Plattenkritik

GREAT LAKES USA - Stumbling Distance

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Info

Release Date: 24.07.2015
Datum Review: 28.07.2015
Format: Vinyl Digital

Tracklist

 

1. The Best Band At O’ Brien’s
2. Crows
3. Aim So Low
4. Down (II)
5. Paralyzed
6. Shaking Hands

Band Mitglieder

 

Myke "The Handler" Doyle - Drums
Pete "The Chef" Hoffman - Bass.
Alex Heinz - Guitar & Vocals
Mike Przygoda - Guitar

GREAT LAKES USA - Stumbling Distance

 

In einem Zeitalter, in dem NO TRIGGER sich ihrer Releasepflicht verweigern, wohnen viele der Nachbarn im heimischen Boston zum Glück nicht auf dem Baum. Ausnahmsweise ist die Rede jedoch nicht von DEFEATER, BANE oder THE HOTELIER - denn auch melodischer Bolzenschuss-Punkrock ist noch immer gern gesehener Gast in der Studentenstadt an der US-Ostküste.
 
Demnach wartet die neue EP von GREAT LAKES USA auch keinen vollen Sekundenbruchteil, bevor "The Best Band At O’ Brien’s" und mit dem Opener auch Frontmann Alex Heinz austeilt. Oldschoolig geknüppeltes Schlagzeug, pfeilschnelle Gitarrenriffs und eine gallig angepisste Stimme halten zunächst sechzig Sekunden die Stellung bis zur Sauerstoffschneise, dann schüttet "Crows" Groove, Harmonien und Melodie mit in den Pott. Die Referenz zum Heimatort ist allenfalls als Kompliment gemeint, denn hier klingt eine Hardcorepunkband auf EP-Länge so füllig und standhaft wie nur selten. "Aim So Low" ist zu hart für die hochgekochte Schnittmenge aus hymnischen SNUFF, kompromisslosen NONE MORE BLACK und triefenden IRON CHIC aber mindestens auf demselben Fundament gebaut. "Down (II)" läuft im Anschluss erneut im T-Shirt von STRIKE ANYWHERE oder STATIC RADIO NJ auf: Kratzige, zugleich massive Vocals, tighte Arrangements ohne eine Haaresbreite Erschöpfung oder Verhandlungsspielraum - dazu Hooklines zum ersten und zum zweiten Frühstück. Dass dem Europäer dieser Genuss mit bestem Gruß aus der Liebhaberschmiede Coffeebreath & Heartache serviert wird, lässt nicht bloss Plattenspielernadeln und Importkosten-Verabscheuer freudig quieken. Die sechs Songs auf "Stumbling Distance" sind so kernig, infektiös und blickdicht, dass sogar die kurze Spielzeit von bloss einer Viertelstunde verziehen gehört. Während Evolution und Intellekt-Überstunden dieser Tage gerade im Punkrock nicht immer Hand in Hand gehen, stellen GREAT LAKES USA klar, dass auch altbewährte Konzepte noch durchaus zu gebrauchen sind. Allen voran, so beweist "Stumbling Distance" mit Pflock und Faust, der kurze Prozess.
 

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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