Plattenkritik

FLASHER - s/t

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Info

Release Date: 20.10.2016
Datum Review: 11.12.2016
Format: CD

Tracklist

 

01. Tense
02. All Over
03. Erase Myself
04. Throw It Away
05. Make Out
06. Love Me
07. Destroy

Band Mitglieder

 

Taylor Mulitz
Daniel Saperstein
Emma Baker

 

Bereits nach wenigen Sekunden vergisst man, dass es sich bei dieser EP um ein erst kürzlich veröffentlichtes Erstlingswerk einer jungen Band aus D.C. handelt. FLASHER scheinen wie aus dem Schoß eines Manchesters der späten Siebziger Jahre geschlüpft zu sein. Eine Liebeserklärung in sieben Tracks.

Das Debüt von Taylor Mulitz, Daniel Saperstein und Emma Baker ist Post-Punk in Reinform – derart konserviert, dass man meinen könnte, die Band wolle sich vehement gegen jegliche neumodischen Fremdkörper wehren um die Unsterblichkeit einer Ära nicht anzutasten. Deutlich zeigen sich die Einflüsse stilbildender Bands an verschiedenen Stellen der Platte bis hin zur identitären Verschmelzung. War das gerade Mark E. Smith in „Erase Myself“, der davon singt sich selbst zu erlösen?

Elementar sind die düster-knarzenden Riffs, die teils sanfte Stimmen überdecken. Unharmonischer, sägender Noise ("All Over") zeugt von Experimentierlust und erinnert doch an die Indie-Veteranen von den PIXIES. FLASHER pirschen sich an und werden sogleich aggressiv - ihre Gitarre lassen sie krächzen und summen. Diese Spielart ist der Soundtrack für Selbsthass und unerwiderte Liebe („Love Me“).

Der erste Song der Platte, das stark New-Wave-gefärbte „Tense“, baut hierfür seinem Titel entsprechend Anspannung auf. Dessen schwerwiegende Basstrunkenheit wird schließlich aufgehoben durch Synthesizer, die einen aus der Monotonie wieder emporheben. Zugleich wird der tiefe Sprechgesang von helleren, femininen Vocals umspielt. JOY DVISION - pardon, ich meine natürlich FLASHER - sollten ruhig häufiger Frauenstimmen einsetzen.

Wer doch noch einmal sichergehen möchte, dass nicht versehentlich eine alte Platte aufgelegt wurde, der erblickt im Video zu „Destroy“ drei hippe Großstadtmenschen aus diesem Jahrhundert, die bereits bei den Bands PRIESTS, BLESS, TROUBLE und BIG HUSH aktiv sind. Tatsächlich wirkt der Song gesellschaftstauglich mit seiner sanft-poppigen Mehrstimmigkeit, weswegen er wohl den miefigen Übungsraum mit den zugezogenen Jalousien verlassen durfte. 

Nein, FLASHER enttäuschen nicht. Immerhin bedienen sie sich eines erprobten Sounds, was ihnen auch genauso gut zum Verhängnis hätte werden können. Zu großartig ist jedoch diese Hommage an die Siebziger und Achtziger, die das sogenannte Post-Punk-Revival der 2000er erblassen lässt. Hiermit wurde tatsächlich etwas wieder zum Leben erweckt. 

 

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Sandra

Autoren Bio

Wahlnordlicht, Pott by nature. Nimmt den Hamsterkauf-Aufruf der Regierung ernst und hortet bereits die ersten Wagenladungen Schokolade und Koffein.

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