Plattenkritik

Frightened Rabbit - The Winter Of Mixed Drinks

Redaktions-Rating

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Release Date: 05.03.2010
Datum Review: 24.02.2010

Frightened Rabbit - The Winter Of Mixed Drinks

 

Würde sich irgendwann ein Künstler aufmachen und versuchen verschiedene Gefühlslagen zu vertonen, in etwa so, wie es THRICE mit den vier Elementen Wasser, Feuer, Luft und Erde taten, so würde er spätestens beim schönsten Gefühl überhaupt an seine Grenzen stoßen. Denn da war schon jemand vor ihm, der diese Gefühlslage erfolgreich vertonte. Ich weiß nicht, ob es vielleicht Absicht von FRIGHTENED RABBIT war, aber ihr inzwischen drittes Album namens „The Winter Of Mixed Drinks“ ist ein reines Fest und verkörpert für mich das Gefühl der Vorfreude. Ein paar Eckdaten: Die Platte erscheint via Fat Cat Records, einem verdammt guten britischen Label auf dem unter anderem auch MAX RICHTER seine Platten veröffentlicht. Gerade im letzten Jahr punktete jenes mit den Veröffentlichung der großartigen THE TWILIGHT SAD und WE WERE PROMISED JETPACKS. Eben in jene Kerbe schlagen auch FRIGHTENED RABBIT.

Was gleich zu Anfang von „The Winter Of Mixed Drinks“ auffällt ist dieser warme Soundteppich auf dem die Band sich über die 11 Songs bewegt. Klingt ein wenig so, wie JIMMY EAT WORLD heute klingen würden, wenn sie nach „Bleed American“ nichts mehr falsch gemacht hätten. Warm und vertraut und stets bis aufs äußerste gespannt. „The Winter Of Mixed Drinks“ besticht nämlich durch eine spezielle Stimmung, zu vergleichen ist diese mit einer Mathearbeit. In Etwa. Man ist vorbereitet, weiß im Grunde was vor einem liegt, trotzdem steigt die Anspannung in den 10 Minuten vor der Arbeit ins Unermessliche. So ist es auch bei dieser Platte.

Scott Hutchison nimmt einen ohne Frage sofort nach den ersten Zeilen von „Things“ gefangen. Und obwohl der Song stolze viereinhalb Minuten auf den Zeiger bringt wirkt er wie ein kurz gefasster Opener. Der Soundteppich unter ihm bewegt sich monoton aber höchst geladen, scheint gen Ende sogar immer wieder explodieren zu wollen. Aber nichts. Dass der Hörer jetzt angespannt ist machen FRIGHTENED RABBIT sich zum Stilmittel und setzen ohne erkennbaren Höhepunkt in Song Zwei über. „Swim Until You Can’t See Land“ ist dabei ein typischer Lieblingssong, gekoppelt an eine urzufriedene Stimmung und das Gefühl, sich endlich ausruhen zu können. Angereichert mit Einflüssen aus Folk und zeitgenössischem Pop, der niemals auch nur ansatzweise Mainstream genannt werden könnte, zaubert die Band hier einen Wohlfühl-Song nach dem anderen hin. Und so geht es immer weiter. „The Loneliness & The Scream“ glänzt mit wunderbarem Chor, „Skip The Youth“ erstmals mit trauriger Miene. Wie fast schon üblich bei den Fat Cat Bands erzeugt auch hier die akzentvolle Stimme von Sänger Scott Hutchison die Gänsehaut. Wenn man nämlich beim großartigen „Skip The Youth“ denkt, der lang ersehnte Ausbruch würde sich anbahnen, eröffnet Hutchison uns, dass er gar nicht tanzen kann. Na, damit wäre das mit Ausbruch also geklärt. Aber keine Sorge. Wenige Sekunden darauf wird es laut und krachig, immer mit genügend Gefühl und weit weg von jeglichen Klischeevorwürfen. Eben ganz so, wie es bei JIMMY EAT WORLD immer war.

Mit „Yes I Would“ endet die wilde Fahrt der Vorfreude traurig, aber nicht minder schön. Im Gegenteil. Das Beste kommt zum Schluss, da ist es! Lange Rede, kurzer Sinn - FRIGHTENED RABBIT haben mit „The Winter Of Mixed Drinks“ Vorfreude so schön vertont, wie es niemand sonst hätte machen können. Ob gewollt oder nicht – Musik ist ein Stück weit Interpretationssache des Hörers. Danke.

Tracklist:

1. Things
2. Swim Until You Can’t See Land
3. The Loneliness & The Scream
4. The Wrestle
5. Skip The Youth
6. Nothing Like You
7. Man/Bag Of Sand
8. Foot Shooter
9. Not Miserable
10. Living In Colour
11. Yes I Would

Alte Kommentare

von roxy 24.02.2010 17:50

ist jetzt hier schlußverkauf bei den cd tipps oder was? alles wird rausgehauen. die ganzen vier letzten tipps waren total überflüssig.

von Tobe 24.02.2010 23:45

och, und weil du das sagst müssen das alle so sehn ? ;-)

von Kilian 25.02.2010 16:10

Schönes Album! Gerade "Yes, I Would" hat es mir angetan, aber nichts geht über "Keep Yourself Warm" vom Vorgänger.

von ben 01.03.2010 15:46

mathearbeit?

von Randy 08.01.2011 04:11

@ Kilian So sieht's aus.

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Raphael

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