008?, und 2. Warum hör ich mir diese Reissues an, wenn jener Klassiker genau das bietet was diese Reissues auch bieten, nur eben in viel viel besser? Könnte es also vielleicht einfach sein, dass DISCHARGE so sehr in den Tiefen des Undergrounds verrottet sind, weil sie einfach in jeglicher Hinsicht ihren alten Tagen hinterher hinken, und sich dabei stilistisch in all den Jahren nicht mal zumindest ein bisschen weiter entwickelt haben? Andere Bands beweisen zwar das Gegenteil, doch im Falle DISCHARGE scheint keine andere Erklärung in Sichtweite. Daher bleibt mir nur eines dieser Standard-Fazits zu ziehen: DISCHARGE sind auf den zu besprechenden Platten alles andere als schlecht, bleiben aber im Schatten ihrer Vergangenheit. Die-Hard-Fans können aufgrund der Ähnlichkeiten im Sound schon noch zugreifen, während Neueinsteiger und Hardcore-Punk-Geschichtsinteressierte dieses Kennenlernen besser auf die alten Wunderwerke verlegen sollten. Nicht unbedingt das befriedigendste Fazit.

Tracklist War Is Hell:

1. War is Hell
2. State Violence State control
3. You Deserve Me
4. Never Again
5. The More I See
6. Hype Overload
7. Corpse of Decadence
8. M.A.D
9. You Take Part Creating The System
10. Nightmare Continues (Live)
11. Hell On earth (Live)
12. Realities of War (Live)
13. Doomsday (Live)
14. Beginning of The End (Bonus)
15. Blood of The Innocent (Bonus)
16. They Lie you Die (Bonus)

Tracklist Disensitise:
1. Blood of the Innocent
2. CCTV
3. What Method What Madness
4. They Lie You Die
5. Becomes Again and Again
6. Spoils of War
7. Persuasion = Power
8. Web of Disadvantage
9. Ignorance Is Your Surrender
10. Kept in the Dark
11. You Have the Gun
12. Will Deceive You
13. Beginning of the End
14. No Return
15. Legacy You Left Behind (bonus track)
16. Propaganda Feeds (bonus track)

Alte Kommentare

von void 02.07.2011 21:56

protest and survive!

von Wolle 03.07.2011 14:50

44 Jahre? Wohl eher 34.

von Olivier H. 03.07.2011 15:02

oh verdammt, gut dass du mich darauf hinweist, hab das sofort editiert. du hast natürlich recht!

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Olivier H.

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"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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