Plattenkritik

Four Tet - There Is Love In You

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Info

Release Date: 29.01.2010
Datum Review: 07.02.2010

Four Tet - There Is Love In You

 

Es war wohl DER Coup des elektronischen Musikjahres 2009. Das immer noch anonyme Dubstep/Garage-Wunderkind BURIAL und der Electro-Jazz-Pionier und Remix-Routinier FOUR TET veröffentlichten die beiden Songs „Moth“ und „Wolf Cub“ auf einer streng limitierten 12“-EP und Fans aller musikalischer Spielarten standen Kopf. Ein knappes halbes Jahr später liegt nun mit „There Is Love In You“ das neue Werk von FOUR TET vor und zwangsläufig stellt sich die Frage: wie hat sich die Kollaboration mit einem der größten Mysterien der jüngeren Musikvergangenheit ausgewirkt?

Die Antwort fällt hierbei so einfach, wie auch auf den ersten Blick ernüchternd aus: Kaum bis gar nicht. KIERAN HEBDEN geht auf „There Is Love In You“ eher den Weg weiter, den seine zahlreichen Neuinterpretationen für diverse Künstler von MADVILLAIN bis RADIOHEAD und BLOC PARTY sowie sein letztes Album „Everything Ecstatic“ geebnet haben.

Hierbei liegt der Fokus diesmal jedoch stärker auf den gradlinigeren Songs. IDM-Spielereien und Freejazz-Parts sucht man vergebens. Stattdessen dürfen die Songs atmen, sich Zeit lassen und zum Träumen einladen. Klar, das war auch früher schon so, aber dieses Mal fällt es noch stärker auf. Schon der Opener „Angel Echoes“ klingt eben mehr nach großer, schöner Welt und weit weniger nach klaustrophobischer Enge und urbaner Hektik, was dann auch den Hauptunterschied zu den Songs eines BURIAL ausmacht.

Stellvertretend für die Entspanntheit in den Arrangements darf „Circling“ genannt werden. Ein Traum von einem Song, der einen in Synthieflächen und abgehackten, verhallten Frauenvocals einlullt bis auch noch der letzte Misanthrop an das Gute im Menschen glaubt und sich auf die Suche nach der Liebe seines Lebens macht.

Die Wahrscheinlichkeit, eben diese in naher Zukunft auf der Tanzfläche zu finden steigert das darauf folgende Minimal-Konstrukt „Sing“ deutlich. Ein nahezu sicherer Hotspot in zukünftigen Sets nicht weniger Weltklasse-DJs, die FOUR TET ja schon in der Vergangenheit in ihr Herz geschlossen und in ihre Plattenkiste aufgenommen haben. Wer könnte es ihnen verdenken?

Doch es gibt eine Kehrseite der Medaille. Nicht jedes Stück auf „There Is Love In You“ will so zünden, wie diese beiden Songs. Insbesondere wenn sich der Sound dann doch wieder eher in Richtung Düsternis entwickelt, was durchaus vorkommen kann, offenbaren sich leichte Schwierigkeiten, den musikalisch berauschten Hörer bei der Stange zu halten.

Ein Glück, dass HEBDEN diesen Fehler nur selten begeht, weshalb „There Is Love In You“ in seiner Gesamtheit das euphorisierende, verträumte Werk bleibt, das man sich insgeheim erwartet und erhofft hatte. Im Grunde liegt das einzige wirkliche Problem des Albums dann auch in seinem Veröffentlichungszeitpunkt: Nahezu jeder Song hierauf schreit geradezu nach milden Frühlings- und Sommernächten am See oder Chillsessions auf der heimischen Terrasse.

Alles aber im Grunde dann doch kein großer Makel, denn ich bin mir sicher: wenn der letzte Schnee weggetaut ist und die ersten Blüten ihren Weg an die Erdoberfläche suchen, dann ist „There Is Love In You“ nach wie vor relevant, spannend und berauschend.


Tracklist:

1. „Angel Echoes“
2. „Love Cry“
3. „Circling“
4. „Pablo’s Heart“
5. „Sing“
6. „This Unfolds“
7. „Reversing“
8. „Plastic People“
9. „She Just Likes To Dance“

Alte Kommentare

von Olivier H. 07.02.2010 22:18

Bräucht ich auch mal endlich... ;)

von Instagib 08.02.2010 03:26

à propos madvillain, wann kommen die stones throw reviews? wird zeit ;)

von Timo 08.02.2010 10:26

Review geht so in Ordnung, aber wenn man schon von Burial schreibt (und den Mann so dermaßen abfeiert, wie du es tust), dann könnte man auch wissen, dass Burial mitnichten immer noch das anonyme Wunderkind des Dubstep ist. Der Typ heißt William Bevan und ist gar nicht mal sooo jung. Wußte Pitchfork schon 2008 oder so und mittlerweile kann man das selbst in Burials englischsprachigem Wiki-Eintrag nachlesen. Recherche ist ja was tolles.

von Manuel F. 08.02.2010 12:23

Stimmt, da hätte ich nochmal recherchieren können. Ich bezog mich da auf einen Artikel in der Zeit oder beim Spiegel, bin mir grad nicht mehr sicher. Bilder habe ich von dem Guten bisher aber nach wie vor keine gesehen und auch sonst sind die Infos ja eher rar. Aber gut, anonym geht natürlich anders. Insofern: shame on me!

von Timo 08.02.2010 14:26

naja, das Foto auf der Burial-Myspace Seite ist auch schon über 2 Jahre online glaube ich.

von Geschmaxpolizei 09.02.2010 15:39

Gutes Review, kann ich so unterschreiben. Trotz der kurzen schwachen Momente ist das ne super Pladde aus einem Guss.

von weihnachtsmann 16.02.2010 20:53

ka aber ich find das review gut. und burial wird zu recht gehyped - er kanns halt. ka was so schlimm daran sein soll, dass er vor zwei jahren mal ein bild von sich auf myspace gepostet hat. irgendwann wars klar dass er sich dem medialen druck ergibt, er hat ja lang genug katz und maus mit der öffentlichkeit gespielt. davon abgesehen bleibt er immernoch im untergrund und macht so wenig wirbel um sich wie möglich. egal, du scheinst ihn ja persönlich zu kennen, timo ,) peace.

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Raphael

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