Plattenkritik

Down - Down IV Part II

Redaktions-Rating

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Release Date: 09.05.2014
Datum Review: 01.06.2014

Down - Down IV Part II

 

ACHTUNG – Langes und extrem dezidiertes Review !!!

DOWN – das beschreibt ziemlich gut meinen derzeitigen Gemütszustand, ausgelöst durch die neue EP des Louisiana Fünfers. Ich kann die Begeisterung einiger KollegInnen im Netz und Printbereich bezüglich „Down IV – Part II“ nicht nachvollziehen. Die Lorbeeren, die Band sei in Bestform, sehe ich etwas vorschnell verteilt. Vielleicht sollte man doch eine 'kurze' Rückschau halten:

Das Debut „NOLA“ hatte neben mächtigen Riff-Ungetümen immer noch satte Anleihen aus Blues und 70s Rock. Die Gesangsmelodien immer noch genügend Platz neben wütenden Screams. Es fehlte der Platte auch nicht an authentischem Underground-D.I.Y.-Sound (wenn auch der Bass etwas arg leise gemischt wurde). Gute Songs, die Lust auf mehr machten.
Bei „Down II – A Bustle in Your Hedgerow“ war dann schlichtweg alles mehr und tiptop. Hier konnte man die Südstaaten und ihre Sumpflandschaften quasi schmecken. Mit Abstand das beste Album der Herren aus New Orleans. Auf den ersten beiden Alben fast ausschließlich Hits.
Mit „Down III – Over the Under“ kam dann der lang erwartete Nachfolger. Trotz bombastischer Produktion und einigen Überfliegern, war diese Platte zwar nicht ganz so stark wie seine Vorgänger, doch musste sie sich nicht hinter ihnen verstecken.
Man brachte dann „Diary of a Mad Band“ raus, was die Band auf ihrer 2006 absolvierten Europatour zeigte. Wenn auch hier schon die stimmliche Akrobatik eher schwächeres Bodenturnen war, ist sie einfach ein Muss und bis 2009 konnte ich selber angenehme Live-Erfahrungen sammeln.
Als dann 2012 „Down IV Part I - The Purple EP“ herauskam und nicht sofort gefiel, gab es nach mehreren Anläufen dennoch Pluspunkte zu verzeichnen: Der dicke Bass Sound beispielsweise, der ein bisschen darüber hinwegtröstete, dass (neben Phil) einer meiner größten musikalischen Einflüssen die Band gegangen wurde – Rex Brown (Bass, ex-PANTERA/ex-DOWN/KILL DEVIL HILL). Bruder machte aber einen guten Job. Sein CROWBAR Einfluss hat der Band nicht geschadet. Doch fehlte es irgendwie an Leidenschaft und innovativen Ideen. Im Vergleich zu „Down II“ war diese EP eher ein Schritt zurück. Dazu kam der immer dünner werdende Gesang Anselmos. Man darf nicht vergessen, dass Phil weltweit unzählige Sänger (über Generationen hinweg) beeinflusst hat. Als Frontmann ist er eine lebende Legende, die nichts umhauen konnte und die alle Widrigkeiten des Rockstar Daseins überlebte (bleibt die Frage, ob er seinen eigenen Schatten überlebt). Die Songs auf der „Purple EP“ waren irgendwie steril und metallisch. War aber OK, wenn auch nicht überragend.
Seit längerer Zeit findet man im Netz desaströse Live-Umsetzungen einiger PANTERA Songs von Phil. Diese Performances erzeugen ein so hohes Maß an Fremdscham, dass man sich fragt, ob er sich bewusst ist, dass er hier sein eigenes musikalisches Erbe beschmutzt (so sehr ich mir eine Reunion auch gewünscht hätte). Es herrschte also eine gewisse Grundskepsis gegenüber „Down IV Part II“. Hinzu kommt Kirks Abgang (Gitarre) und das in meinen Augen etwas fadenscheinige EP Konzept.

„Down IV Part II“ hat mich nach mehreren Hördurchgängen einfach nur enttäuscht!
Die BLACK SABBATH Anleihen par excellence und ein all umfassendes Konzept der Düsternis jagen mir nicht wirklich wohlige Grusel-Schauer über den Rücken. „Part II“ wirkt nicht wie ein Spukhaus auf 'Haunted Hill', sondern eher wie eine schrammelige Geisterbahn aus ROB ZOMBIE´s „House of 1000 Corpses“ (und 'Captain Spaulding' hätte bestimmt ähnlich gut gesungen).

