Plattenkritik

Gravenhurst - The Western Lands

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Release Date: 14.09.2007
Datum Review: 24.10.2007

Gravenhurst - The Western Lands

 

„It wasn’t romantic. It was fucking horrible“, sagte Nick Talbot alias GRAVENHURST über die nächtlichen Aufnahmen in einem unbeheizten Caravan zu „Song Among The Pine“ für den Brühl/Vogel Film „Ein Freund von mir“. Auch GRAVENHURSTs Musik ist nie romantisch, nie gelöst von der Nacht, auch sie ist in gewisser Weise „fucking horrible“ – nicht im qualitativen Sinn, sondern als erschreckend bloßgelegte Qual. Seit jeher sucht Talbot seine Katharsis in Songs, die, so scheint es, den gesamten kollektiven Weltschmerz in sich aufnehmen, ihn herausschreien gen Himmel, gegen die Ungerechtigkeit, die Sinnlosigkeit, die Angst.

Sanft tauchen wir mit „Saints“ tief ein, in die Welt der verlorenen Seelen des Rock und sehen zu, wie die Verzweifelten schmerzverzerrt die Sinnlosigkeit aus dem Leben tanzen und kollabieren auf den Gräbern verflossener Liebe, bis sich in „Hollow Men“ die Gitarren versponnen MY BLOODY VALENTINE gedenkend auftürmen, zum Noise Brei zerstampft werden und Wände durchbrechen, um rastlos den Mond anzuheulen. „The Western Lands“ ist ruhiger, jedoch nicht weniger intensiv, geworden, als „Fire in Distant Buildings“. Talbot kehrt wieder zum Folk zurück, transformiert ihn aber bis zur Unkenntlichkeit in einen verstörend schönen Post-Punk Entwurf. Schwermütig stampfende Schlaflieder („Song Among The Pines“) schließen sich dem deliriösen fernen Grollen des Noise Rock an und darüber immer wieder Talbot, der seine verspulten Texte so sanft haucht, wie die Geister seiner Geschichten.

Und so zünden wir uns eine letzte Zigarette an und trotten zu dem bluesigen „Grand Union Canal“ durch die kalten, leeren Straßen der „Western Lands“, in denen Personen, Erinnerungen und die post-industrielle Landschaft zu unserem ganz eigenen nachtblauen Mosaik verschmelzen. Denn die „Western Lands“, das sind wir, unser persönliches Fegefeuer und GRAVENHURST die Stimme, die uns leitet. Wohin? Das werden wir schon sehen.

Tracks:
1. Saints
2. She Dances
3. Hollow Men
4. Song Among The Pine
5. Trust
6. The Western Lands
7. Farewell, Farewell
8. Hourglass
9. Grand Union Canal
10. The Collector

Alte Kommentare

von dan 28.10.2007 13:49

gut, dass sowas hier nicht wirklich geschätzt wird...

von scklow 22.11.2007 09:14

super album.. gutes review!

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Dennis

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