Plattenkritik

Fidlar - Fidlar

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Release Date: 01.02.2013
Datum Review: 11.02.2013

Fidlar - Fidlar

 

Die Chancen, sich an einem glücklichen Abend mit vollen Taschen und einem breiten Grinsen im Gesicht vom Roulettetisch zu entfernen stehen vielleicht „nicht schlecht“. Die Chancen, an einem beliebigen Tag im Großraum L.A. auf einen nüchternen und gewissenhaften Zac Carper zu stoßen stehen schon deutlich schlechter. Der Ansatz zum „kreativen“ Arbeiten im Moloch der Engel verlangt eben nach Konsum. Also Kanne auf und durch.

Der erste Eindruck des zierlichen Frontmanns täuscht – auf rauen Mengen Billigbier wird dieser von null auf hundert zum keifenden Tier. Dazu sägen die Gitarren an der Pegelgrenze, dass der Kater bereits zum Greifen nahe scheint. Fuck it, dog, das Leben ist kein Ponyhof! Wer auch „Stoked And Broke“ überlebt und sich dem dreckigen Surfpunkwahnsinn von FIDLAR ergeben hat, lächelt entweder bloß benebelt oder kloppt Zeilen wie „I Just Wanna Get Really High/Smoke Weed Until I Die“ mit, ohne diesen drohenden Stumpfsinn einzuräumen.
„Fidlar“ - aha. Die Platte, die ohne Alkohol-, Gras- und Pillenkonsum nicht möglich gewesen wäre? Behaupten tun das viele - Carper, die Brüder Max und Elvis Kuehn sowie Basser Brandon Schwartzel jedoch belegen das: „No Waves“ berauscht und rast, „Black Out Stout“ scheint die perfekte Blaupause der späten 60er Jahre. Die Kalifornier schmettern mal vorlaut und rücksichtslos betankt („Wake Bake Skate“), mal hämisch garagig - und trotzdem rücksichtslos betankt („Whore“).
Die vierzehn Songs in fünfunddreißig Minuten nehmen sich nebenher Zeit für Kamikaze-Soli und belastende Psychedelic-Momente – letztlich passen diese perfekt zum zugedrogten FIDLAR´schen Noisepunk der seine Wellen irgendwo zwischen BLACK FLAG und WAVVES schlägt. Wer diesen Typen die Hand schütteln möchte und zwei Minuten Zeit mitbringt, findet mit „Cheap Beer“ so schnell neue Freunde, wie die Suppe beim Dosenstechen die Kehle runterschießt: „I Drink Cheap Beer / So What, Fuck You!“. Wem bloß siebzig Sekunden bleiben, der nutzt lieber „Five To Nine“: Im Stau auf die Rückbank kotzen, keinen Job haben, Pillen schmeißen – aber hinten raus dann Trashrock par excellence. Wenn so das Ergebnis von Dauersuff, DIY und nachmittäglichen HipHop-Seitenprojekten klingt – her mit dem neuen Lifestyle. FIDLAR steht er gut und mit der Zeit noch besser – selbst wenn „LDA“ nebenbei den Spirit der BEACH BOYS durch die Pfütze zu schleifen droht.

Vielleicht liegt es an der Eigenschaft, sich weder zu verstellen noch zu verhaken, dass „Fidlar“ dabei trotz schmaler Kampfansagen so aufgekratzt und extrovertiert ins Haus fällt. Die nächste Pulle weiß sicher Rat. Wenn nicht, fängt das Quartett für alle Querdenker sicher noch mal von vorne an. FIDLAR! (=„Fuck It, Dog – Life´s A Risk!“) – und somit nun mal eher Roulette- als Kinderspiel.

Trackliste:

01. Cheap Beer
02. Stoked & Broke
03. White On White
04. No Waves
05. Whore
06. Max Can't Surf
07. Black Out Stout
08. Wake Bake Skate
09. Gimme Something
10. Five To Nine
11. LDA
12. Shoot The Paycheck
13. Wait For The Man
14. Cocaine

Alte Kommentare

von PillePalle 11.02.2013 20:24

Geiles Album. Ein besseres Adjektiv fällt mir nicht ein.

von Fabian 18.02.2013 16:18

Beschreibt das auch ziemlich gut.

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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