Plattenkritik

Erode - Horizon

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Release Date: 19.07.2011
Datum Review: 15.07.2011

Erode - Horizon

 

Wie unvoreingenommen kann man überhaupt an eine Elektro-Platte wie „Horizon“ gehen, wenn man weiß dass deren Mann dahinter normalerweise bei einer guten, aber eben einer Band wie HEAVEN SHALL BURN tätig ist? Vor allem wenn man bedenkt, wie wenig diese reguläre Band seit Anbeginn ihrer Karriere nach links und rechts geschaut hat, wie straight sie ihren Stil über ihre ganze Diskographie durchgezogen hat? Eskapismus aus einem zu eingeschränkten stilistischen Spielraum – aber können da überhaupt die Einflüsse stimmen? Zumindest erwartet man das nicht von jemanden wie Alexander Dietz, für den ERODE in letzter Zeit seine ganz eigene Spielwiese geworden ist. Doch dem kann das ja eigentlich egal sein, der will nur sein Ding durchziehen und einen Ausgleich haben. Was weiß man schon auch über diesen Herren und seine Einflüsse, der neben seiner Tätigkeit als HSB-Gitarrist bloß noch als Produzent einigermaßen Bekanntschaft erlangt hat?

Naheliegend wäre jedenfalls, dass sich Alben wie die „Selected Ambient Works“ von APHEX TWIN nicht bloß irgendwo, sondern immer gerade in Griffnähe in seinem Plattenregal befinden. Gerade ab der Mitte setzt Dietz hier nämlich vordergründig auf sphärische Sounds mit traumartiger Atmosphäre. Lauter wird es dabei zwar auch, beispielsweise im drückenden „Detect“ oder „Annoy“, bei dem Dietz sogar leichte Abstecher gen Drum & Bass macht. Grundsätzlich bleiben aber schwebende Sounds der Teppich der Beats. Und egal welche Formen die Soundschnipsel auf diesem Fundament annehmen, so bleibt die Atmosphäre doch immer idyllisch und versunken, und keineswegs düster, wie man das vorab hier und da in der Presse lesen musste, und es vielleicht auch von jemanden mit so einem Background als allererstes erwarten würde.

Erstaunlicherweise klingt das Ganze dabei richtig gut, wenngleich ERODE in einigen Momenten seinen Vorbildern doch einen Schritt zu nahe rückt. Einziges wirkliches No-Go der Platte ist allerdings der Rausschmeißer „Brutal Romance“, für den man sich die beiden DEADLOCK-Sänger (sprich: Schreihals und weibliche Gesangsstime) ins Boot geholt hat. Zwar hat der Song durchaus seinen Groove, doch wirkt der Mix aus pulsierenden Beats und Schreistimme doch schon einen ganzen Ticken zu nah an der Trash- und Fremdscham-Grenze. Grundsätzlich ist „Horizon“ aber bei weitem besser als das, was man von jemanden – ohne ihn dabei auf die Füße treten zu wollen - wie Alexander Dietz erwartet hätte. Zwar hat die Geschichte gezeigt, dass auch Metaler gute elektronische Musik machen können, wie beispielsweise Garm über das letzte Jahrzehnt eindrucksvoll bewiesen hat. Andererseits waren und sind das ja auch ULVER, und nicht HEAVEN SHALL BURN.

Tracklist:

1. 10950
2. Detect
3. Approach
4. Horizon
5. Overcome
6. Wither
7. -
8. Annoy
9. Disengage
10. Horizon (Erode remix by Kadrage)
11. Brutal Romance (with Deadlock)

Autor

Bild Autor

Olivier H.

Autoren Bio

"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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