Plattenkritik

Elway - Leavetaking

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Release Date: 02.07.2013
Datum Review: 08.07.2013

Elway - Leavetaking

 

ELWAY sind und sind nicht „your typical punk band“. ELWAY bügeln ihre Taschentücher, wischen die Fusseln vom abgetragenen Jackett und nehmen frisch geduscht ihren Hut, erzählt man sich. So hat es „Leavetaking“ und somit ihr eigener Schweiß ihnen beigebracht. Tony Sly wäre als einer der offiziellen Schirmherren ganz sicher stolz auf die Band um den sympathischen Tim Browne an Gesang, Gitarre und Herrengedeck.

„Leavetaking“ – so scheint es zunächst – konzentriert sich auf die weniger einsehbaren Aspekte im Leben. Keine versoffenen Nächte in Kellerräumen und Tage im stinkenden Tourvan mehr? Ganz sicher sogar - allerdings mit anderen Folgegedanken. Schon „The Great Divorce“ eröffnet verschüchtert und gediegen, bevor die Band aus Fort Collins zum erprobten Melodycore-Schachbrett hinüber schreitet. Das hieß früher mal 10-4 ELEANOR und hörte auf andere Zeichen der Zeit. Heute bieten ELWAY Großspurkino für Kehle und Seele gleichermaßen: Vom akustischen „Montreal“ mit zwischenmenschlichem Geständnis bis zum vertieften Trinkspielbeschleuniger „Prophetstown“ wären es im echten Leben mehrere Meilen – auf „Leavetaking“ reicht eine Viertelstunde für die Strecke aus. Nicht die einzige Reise der Facetten, die das Quartett auf dem Nachfolger zu „Delusions“ erfolgreich antritt.

„One Flew East“ schwimmt auf lauten Skatepunkmomenten und triumphiert mit klitschnassem Refrain, bevor sein Titel-Pendant „One Flew West“ nachdenklich in und um die Lektüren der Kollegen von THE LAWRENCE ARMS herum grübelt. Browne(s Stimme) spielt beinahe stetig den Aufmerksamkeitsmagneten, während ELWAY generell auch ihr neustes Release mit Wasser bekochen. „Someday, Sea Wolf“ fließt den Rachen in Richtung Gainesville herunter und wie es dann am nächsten Morgen weitergehen soll weiß höchstens „Ariel“. Dafür aber bestimmt und vielleicht sogar für immer. Erst wenn ELWAY nicht mehr weiter wissen, zollen sie offiziell und grinsend Tribut – im Falle von „Leavetaking“ mit der NO USE FOR A NAME-Anekdote „Patria Mia“ – nicht umsonst auch „Room 20“ benannt. Der finale Track jedoch muss nicht verstecken, wen oder was die Band aus Colorado unter schützender Hand zu behüten versucht.
Die zwölf Songs atmen eine lebendige, weil nicht im Übermaß sterilisierte Poppunk-Luft die nach Jugend und Feuer klingt - sich aber nicht mit dem trockenen Prüf-Label „Punkrock“ übernimmt. „There Is A Line“ ist ein weiterer waschechter Beweis für eine Höchstnote im Abgang - die sogar die „übermännliche“ Rückenbehaarung Browne´s in den Schatten stellt. Tipp: Lieber zu früh auf gepackten Koffern warten – „Leavetaking“ besorgt den Rest.

Trackliste:

01. The Great Divorce
02. Salton Sea
03. Prophetstown
04. One Flew East
05. One Flew West
06. Someday, Sea Wolf
07. Christopher
08. Banned From Gun World
09. Montreal
10. Ariel
11. There Is A Line
12. Patria Mia (Room 20)

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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