Plattenkritik

Fingerspitzengefühl - s/t

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 01.01.1970
Datum Review: 19.06.2005

Fingerspitzengefühl - s/t

 

Das im Jahre 2000 in Stockholm gegründete Quartett namens "Fingerspitzengefühl" beehrt uns hier auf ihrem self-titled Debut-Album mit einer interessanten Mixtur aus Noise-, Hardrock, Grunge und Metal. Sehr vertrackte Rhytmen und wilde Stoner-Rock-Riffs bilden die Hauptmerkmale ihrer Musik. Die von zahlreichen Brüchen aller Normen gekennzeichneten Rock-Opern, sind für meinen Gehörgang leider nur äußerst schwer zu erschliessen. Besonders die ungerade Metrik und diese verwirrenden Songstrukturen ohne jeglichen Wiedererkennungswert, machen es für mich schwer, dieser Platte etwas abzugewinnen.

Zwar fehlt es hier nicht an interessanten Ideen und Innovationen, doch fehlt mir einfach die Eingängigkeit und hier und da vielleicht eine ohrwurmproduzierende Melodie.Vergleiche mit Soundgarden und Helmet sind, meiner Meinung nach, in ihrer Bandinfo fehl am Platz! Die ebenfalls erwähnten Motörhead passen da schon besser. Nichts für leichte Gemüter. Hier wird tonnenschwere, nur sehr schwer verdauliche Kost aufgetischt. Freunde von langen Bärten und unerwarteten Starkstromschlägen sollten vielleicht mal reinhören.

Ingo: 03/10

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Achtung, achtung, die Pogo-Polizei warnt vor den bizarr benannten Schweden aus Värmland und Umgebung. Hier kann man sich fix arg vertun und dann breit starrend vor einer heterogen zuckenden Wand aus Anti-Lärm stehen. Aber mal langsam: Noch ein Stück bolleriger, und Bass sowie Vocals scheinen 1 zu 1 von Entombed kopiert. Wo die Entgrufteten aber auf frischen Rotz auf altem Rost (und das noch durch die Rippen, hurra...) setzen, stellen Fingerspitzengefühl deutlich komplexere Strukturen.

Die gesamte Rhythm-Section (darf man das noch so sagen?) täuscht gern mal einen 123banger (Track 2) an, um dann, spätestens beim nächsten Song in abstraktere Gefilde abzutauchen. Natürlich nennt die Plattenfirma in der Info Helmet und Motörhead als Einfluss, doch diese Bands sind mit deutliche klareren Songs angetreten (und treten immer noch um sich). Lemmy ist sicher sympathisch, da berechenbar. Fingerspitzengefühl sind das nicht. Allerdings verabschiedet man sich auch nicht in Feedback-Höllen und Solo-Orgien. Das Wilde ist das geplante und der Plan ist wild. Die Gitarre spielt alles, was im Metal geht und wechselt gern mal unvermittelt, doch nie geht dem Song dabei die Luft raus. Wie ein räudiges Häschen auf dem Feld - wenn das im Lauf ausbricht, beschleunigt es auch erstmal. Insgesamt ist die Aufnahme, ebenso wie Booklet und Design, in der Oberliga anzusiedeln. Nichts klingt dünn, zu keiner Zeit. Fingerspitzengefühl beweisen in jedem Song, wie zerbrechlich catchyness sein kann, da diese, kaum etabliert, auch gleich zerritten wird (aber ohne dem Hörer den Spass zu nehmen und ihn im Regen stehen zu lassen). Diese Platte macht Spass und diese Metal-Rotzrock-Elemente hier wurden in letzter Zeit selten so frisch kombiniert. Mike Patton würde Fingerspitzengefühl sicher nur wegen ihres Namens mögen, da eben nicht stundenlang geschrieen wird. Doch auch Mr. Patton mag auf der Couch das Beinchen wippen bei "Friction" und "Pick It Up". Sieben von Zehn, da die Schweden zumindest einen echt kranken Song schuldig bleiben.

Ben 07/10

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