Plattenkritik

Goodbye Fairground - I Started With The Best Intentions

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Release Date: 29.03.2013
Datum Review: 13.03.2013

Goodbye Fairground - I Started With The Best Intentions

 

 

Der Winter ist vorbei – mit Ostern steht das Frühjahr vor der Tür. Aber nicht allein die Temperaturen lassen das Eis mancherorts so dünn werden, dass es sich nur unter erheblicher Gefahr darauf ausharren lässt. Im Ruhrgebiet kriecht mit den Frühlingsgefühlen auch die Muße für Konzeptalben aus dem Winterschlaf. Oder zumindest erstmal jene für Albumkonzepte.

Aller Anfang ist schwer. „I Started With The Best Intentions“. Reicht das aus? Schnell nämlich fing Benjamin Bruns offenbar damit an, gute Absichten gegen AGAINST ME!-Platten einzutauschen - und blieb (verständlicherweise) auf diesen hängen. Schon auf der „We´ve Come A Long Way“-EP machte die Band um Bruns und Schlagzeugerin Julia Franzen 2011 keinen Hehl daraus. „Western Gold“ und „Elephant Graveyard“ müssen das nun unter rotem Faden ausbaden. Wenn Bruns´ Organ mal nicht zu 100% an Laura Jane Grace (oder damals noch Tom Gabel) herankommt hilft der Sänger von GOODBYE FAIRGROUND gern skrupellos nach - fängt sich aber über klirrenden Gitarren und einnehmenden Refrains oft noch kurz vorm Abseits. Dazu fügt sich bei „Nails“ oder „City Patriots“ auch die musikalische Checkliste: Reichlich Hall und Hymne aus der Telecaster, dazu fauchende Drums – das Erfolgskonzept von der US-Ostküste schmeckt auch im deutschen Pott.

Zahlreiche Trainingseinheiten haben die Buben plus Mädel nahe eines Fallon´schen Camps absolviert - bei „Blame It On The Latency“ wissen sich die Protagonisten durchaus von ihrer qualitativen und eingängigen Seite zu zeigen, starren aber gerne auch so stur auf die Originale, dass aus einem Schmunzeln schon ein Hauch Empörung werden kann. „I Started With The Best Intentions“ mit seinem Storyboard um einen beliebigen Bürger, der zwischen Alltagseinöde und Freiheitshunger sein Leben umkrempelt, sortiert reichhaltige Melodien und Spannungselemente in die elf Songs (plus 4-Bonus-EP-Tracks bei der limitierten CD-Auflage), die sich zu entfalten und behaupten wissen.
Schwer fällt es GOODBYE FAIRGROUND nur, ihr Potential zu festigen und auf den Punkt zu kommen. Auch nach mehreren Anläufen drohen die Arrangements noch immer, im eigenen Sud aus Punkrock-Musical und Indie-Kern zu verschwimmen - obwohl der Schlachtplan der Essener wasserdicht erscheint. „Meckern auf hohem Niveau“ nennen das die einen, „Songs voll geballter Leidenschaft“ verspricht der verstörende Beipackzettel (der seine Leser nebenbei siezt...?!). Zum Auftauen reicht das Re- oder auch Konzept - welches GOODBYE FAIRGROUND um jeden Preis einwirken lassen möchten - aus.
Hitzerekorde und Hit-Flutwellen sind nach dem edel verpackten Frühlingspraktikum allerdings weiterhin Mangelware.

Trackliste:

01. Nails
02. Western Gold
03. Crossing The Tan Line
04. Elephant Graveyard
05. March Of The Rats
06. Mute
07. City Patriots
08. Look Up, Hannah!
09. Man Mountain
10. Blame It On The Latency
11. I'm On Six

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.