Plattenkritik

Everlast - Songs Of The Ungrateful Living

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Release Date: 24.02.2011
Datum Review: 21.02.2012

Everlast - Songs Of The Ungrateful Living

 

2007 die PLAIN WHITE T´S, HOOBASTANK bereits 2004 , JUPITER JONES in 2011? Die Liste der (teils gar ernstzunehmenden) Bands/Künstler, deren Repertoire das Formatradio auf ein oder zwei „Hitsingles“ runterkürzt, ist lang, manchmal traurig und mittlerweile oft einfach nervenraubend. Hut ab, wer da am Ball bleibt, nicht das Handtuch wirft und sich auf musikalische und bodenständige Belange konzentriert. Oder hatten MR.BIG etwa mehr als einen „Hit“?

Erik Francis Schrody hingegen musste sich nie auf seinen damaligen Airwaves-Überschlag berufen - viel zu viel hatte er mit seiner Hauptschlagader HOUSE OF PAIN geleistet, bewegt und beeinflusst. „Songs Of The Ungrateful Living“, sein bereits sechstes Album zeigt qualitativ und seriös, wie vielseitig verankert und rootslastig der 42-jährige Wahlkalifornier gestrickt ist. Versucht sich „Long At All“ mit souligem Balladenchor, Pedalsteel und gediegener Akustikgitarre, ist es beim protzigen „Moneymaker“ die gleiche raue und füllige Stimme EVERLAST´s, die hier aus Blues, Folk und Hip Hop über Soul bis zum Rock ein einziges Paar Schuhe macht. „Gone For Good“ kann genauso schunkelnd und laid-back mitreißen, wie das ernsthaftere „Long Time“, ohne stetig in Referenz zum damaligen Durchbruch „What It´s Like“ zu stehen. Wo bei „Get By“ der dumpfe Beat das ländliche Parkett für die nagelneuen weißen Nikes putzt, reitet Schrody mit „The Crown“ fast Cowboy-gleich zwischen Slidegitarren und Sattelstaub über den Dancefloor. EVERLAST´s Version des undankbaren Lebens besteht glücklicherweise nicht nur aus Goldkettchen und Turntable, auch aus dem Leben gegriffene Balladen („Some Of Us Pray“) oder ein dreckig gezupftes Banjo („Little Miss America“) muss respektvoll behandelt und eingetütet werden.


Passt das fünfzehn (+ Bonus) Song starke Album auch nicht an allen Stellen in den prallen Einkaufsbeutel des Grammygewinners („My House“, „The Rain“), bauen sich die offensichtliche Liebe zur Musik und das textliche Rundumpaket doch ein mehr als windschiefes Notdomizil. Fröhlich, oberflächlich oder unpersönlich war EVERLAST´s Soloausflug nie, so passt auch das abschließende „A Change Is Gonna Come“ (SAM COOKE) perfekt auf „Songs Of The Ungrateful Living“ und fügt sich dem entspannten und trotzdem gehaltvollen Songwriting und der Feder, die das zerbrochene Amerika, den Irakkrieg oder die persönlichen Herausforderungen aus dem Alltag Schrody´s aufs Papier bringen. Um so wichtiger und deutlicher zu sehen, dass Musik nicht nur Dollarscheine und fabrikneue SUV´s für „harte Rapper“ bedeuten muss, sondern in erster Linie Leidenschaft und Hingabe – wie an diesem Fallbeispiel von EVERLAST vorbildlich inszeniert.

Trackliste:

01. Long At All
02. Gone For Good
03. I Get By
04. Little Miss America
05. My House
06. Long Time
07. Friday the 13th
08. Crown
09. Sixty-Five Roses
10. Moneymaker
11. Rain
12. Some Of Us Pray
13. I'll Be There For You
14. Even God Don't Know
15. Change Is Gonna Come
16. Everyone Respects The Gun (Bonus)
17. Final Trumpet (Bonus)
18. Black Coffee (Live Acoustic) (Bonus)

Autor

Bild Autor

Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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