Plattenkritik

Frau Potz - lehnt dankend ab

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Release Date: 17.02.2012
Datum Review: 12.02.2012

Frau Potz - lehnt dankend ab

 

 

ESCAPADO holen gerade noch Luft, da kommt FRAU POTZ um die Ecke und schlagen eben in diese Pause ein, als ob ihnen die Ruhe unheimlich wird. Der Titel ist Programm : Sie kreieren einen ziemlich aggressiven, wütenden Postpunkrockcore gegen intellektuelle Selbstmitleidsbeweihräucherung, gesellschaftliches treiben lassen in der grauen, effizienzorientierten Masse. Als ob sie den grauen Herren (und Damen) die Zigarren aus dem Gesicht treten wollen. Sie bauen sich schreiend auf und stürmen durch die gesamte Platte. Hamoniebedürfniss existiert in der von ihnen beschrieben Welt konträr zu den Möglichkeiten ihrer Umsetzung. Verbalästhetik wird eingetauscht gegen klare Worte, die die Missstände benennen, ohne Fragen zu hinterlassen. Gesang und Geschrei erscheinen etwas unfiligran, vielmehr ballern sie ohne Feingefühl los und so wirkt das Ganze etwas klotzig aber durchaus "postpunkig" ohne Offbeats. FRAU POTZ schwingen die Keule.

Platz für Eigeninterpretationen wird nicht gelassen. Es klingt nach Sturm und Drang. Die Themen sind altbekannt: Kontra Normativitätskonstruktivismus und auf falscher Basis eingerichtete Gemütlichkeit. Dazu dichte Soundstrukturen, alles einnehmende Gitarren, die oftmals an ESCAPADO erinnern, aber nicht an deren Experimentalkraft herranreichen. Alles durchdringende, impulsiv ausgelebte Emotionen sind der Tenor. FRAU POTZ schreien nach Verantwortungsübernahme, formulieren die konkrete Ausgestaltung dieser aber lediglich in Form von zunehmender Lautstärke und füllen sie weniger mit Inhalten. "Rendsburg" schreit nach Respekt, zeugt aber auch von dem Unwillen, Dinge zu diskutieren, die indiskutabel sind. Es ist eben nicht alles einfach auch wenn FRAU POTZ sich das so sehr wünschen. Der Diskurs scheint ihnen zu Anstrengend. Die bevorzugte Haltung ist anti und so stolpern sie in die altbekannte Falle, in die schon viele Punkbands vor ihnen gestolpert sind: Wissen wogegen, aber nicht wofür. Und so steht man ziemlich schnell in der Sackgasse. Schade. Aber vielleicht ist das die Basis auf welcher sie Fuß fassen und sich weiterentwickeln können.

"Geh, Affe geh!" sei am Ende dieses Reviews noch genannt. Denn auch gegen Reviews sind FRAU POTZ und jegliche andere Bewertungsinstanz. Auch hier beißen sie sich damit selbst in den Schwanz, da die Bewertung der Umstände ihr Schwerpunkt ist. Aber vielleicht ist es auch Punrockattitüde sich selbst zu widersprechen und somit die innere Verzweiflung und Zerrissenheit zu unterstreichen. Macht was draus und hört nicht auf zu denken, wenn das wogegen ihr seid sich wandeln soll in konkrete Forderungen nach einer Neugestaltung.

Tracklist:
1. Ach, Heiner
2. Spacegewehr
3. Klockenschooster
4. Schlosser´s Law
5. Champagnerspion
6. Skelbe
7. Brockenheim
8. Rendsburg
9. Anfang
10. Ick wull die wat
11. Geh, Affe geh!
12. Bojan

Autor

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Jule

Autoren Bio

wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de