Plattenkritik

Dr. Dog - Be The Void

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Release Date: 06.02.2012
Datum Review: 06.02.2012

Dr. Dog - Be The Void

 

Scott McMicken und sein Kollektiv aus Pennsylvania haben ein Problem. Allerdings eines jener Sorte, welches ihnen lediglich positiv zu schaffen macht: Sie wissen nicht, wo sie hingehören. Sie wissen nicht mal, wo sie hingehören wollen. Zwar schwingt die bunte Band auf Album Nummer sechs das klanglich glättende Bügeleisen, aber mit Lücken füllen oder den markanten Dunstfilm von der Scheibe wischen kann der Nachfolger von „Shame Shame“ nicht behilflich sein.


Dieses Problem bringt DR. DOG dazu, sich musikalisch umtriebig und kreativ zu verausgaben, sei es im legeren Opener „Lonesome“, der psychedelisch zerrend trotzdem eine Kerze anzündet und somit wärmend und flächig an die Oberfläche dringt. Oder im groovenden „How Long Must I Wait“, was wie so viele Beiträge von „Be The Void“ auf den tadellosen Harmoniegesang zwischen McMicken und (u.a.) Basser Toby Leaman setzt, ohne die stets präsenten Musiker mit Sounds zwischen Sonnenuntergang und Lo-Fi-Loch zu vernachlässigen.
Beträchtliche Jahre im Geschäft, kennt das Sextett mit Neuzugang Dmitri Manos (der zugleich Gitarre, Elektronisches und Percussion übernimmt) im Gegensatz zum Ziel zumindest den Weg dorthin: „The Trick“ bleicht mit vampireskem Piano und butterzarten Hintergrundchören alle Rotweinflecken aus dem Betttuch, „That Old Black Hole“ erinnert zugleich an den ersten Frühlingstag als auch an einen verregneten letzten Urlaubstag im Foyer des zweitklassigen Hotels.

DR. DOG flennen sich nicht halbherzig und verschlafen durch die siebenundvierzigminütige, mal folkig – dann doch lieber blueslastige Aura, die höchstens mit „Get Away“ mal zurücklehnt oder mit „Over Here, Over There“ auffällig vorausprescht. Genuss und Detailarbeit stehen noch vor Alltagsgütern wie Arrangement und Grundstruktur auf der Einkaufsliste der Genre sprengenden Ostküstler. Ist der Hörer dann schneller als erwartet im Zeugenstand angekommen, der die stählern trockene Gitarre in „Turning The Century“ unter strengen Blicken aus dem Rahmen von „Be The Void“ entlässt, wird langsam bewusst, wie positiv sich bestimmte Sorten von Problemen auswirken können. Wenn sie es - wie im Falle von DR. DOG - eben können.


Trackliste:

01. Lonesome
02. That Old Black Hole
03. These Days
04. How Long Must I Wait
05. Get Away
06. Do The Trick
07. Vampire
08. Heavy Light
09. Big Girl
10. Over Here, Over There
11. Warrior Man
12. Turning The Century

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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