Plattenkritik

HEAT (Berlin) - Labyrinth

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Release Date: 29.08.2014
Datum Review: 23.08.2014

HEAT (Berlin) - Labyrinth

 

HEAT (nicht zu verwechseln mit H.E.A.T.) spielen von den Großmeistern der Gitarren inspirierten 70s Rock. Gleich zu Anfang möchte ich die großartige Gitarren-/Bassarbeit hervorheben, die sehr an ZEPPELIN und LIZZY erinnert. Durch die sehr gute Drum-Arbeit und die Hammond-Anteile kommt dann noch der PURPLE und WHITESNAKE Flair hinzu, wodurch sich in Songs wie 'Masquerade', 'Loving Devotion' (harter SABBATH Einschlag) oder 'Siamese Smile' ein wahrer Hörgenuss entwickelt. Jedoch verpasst die Band (im Sinne der alten Zeiten) meistens ab dreieinhalb Minuten den Absprung und verzettelt sich in vier bis acht Minuten Songs, die partiell einfach zu lang sind. Wenige Ausnahmen wie 'Labyrinth' oder 'The Golden Age' überzeugen auf voller Spiellänge,denn noch ein Gitarrensolo oder einen weiteren Breakdown braucht ein bis dahin amtlicher Song meiner Meinung nach nicht, zumindest dann nicht, wenn nicht das zweite Solo oder neue Part des Songs überraschend (und überzeugend) anders umgesetzt wird.

Der Sound gefällt mir mit am besten: Es klingt wirklich so, als hätten HEAT es geschafft eine Zeitmaschine zu erfinden, in die Vergangenheit zurück zu reisen und dort ihr Album gemeinsam als Band in einem Take, in einem großen Raum einzuspielen. Herrlich. Wer 'Sweet Child In Time' kennt und gerade für die teilweise nicht perfekte Umsetzung und die lebendige Studio-Atmosphäre zu schätzen weiß, der wird auch an HEAT seine große Freude haben.

Was mir an HEAT nicht gefällt ist der Gesang. Vielleicht ist es ein Trost, aber ich mag OZZY stimmlich auch nicht. Aber bei HEAT ist der tonale Umfang, als auch der Facettenreichtum der Stimme sehr eng gefasst und klingt streckenweise mehr nach Jam Session-Improvisation als nach durchdachten Gesangslinien. Gute Ansätze sind zu erkennen, aber insgesamt wirkt er unsicher und mehr als Mittel zum Zweck, damit man nicht nur Gitarren auf der Platte hat. Was die Saiten- und Fellformation bisweilen schafft, können die Vocals leider nicht für sich verbuchen: IAN GILLEN wird hier nicht erreicht. Ich weiß, dass das keiner gerne hört. Daher das oben genannte Trostpflaster. Es klingt ein bisschen so, als würde JOEY RAMONE bei PURPLE oder THE DOORS singen...nur eben bei HEAT. Wem das also gefallen könnte oder dies interessant fände, der solle nicht scheuen mich einen Tölpel zu schimpfen. Geschmäcker sind zum Glück verschieden.

Fazit:
Ist eine coole Platte geworden und wenn man nun nicht die Vokal-Kunst eines STEVEN TYLER erwartet und sich auch mit einer (leicht schiefen) Version von PHIL LYNOTT leben kann, der sollte sich von meinem Geschmack nicht irritieren lassen und sich selbst ein Bild machen. Ist auf jeden Fall eine Band, zu der ich gerne in einer Bar ein Bier trinken würde, denn den perkussiven Aufbau in 'The Golden Age' würde ich gerne mal live erleben.

Tracklist

1. Barbarossa
2. Free World
3. Labyrinth
4. Loving Devotion
5. Masquerade
6. Siamese Smile
7. The Golden Age

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Linc

Autoren Bio

Singer-Songwriter bei "Linc Van Johnson & The Dusters" (Folk´n´Roll) Singer @ Supercharger (DK) Part of the ALLSCHOOLS family since 2006.

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