Plattenkritik

Findus - Vis A Vis

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Release Date: 14.03.2014
Datum Review: 04.03.2014

Findus - Vis A Vis

 

Nordeutschland ist in den letzten Jahren die Wiege für diverse wunderbare, arschtetende Postpunkbands geworden. FINDUS zählen definitiv dazu. Längst haben sie den Vergleich mit dem kleinen, verwirrten Begleiter eines alten schwedischen Mannes abgeschüttelt und sind ein selbstbewusster Kater geworden, der sich vor niemandem zu verstecken braucht. Kröß lieg zwar immer noch klein in Ostholstein, die Jungs von FINDUS trifft man aber immer öfter in der Hansehauptstadt an. Und das hört man. Moppedfahren auf der Landstraße war einmal. Bereits der Titelgebende Song "Vis A Vis" erzählt vom Fortziehen und das Glück an anderer Stelle suchen. Vielleicht mit diesem charmanten neuen Album.
"Vis A Vis" ist um auf jeden Fall einiges melodischer und runder geworden als seine Vorgänger. Es dürfen auch mal ein paar Bläser ran. Das Songstrukturen wirken harmonischer, die Chöre plustern auf. JAN PLEWKA darf auch mal mitsingen. Das könnte man auf die Negativliste schreiben, muss man aber nicht. Dennoch müssen die Jungs aufpassen, dass es nicht zu schnell zu poppig wird. Zwar rotzt es an vielen Stellen noch ordentlich, doch die Gitarren sprechen takteweise schon eine andere Sprache.
Rau können sie aber immer noch zuverlässig. "Nachtwache" wirkt streckenweise etwas schräg und schlägt damit den Bogen zu altem Schrammelpunk, wo die Finger mit den Trauerrändern gerade die Verzerrfunktion entdeckt haben. "Buhmann" räumt im Anschluss daran aber direkt wieder auf, kickt Bierflaschen klirrend unter die Bühne um Platz zum stolperfreien Tanzen zu machen. Anerkennendes Kopfnicken und eingehaktes Tanzen auf den Gräbern der Bürgerlichkeit. Könnte eine Hymne für die suchenden Schmuddelkinder werden. Bierduschen gibt es dann bei "Fremde Schatten" und die Realität tippt der Vernunft auf die Schulter.
Den Punk danach muss man bei FINDUS nicht lange suchen. Das bereits erwähnte Raue findet sich schnell, das Pure ist ebenfalls noch vorhanden, das Schreien, Unbehagen. "Adam" ist da eher trotz allen Pomps der ruhigere Song auf diesem Werk. Leider entlassen FINDUS ihre HörerInnen mit einem recht trüben Abschiedssong. "Mondspaziergang" ist der traurige Abgesang auf vertraute Mitmenschlichkeit und lässt einen etwas unschlüssig zurück. Dialektik der Beziehung. Auf jeden Fall eröffnet es FINDUS so ziemlich jegliche Richtung für das was dann folgen kann und könnte. Was vorher war, ist jedenfalls ein Rein- und Mehrhören wert.

Tracklist:
1. Alcatraz
2. Vis A Vis
3. Nachtwache
4. Buhmann
5. Laternenlichtschatten
6. Fremde Schatten
7. Ein Letzter Gedanke Zum Tag
8. Adam
9. Geld frisst Stadt
10. Mondspaziergang

Autor

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Jule

Autoren Bio

wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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