Mit den Screams auf 'Steeple' läutet man einen (aus meiner Sicht) musikalischen Tiefpunkt ein.
'We Knew Him Well' startet mit einem Riffing das zwar ordentlich drückt, sich aber auch auf einer B-Seite der vorangegangenen Scheiben hätte befinden können.
Songs wie 'Hogshead/Dogshead' sind solide, doch sind die Riffs einfach wenig innovativ und die Soli wirken etwas uninspiriert (Stilmittel hin oder her). Der Gesang ist dafür „fast“ ertragbar. Aber man hört, dass Phil einfach die Power vergangener Zeiten fehlt, was aus Sicht eines Gesangsdozenten schlichtweg auf Raubbau zurück zu führen ist, sowie mangelnder Fürsorge des Eigenkapitals. Was ich an dem Song mag, sind die versteckten Anleihen an PANTERA´s „Reinventing The Steel“ (hier: 'Hellbound').
'Conjure' ist mit Abstand der Stärkste der neuen Songs. Er klingt wie eine gelungene Hommage an BLACK SABBATH. Ironischerweise (denn ich stehe nicht sonderlich auf Ozzys Gesang) gefallen mir Anselmos Vocals hier von allen Songs am besten. Stilistisch ist man in einem tiefen Morast aus Doom, Sludge und Psychedelic Rock angekommen. Doch auch als DOWN Fan muss ich kritisch anmerken: DOWN klangen immer nach DOWN. Das ist ihr Trademark - wieso muss man (wenn auch gelungen) nach BS klingen? Warum die Kopie, wenn das Original doch am Ende besser ist? Nach ca. 4 Minuten gewinnt der Song dann an Fahrt, bevor er die Geschwindigkeit wieder drosselt und Lust auf Whiskey aus einem dreckigen Glas macht.
'Sufferer´s Years' ist mein Favorit. Das Riff klingt nach den guten alten „NOLA“ Zeiten; auch gesanglich kann ich den tadelnden Zeigefinger senken und im Takt auf den Tisch klopfen lassen.
Bei diesem Song jedoch wird die Abwesenheit Kirks für mich doch hörbar. Landgraf ist einfach nicht Windstein. Punkt. Obwohl er kein offensichtlicher Hit ist, hat 'Sufferer´s Years' das Potential zu einem Live-Kracher zu werden.
Der letzte Song 'Bacchanalia' erinnert dann ein bisschen an eine härtere Version von 'Where I Am Going' und ist der Machart der Songs auf „Nola“ sehr ähnlich. Doch die Disharmonien und irgendwie an Folklore erinnernden Gitarren-Harmonien beginnen ab der Hälfte zu nerven. Bei knapp 9 Minuten Spielzeit erwarte ich etwas mehr Abwechslung, Doom hin oder her. Das kommt dann dezent ab 7:14, wenn es in einen akustischen Abspann geht (erinnert an 'Jail'), dessen Anmut Phil mit seinen sich überlagernden Gesangslinien einfach zunichte macht. Soll das sphärisch klingen? Nee, das tut einfach nur weh. Da war die Grundidee auf dem Debut der Band (DOWNs 'Planet Caravan' sozusagen) einfach besser.

Der von Anselmo mit gemischte Gesamtsound der Platte will mir nicht so recht gefallen (auch wenn ich ein gewisses 70s Flair mag). Obwohl er die düsteren Klänge in ein passendes, klangliches Gewand kleidet, ist er mir zu 'matschig'. Passend zwar zum harschen Sludge Sound der Band, doch waren „Down II“ und „IV Part I“ klanglich eher meins.

Bei der Bewertungsfrage streiten sich im Hinterkopf der Musikliebhaber, der Rezensent der stets neutral und unabhängig von Major Label oder Bandnamen bewerten (möchte) und der Musiker der zu einigen der hier agierenden Heroen mit nostalgisch verklärtem Blick aufschaut. Ich finde das „DOWN IV – PART II“ die schlechteste Platte von DOWN ist. Unzugänglich, uninspiriert, lieblos, scheppernd mit gutem B-Seiten Material und eher schlechterem Gesang eines einst vokalen Wunders.
Dennoch: Wo DOWN drauf steht ist auch DOWN drin. Oder eben auch nicht, je nachdem was man erwartet und das wiederum spricht für die Herangehensweise der Band an Songs und Alben. Es ist der Mittelfinger an alle, die etwas bestimmtes erwarten. An einigen Stellen in den Songs hat man dann aber auch das Gefühl, dass sie wie ein versöhnender Handschlag gemeint sind, um die Wogen zu glätten. Im Grunde ist dieses Unangepasste ja auch das, was das Louisiana Quintett um Captain Anselmo ausmacht. Aber manchmal ist dieses Anti-Verhalten einfach nur anstrengend (für die Ohren).

Fazit (eines sehr langen Reviews):
Ich bin und bleibe Fan. Von Anselmo (wie die letzten 24 Jahre auch) und auch von DOWN. Diese Band und ihr Sänger sind mit dieser negativen Glanzleistung immer noch besser, als manch andere Band da draußen. Ehre, wem Ehre gebührt! Aber ich verschenke hier auch keine Punkte. Diese Platte ist für mich nur Mittelmaß, gemessen an früheren Werken.
Ich warte gerne nochmal ein paar Jahre, wenn dafür wieder eine Platte kommt, die weniger Hardcore und wieder mehr Blues hat. Wieder mehr 'sterbende Huren im Gefängnis' hat, die 'keine Gegenleistung' erwarten, wenn sie 'Krähen mit Steinen bewerfen'. Denn das war das, was DOWN so interessant machte. Screams müssen sein, aber eben auch geile Melodien, ein satter Bass mit viel Blues Pentatonik, Steel-Gitarren die sich eine Fehde mit unfassbarem Down-Tuning liefern und mit kongenialen Soli aufwarten. Bowers Drumming ist wie immer eine Festung.
Vielleicht dann eben beim nächsten Mal, wenn die Herren die 50 geknackt haben.


Tracklist:
1. Steeple
2. We Knew Him Well
3. Hogshead/Dogshead
4. Conjure
5. Sufferer's Years
6. Bacchanalia

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Linc

Autoren Bio

Singer-Songwriter bei "Linc Van Johnson & The Dusters" (Folk´n´Roll) Singer @ Supercharger (DK) Part of the ALLSCHOOLS family since 2006.

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