Plattenkritik

Gnill - Ich werde mich mit dieser Makrele ins Ausland absetzen

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Release Date: 28.03.2008
Datum Review: 10.09.2008

Gnill - Ich werde mich mit dieser Makrele ins Ausland absetzen

 

Gerade geistert PETERLICHT durch die Feuilletons, Blogs und Musikpostillen als Retter der deutschen Pop-Landschaft, Neo-Hippie und intellektuelles Leuchtfeuer par excellence, doch so nett und gut gemeint die Piano-Balladen des gesichtslosen Musikers auch sein mögen, sind es nicht mehr PETERLICHTs, die der „deutschen Pop-Szene“ fehlen, sondern mehr Musiker vom Format eines Florian Gelling (GRAFZAHL).

Zwar ist die Veröffentlichung der Solo Ep unter dem aufschlussreichen Namen GNILL schon einige Monate her, die Relevanz, Cleverness und unprätentiöse Genauigkeit von Songs wie „Artig“ ist immer noch unangefochten. Mit dem so schönen, wie vertrauten Fiepen und Surren von Billig-Synthies, scheppernden Computer-Drums und von GRAFZAHL bekannten Gitarrenarrangements schafft GNILL es, sowohl in der Disziplin akustischer Umarmungen im Sinne TOM LIWA’s, als auch in bitterbösen Alltagsbeobachtungen Großartiges zu leisten.

„Wir sind artig, wir bleiben immer im Rhythmus / von jemand anders / wir sind artig / wir lesen die Zeitung / wir zünden kein Springer an / wir lassen uns alles gefallen […] und manchmal frage ich mich / was haben wir zu verlieren / wir könnten es doch einmal probieren? […] wir sind artig, da helfen keine Platten“. Selten gelingt es einem Song in 3 Minuten einen Polaroid Schnappschuss einer ganzen Generation anzufertigen. Das geniale an GNILL ist dabei nicht mal Gellings Beobachtungsgabe, sondern die Vortragsart. „Ich werde mich mit dieser Makrele…“ ist als mit leichten Elektrorock Verweisen angereichertes, trotzdem relativ Lo-Fi und klassisch runtergespieltes Songmaterial die perfekte Kombination aus gutem Songwritertum und modernen Einflüssen.

Wenn es immer unmöglicher wird eine reaktionäre Generation zu ignorieren, die jede Chance nutzt, ihre Lebensläufe aufzufüllen, die so viel Angst vor Ungewissheit und Panik ihren vom Elternhaus angewöhnten Lebensstil aufzugeben; die Pali-Tuch mit Protest verwechseln. Wenn auch die PETERLICHTs dieser Welt nicht mehr genug sein werden uns zum eskapistischen Träumen anzuleiten, dann sind es die Songs von GNILL, die einem dazu im Kopf herumgeistern sollten.

Tracks:
1. Für Irgendwen
2. Artig
3. Angst vor den Leuten
4. Dein Problem
5. Der Mann von der Union

Alte Kommentare

von Raphael 11.09.2008 08:46

Live super. Covert sogar JAWBREAKER

von Michael 11.09.2008 12:23

oh dear, das ist in etwa der schrägste Album titel, der mir je untergekommen ist..

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Dennis

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