Plattenkritik

Great Lakes USA - Live Fast, Die Whenever

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Release Date: 06.11.2012
Datum Review: 18.10.2012

Great Lakes USA - Live Fast, Die Whenever

 

Einmal über den Fluss schielen. Dahin, wo die Elite sich für Lebens-, Gehalts- und Gesellschaftskonten einlernt und die Köpfe rauchen, bis sie dicht machen oder implodieren. Keine zehn Minuten entfernt schlecken Pete Hoffman, Myke Doyle und Alex Heinz lieber bunte Eiscreme aus dem Kübel des Lebens und untermalen die biederen Hoheiten der nahen Harvard University mit Gitarrensoli und angestacheltem Kein-Züruck-Punkrock.

“The Great Lakes Are One Of Our Nation´s Most Majestic Treasures” schloss John F. Kennedy einst seinen Gedankengang in einem Satz ab. Zufall oder Devise, dass der Eröffnungstitel des Debütalbums zunächst „No Girlfriends“ heißt? Zehn Tracks mit Wut und Ziel, gefährlich fixiert auf die Zweieinhalb-Minuten-Marke und die Quasi-Nachbarn von NO TRIGGER, mit denen man mehr als nur den Produzenten Jay Maas gemeinsam hat. Bei den GREAT LAKES USA raucht es triefenden Hardcore aus „Let´s Face It, This Sucks“ während „Drink & Stagger“ vor Brett und Leidenschaft röhrt und tanzt, als hätte das Trio aus Massachusetts nie zuvor an etwas anderem außer der eigenen Angriffslust geschraubt. Heinz treibt mit aggressivem und einnehmendem Organ, erinnert bei „Ghosts“ ein weiteres Mal an Tom Rheault und bespaßt „Rambling Dudes Forever“ beinahe alleine mit seinem Gitarrenspiel.

„Live Fast, Die Whenever“ verhält sich somit auffallend gegensätzlich und draufgängerisch – erst mit „No Boyfriends“ setzen sich GREAT LAKES USA auf den Hosenboden und stecken leicht zurück, dass man eine Spur THE LOVED ONES vernehmen mag. Zuweilen hätte sich ein solcher Einschnitt auch in der Mitte des Albums zurechtgefunden, wie der klärende Titeltrack beweist.

Gäbe es im Punkrock eine „zeitgemäße“ Ader, stünden bei GREAT LAKES USA alle Zeichen auf Bullseye. „Live Fast, Die Whenever“ bringt Wucht und Lächeln auf einen Nenner, klingt eher nach Feierabendbier als nach Semesterschönlingen und bohrt sich trotz seiner recht kurzlebigen Aufenthaltsdauer tief ins Faustinnere. Mister Kennedy ahnte schon voraus: Braucht es stetige Übung mit dieser neonfarbenen Eiscreme, um sich so hemdsärmelig ins Reine zu kotzen, wie diese Männer es mit ihrer Albumpremiere besiegeln? Keinesfalls. Liegt dann wohl eher an der Nähe zu den Edel-Unis.

Trackliste:

01. No Girlfriends
02. Grown Up Stuff
03. I Sold My Liver Down The River
04. Rambling Dudes Forever
05. Let’s Face It, This Sucks
06. Live Fast, Die Whenever
07. Drink & Stagger
08. Ghosts
09. Black Coffee
10. No Boyfriends

Alte Kommentare

von Fredbert Honziger 13.06.2013 22:19

Ich möchte mal wieder ein Review lesen, dass sich trotz Anspielungen und Metaphern lesen lässt und in dem der Autor sich nicht in seiner selbstgefälligen Eloquenz suhlt. Geht das?

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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